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Junge aus Afghanistan wird im Stadthäger Krankenhaus operiert / Lindhorsterin löst Sprachproblem

Abdul gut versorgt - aber ein bisschen allein

Stadthagen (sk). Abdul ist im Stadthäger Krankenhaus angekommen. Der 13 Jahre alte Junge aus Kunduz in Afghanistan soll im Klinikum eine lebensnotwendige Operation erhalten. In einem Feldlazarett in Kunduz haben deutsche Militärärzte den Jungen bereits behandelt. Der gebürtige Stadthäger und Bundeswehrarzt Michael Kasior setzte sich für eine Versorgung des Jungen in Deutschland ein (wir berichteten).

veröffentlicht am 17.04.2007 um 00:00 Uhr

Abdul zeigt sich als aufgeweckter Junge, dem Krankenhausatmosphäre vertraut ist. Ein paar "Brocken" Deutsch spricht er auch. Das Wort "Operation" komme dem Jungen schon glatt über die Lippen und dies nicht einmal ängstlich, so Uwe Tischmeyer. Abdul sei "gut versorgt" und in einer "stabilen Situation", erklärte der promovierte Urologe, der die Behandlung des Jungen übernommen hat. Vor fünf Jahren hatte Abdul bei einem Autounfall eine komplexe Beckenverletzung erlitten, die den Harnleiter massiv in Mitleidenschaft gezogen hat. Eine bestehende Harnabflussstörung wird zurzeit mit einem Katheter durch die Bauchdecke behoben. Grundsätzlich könne man mit dieser Versorgung leben, soTischmeier. Das System setze allerdings eine Hygiene und Pflege voraus, die dem Jungen in seiner Heimat keinesfalls geboten würden. Damit der Junge letztlich nicht an Nierenversagen stirbt, soll ihm nun in Schaumburg geholfen werden. Welche operative Therapie in Frage kommt, wollen die Ärzte in einem mehrstufigen Diagnostikkonzept herausfinden. Wenn nötig, erhalte er Unterstützung von einem Hamburger Urologen, so Tischmeyer. Der kleine Patient ist im Krankenhaus gut versorgt, bekommt regelmäßig Besuch von Michael Kasior sen. und dessen Ehefrau Edith. Kleidung und Spielzeug sind vorhanden. Inzwischen hat sich auch das Kommunikationsproblem gemildert. Durch Krankenhausbesuche von Bekannten erfuhr die Lindhorsterin Galpekiy Razeg von Abdul, der sich kaum verständlich machen kann und für den es erleichternd wäre, sich in seiner Muttersprache unterhalten zu können. Razeg, die seit 16 Jahren in Deutschland lebt, stammt aus der afghanischen Hauptstadt Kabul und entschloss sich spontan, den kleinen Landsmann zu besuchen. Er sage, es gehe ihm gut - abgesehen freilich von seiner Verletzung und Erkrankung, berichtete die Lindhorsterin. Mit Edith Kasior will sich Razeg jetzt mit Besuchen bei Abdul abwechseln. Weitere menschlich-soziale Hilfe - vor allem sprachlicher Art - ist willkommen. Siehe "Zum Thema"



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