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Experten von Volksbank und Sparkasse raten zum Umbau von Depots: "Aktie wird weniger attraktiv"

Abgeltungsteuer: Was müssen Anleger jetzt tun?

Landkreis (crs). Sie soll die Besteuerung privater Kapitalerträge vereinheitlichen und vereinfachen - und doch scheint auf den ersten Blick alles ungeheuer kompliziert. Zum 1. Januar 2009 tritt die neue Abgeltungsteuer in Kraft. Was ändert sich für den einzelnen Anleger, wann muss man tätig werden - und wen betrifft die Abgeltungsteuer überhaupt? Unsere Zeitung hat für Sie nachgefragt.

veröffentlicht am 04.06.2008 um 00:00 Uhr

Torsten Endmann

Wer Geld hat, muss auf die Gewinne Steuern zahlen. An diesem Grundsatzändert sich nichts, umgestellt wird aber das System. Bislang zahlte der Anleger auf Erträge über dem Freibetrag einen Zinsabschlag von 30 Prozent plus 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag. Diese 30 Prozent galten als "Abschlag" - über die Einkommensteuererklärung war der Ausgleich möglich: Bei einem persönlichen Steuersatz unter 30 Prozent gab's Geld zurück, bei einem höheren musste gegebenenfalls nachgezahlt werden. Mit der neuen Abgeltungsteuer stellt der Staat vom "Abschlag" auf die "Abgeltung" um. Erträge werden pauschal mit 25 Prozent Abgeltungsteuer plus 5 Prozent Solidaritätszuschlag plus - das ist neu! - gegebenenfalls Kirchensteuer besteuert. "Mit dieser Zahlung ist die Steuer aber tatsächlich ,abgegolten'", macht Horst Requardt von der Volksbank in Schaumburg auf den Wortlaut aufmerksam. Einen "Riesenvorteil" sieht Requardt für die Besserverdienenden mit einem Spitzensteuersatz von bis zu 45 Prozent: "Bei einigen halbiert sich die Steuerlast beinahe." Alle Anleger mit einem Steuersatz von mehr als 25 Prozent profitieren von der Abgeltungsteuer. Was nicht bedeutet, das die Bezieher niedriger Einkommen das Nachsehen haben: "Bei einem Steuersatz unter 25 Prozent ist weiter die Erstattung über die Steuer möglich", so Requardt. Einen Vorteil sieht Requardt für sämtliche Anleger: Mit 25 Prozent ist der Liquiditätsabfluss deutlich geringer als bei den vorherigen 30 Prozent, "dem Einzelnen bleibt mehr Geld". Zudem entfalle für viele der Aufwand mit der Steuererklärung: "Das System wird für den Einzelnen in der Tat deutlich einfacher." Der Freibetrag bleibt in der bisherigen Höhe von 801 Euro für Alleinstehende und 1602 Euro für Ehepaare erhalten. Durch die kontinuierliche Absenkung der Freibeträge in den vergangenen Jahren sind bereits relativ kleine Vermögen betroffen: Relevant werde das Thema Abgeltungsteuer bereits bei einem Vermögen von 20 000 Euro für Alleinstehende beziehungsweise 40 000 Euro für Paare, sagt Armin Kisser von der Sparkasse Schaumburg: "Es sind Kundengruppen in die Steuerpflicht gerutscht, die früher davon nicht betroffen waren." Neu ist: Kursgewinne sind künftig voll steuerpflichtig, die Spekulationsfrist fällt weg. Eine Regelung, die insbesondere für aktienorientierte, aktive Anleger von Relevanz ist. Denn bislang galt eine Frist von zwölf Monaten, nach deren Ablauf Kursgewinne steuerfrei realisiert werden konnten. Konsequenz laut Kisser: "Die Einzelaktie wird für Direktanleger weniger attraktiv." Auch Dividenden sind künftig in voller Höhe steuerpflichtig - das sogenannte Halbeinkünfteverfahren entfällt. Wer auf Aktien setzt, könnte im nächsten Jahr schlechter dastehen. Deshalb sollten Depots abgeltungsteuerneutral umgebaut werden, empfiehlt Sparkassen-Kundenberater Torsten Endmann: "Möglicherweise sollte sich der Kunde von Einzelanlagen trennen und in ein Portfolio umschichten." Derartige "Dachfondslösungen" könnten sich als attraktiv erweisen - "wenn sie zum Kunden passen", warnt Endmann. Denn: Pauschalaussagen sind nicht möglich, in jedem Fall sind eine individuelle Analyse im Gespräch mit dem Kundenberater und eine maßgeschneiderte Lösung wichtig. "Dieses Jahr noch nach legalen Schlupflöchern suchen", rät Horst Requardt - "um so wenig Abgeltungsteuer wie möglich zu zahlen..." Und auch wenn bis zum Inkrafttreten der Abgeltungsteuer noch knapp sieben Monate Zeit sind, raten Volksbank- und Sparkassen-Experten übereinstimmend, jetzt zu handeln. Kisser: "Die Zeit läuft flott."

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