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Immer mehr Rintelner und Auetaler sind mit dem GPS in der Hand auf "Schatzsuche" unterwegs

Abenteuer Geocaching hat Suchtcharakter

Rinteln/Auetal (wm). Es gibt Sachen die sind einfach nur irre: Da erklärt jemand einen leeren Container zum Ziel einer Schatzsuche - nur zu öffnen mit einem Schlüssel, der irgendwo im Deister versteckt ist. Und die Finder statten diesen Container nach und nach mit Möbeln aus, bis ein gemütliches Wohnzimmer entsteht - das sich wiederum laufend verändert, einfachdeshalb, weil jeder neue Besucher Einrichtungsgegenstände mitbringt und gegen vorhandene austauscht. Diese irre Sache ist der neueste Trend beim "Geocaching" (engl., sprich: Dschiokäsching) einer Schnitzeljagd mit GPS - einem Navigationsgerät, ähnlich, wie man es inzwischen in fast jedem Auto findet.

veröffentlicht am 24.11.2008 um 00:00 Uhr

Eine Kamera hat ein Geocacher immer zur Hand, schließlich will d

Geocacher rühmen sich, als einzige ein Hobby zu haben, das nur mit milliardenteurer Technik funktioniert, nämlich den Satelliten im Orbit. Bei Geocaching ist der Weg das Ziel: Rund ein Dutzend Geocaches gibt es inzwischen in der Rintelner Kernstadt - sogar auf dem Marktplatz (N 52 Grad 11.240 E 009 04.860), etwa 50 in den Ortsteilen, etwa genauso viel im Auetal, rund 100 sind es im Umkreis von zehn Kilometern. 28 Ziele kann man allein bei einer Rundtour um das Steinhuder Meer entdecken. Caches (ausgesprochen: Käsches) sind meist Filmdosen oder größere Plastikbehälter mit Sachen zum tauschen, nichts wertvolles, dafür witziges, versteckt von sogenannten "Ownern". Nicht nur die Zahl der Geocaches wächst in Rinteln wie im Auetal und woanders unaufhörlich, sondern auch die Zahl der Geocacher die sie suchen - unschwer zu erkennen am GPS in der Hand - jüngstes prominentes Mitglied im Club: Rintelns Ortsbürgermeister Ulrich Goebel. Auch Rintelner Ärzte und Rechtsanwälte sind dabei - die wollen aber namentlich nicht genannt werden. Geocacher sind eine weltweite Gemeinde - Caches findet man in Schaumburg/Illinois bei Chicago wie in den Rintelner Partnerstädten Kendal und Slawno - eben (fast) überall in der Welt - sogar in der Libyschen Wüste (27 Grad 33,818 Minuten Nord, 9 Grad 54,403 Minuten Ost). Geocacher wie Arne Weimann verraten gern, was die Schatzsuche im Stile von Indiana Jones so attraktiv und spannend macht: Geocaching ist noch nicht vom Kommerz vereinnahmt worden. Investieren muss man lediglich den Kauf eines GPS-Gerätes - und die gibt es gebraucht schon für 50 Euro. Damit die Schnitzeljagd mit High-Tech spannend bleibt, haben sich Cacher inzwischen immer abenteuerliche Routen ausgedacht: So gibt es im Schaumburger Land mehrere "Lost Places", verlassene Industrieanlagen und Gebäude. Wer hier auf Schatzsuche geht, sollte sich schon expetitionsmäßig ausrüsten und beim Anblick von Spinnen, Ratten und anderem Getier nicht in Panik geraten. Nicht umsonst ist die Suche nach Schwierigkeitsgraden abgestuft - von eins bis fünf - nachzulesen auf den Homepages im Internet. Wer einen Cache der Stufe fünf finden will, sollte sicherheitshalber Strickleiter, Suchscheinwerfer, Helm und Werkzeug im Rucksack haben. Die Kamera istübrigens immer dabei. Schließlich will man die erfolgreiche Suche für Freunde und Kollegen dokumentieren. Das tut der Geocacher sowieso im Internet, wo er neben dem erfolgreichen Fund auch persönliche Eindrücke aufschreiben kann. Und dann gibt es noch den "Travelbug", eine witzige Figur mit einer Plakette, die man mitnehmen und woanders wieder platzieren darf. Auf diese Weise ist jüngst ein Eichhörnchen von Kanada über den großen Teich in den Schaumburger Wald gereist. Weil es durch die steigende Zahl der Geocacher immer schwieriger wird, witzige Verstecke zu finden, wird im Internet schon gewarnt: Bitte nicht in der Nähe von militärischen Anlagen, denn dort reagiert man höchst allergisch auf Leute mit seltsamen Geräten in der Hand, die noch seltsamere Kisten verstecken. Und keine Süßigkeiten wie Schokolade als Belohnung für die Finder in die Tupperdose packen - Wildschweine haben einen sagenhaften Geruchssinn, auch durch Plastik hindurch. Weil Geocacher ihre Schätze bevorzugt an schönen oder historischen Orten verstecken - im Archivhäuschen in Rinteln beispielsweise - haben auch Touristikfachleute die Hobbyschatzsuche für ihre Zwecke entdeckt. In Leer beispielsweise können angehende Geocacher GPS-Geräte gegen Pfand und Leihgebühr an der Touristik-Information ausleihen. Geocaching hat Suchtcharakter, deshalb kursiert in der Gemeinde schon der Witz: "Was, dich hat deine Freundin verlassen? Das ist aber schade! Hast du dir wenigsten ihre Koordinaten geben lassen?"

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