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Kreistag führt die Gebühr für die Grüngutannahme nach zwei Jahren wieder ein

Ab Mai wird an der Sammelstelle kassiert

Kreis Holzminden. Gerade haben die Kreistagspolitiker die Wende rückwärts gemacht, haben die Gebühr für die Grüngutannahme wieder eingeführt, da bietet sich in der Bürgerfragestunde für Karl Müller die Möglichkeit, Dampf abzulassen. Karl Müller ist Naturschützer. Er pflegt ehrenamtlich Flächen am Ith, auf denen Orchideen wachsen. Und er fühlt sich alleingelassen zwischen Brennverbot und Grüngutgebühr.

veröffentlicht am 28.04.2015 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 25.10.2016 um 12:42 Uhr

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Autor:

Birgit Schneider
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„Seit 15 Jahren“, sagt er und greift sich das Mikrofon, „pflegen wir ehrenamtlich 20 000 Quadratmeter Flächen. 15 Jahre konnte verbrannt werden, was an Grüngut anfiel. Und es fallen Massen an. Jetzt muss der Grünabfall abgefahren werden. Aber wie soll das gehen? Die Flächen, die wir pflegen, sind steil. Selbst wenn ich wollte, ich könnte es nicht“, erklärt er den Kreistagsmitgliedern, spricht davon, dass beim Verbrennen nicht mehr CO2 entsteht, als die Pflanzen beim Wachstum aufgenommen haben. Und er spricht davon, dass er vor einem Jahr einen Antrag auf Ausnahmegenehmigung gestellt hat beim Landkreis. „Ich habe bis heute keine Antwort.“

Die Bürokratie, die Gebühren, die jetzt entstehen, die treiben dem ehrenamtlichen Orchideenschützer die Sorgenfalten auf die Stirn. „Was soll ich jetzt als Privatmann machen?“, fragt er in die Runde. Will er den Grünschnitt verbrennen, muss er das sechs Tage vorher beantragen und pro Genehmigung 120 Euro bezahlen. Will er das Grüngut zum Wertstoffsammelplatz bringen, kostet es einen Euro pro 100 Liter oder 40 Euro je Tonne. „Das sind bei den Mengen, die anfallen, 2000 bis 4000 Euro im Jahr“, sagt Müller.

„Wir werden eine vernünftige Lösung finden“, verspricht Landrätin Angela Schürzeberg noch in der Kreistagssitzung. Nicht nur für Karl Müller allein. Denn, das mahnt Karl-Friedrich Pieper von der FDP an, auch für Landwirte müsse es eine Ausnahmeregelung geben. Die würden, nennt er ein Beispiel, nämlich auch das Schwemmgut nach einem Hochwasser entfernen.

Alle anderen jedoch müssen ab dem 1. Mai für das Grüngut, das sie loswerden wollen und das nicht in die Grüne Tonne passt, bezahlen. Es ist gerade erst zwei Jahre her, da hatte der Kreistag die Entsorgung von Rasen- und Baumschnitt aus privaten Haushalten kostenfrei gestellt. Dass die Bürger das neue Angebot so gut annahmen, dass die Grüngutmenge mit dem Verbot der Brenntage noch weiter anstieg, dass die Produktion und Vermarktung von Hackschnitzeln und Kompost nur schleppend anlief – das alles überlastet die Abfallwirtschaft personell und finanziell. 7000 Tonnen Grüngut wurden im vergangenen Jahr von Privatleuten angeliefert. Zeit gegenzusteuern, sagt die Politik. „Wir haben damals das Volumen unterschätzt“, erklärt Hermann Harling (SPD) und führt die Gutachter an, die geringere Tonnagewerte angegeben hätten.

Eine Kritik, die die Gutachter, die für den Landkreis Konzepte für ein Erfassungs- und Verwertungssystem der Grünabfälle erstellt haben, nicht auf sich sitzen lassen wollen. Aus gutem Grund: In ihren Hinweisen zur „Potenzialoptimierung Grünabfall“ stehen nämlich genau die 7000 Tonnen Grünabfall als „Mengenpotenzial“, mit dem die AWH im vergangenen Jahr überschwemmt wurde.



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