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Erst ist derärztliche Notfalldienst nicht zu erreichen und dann noch das Krankenhaus Bethel ausgelastet

"Abends bloß nicht ernsthaft krank werden"

Bückeburg (rc). Der hausärztliche Notdienst funktioniert nicht lückenlos. Dieser Ansicht ist jedenfalls die Bückeburgerin Angelika Steinhilber, deren Odyssee auf der Suche nach einem Arzt schließlich im Krankenhaus in Rinteln endete - nachdem sie weder den diensthabenden Arzt des hausärztlichen Notdienstes erreichen noch im Krankenhaus Bethel Aufnahme finden konnte.

veröffentlicht am 19.10.2007 um 00:00 Uhr

Wie Angelika Steinhilber gegenüber unserer Zeitung schilderte, litt eines ihrer Familienmitglieder abends plötzlich unter sehr starken Schmerzen. Sie habe daraufhin den diensthabenden Hausarzt angerufen. Vergeblich. Etwa eine dreiviertel Stunde lang habe keiner den Hörer abgenommen: "Es war weder eine Rufumleitung geschaltetnoch ein Anrufbeantworter angestellt, einfach nur ein Freizeichen." Nach einer dreiviertel Stunde riss ihr dann der Geduldsfaden. Mit dem kranken Familienmitglied fuhr sie ins Krankenhaus Bethel, wo ihr aber ebenfalls nicht geholfen werden konnte. Wegen Operationen sei kein Arzt verfügbar, außerdem die Ambulanz völlig überlastet, sei ihr gesagt worden. Sie sei daher gezwungen gewesen, nach Rinteln ins Krankenhaus zu fahren. Dort konnte ihr geholfen werden: "Dort hat man uns zum Glück sehr freundlich aufgenommen." "Insgesamt finde ich es sehrärgerlich, wenn man außerhalb der Praxiszeiten einen Arzt braucht, und der diensthabende Arzt einfach nicht ans Telefon geht." Es hätte ja auch etwas dringenderes sein können "als höllische Schmerzen", so Angelika Steinhilber weiter. So etwas dürfe einfach nicht sein: Dass man als Bückeburger nach Rinteln fahren und vorher lange telefonieren müsse, bis man jemanden findet, der hilft. Zumal sie von einem Vorkommen in ihrem Bekanntenkreis wisse, wo der hausärztliche Notdienst ebenfalls nicht zu erreichen gewesen sei. Dort habe die Situation noch schlimmer ausgesehen, der Betroffene habe zwei Tage auf der Intensivstation liegen müssen. Auf jeden Fall könne es nicht sein, dass einige Hausärzte ihren Notdienst nicht ernst nehmen, entrüstete sich Angelika Steinhilber: "Momentan sehe ich die Situation so, dass man bloß nicht ernsthaft krank werden sollte, wenn die Arztpraxen geschlossen sind. Und das ist bitter." Wie der für die Koordinaion des ärztlichen Notfalldienstes in Bückeburg zuständige Ulrich Mohr auf Anfrage mitteilte, sei ihm von den beiden Vorkommnissen nichts bekannt. Er werde aber die zuständige Stelle, die Kassenärztliche Vereinigung, in Kenntnis setzen. Er lege Wert auf einen funktionierenden Dienst, sagte Mohr zum Grundsätzlichen. Nach seiner Einschätzung funktioniere der Notfalldienst, nicht zu Verwechseln mit dem Notarzt, in Bückeburg gut. Das System habe sich in den vergangenen Jahrzehnten eingebürgert. In letzter Zeit habe es bei ihm auch keine Beschwerden gegeben: "Der Dienst muss reibungslos funktionieren - ich werde dem nachgehen."

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