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TC Bad Eilsen will Boßeln in Schaumburg heimisch machen / Zwei Teams lassen auf mehreren Kilometern die Kugeln fliegen

Ab jetzt beginnt Ostfriesland nördlich von Bückeburg

Bad Eilsen (jp). Ostfriesland, wo das liegt, wissen die meisten erst, seitdem Otto Waalkes zum ersten Mal "Holodeido" jodelte und sich inöffentlich-rechtlichen Medien zum leibhaftigen Ostfriesentum bekannte. Seit vergangenem Wochenende beginnt Ostfriesland nördlich von Bückeburg, beginnend mit der Kornmasch und direkt angrenzend an die Bahnlinie. Dort huldigten nämlich jetzt die Mitglieder des Tennis-Clubs Bad Eilsen dem ostfriesischen Volkssport Nummer eins, dem Boßeln.

veröffentlicht am 02.02.2008 um 00:00 Uhr

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Auf einer mehrere Kilometer langen Strecke durch die Scheier Felder, angefangen am Jahnstadion vorbei am Rethof und an Meinsen bis nach Rusbend, ließen sie in zwei Teams zu jeweils vier Spielern die Kugeln fliegen. Das Boßeln, wohlgemerkt mit "Ess-Zett" geschrieben, gilt in norddeutschen Küstenregionen geradezu als Nationalsport. Nicht zu verwechseln ist es mit dem (mit "Doppel-s" geschriebenen) Bosseln, einer Variante des Stockschießens aus dem Reha-Sport. Statt hölzerner Schiebestöcke wie beim Bosseln fliegen beim echt-friesischen Boßeln nur die Kugeln, und zwar bei jeder Mannschaft genau eine. Die Regeln sind denkbar einfach: Im klassischen Boßeln spielen zwei Mannschaften gegeneinander, die mit je vier Werfern besetzt sind. Ziel ist es die jeweilige Boßelstrecke mit möglichst wenigen Würfen zu überwinden. Die Mannschaft, die dafür die wenigsten Würfe benötigt, hat gewonnen. Dieübliche Saison für das Boßeln liegt im Winter und am Beginn des Frühjahrs. Der Grund für die Wahl der Jahreszeit ist, dass im Winter die Gräben, die sich in Norddeutschland beiderseits der Boßelstrecke befinden, zugefroren sind und daher das Bergen der Kugel vereinfacht wird. So viel Glück hatten die Boßel-Sportler des TC Bad Eilsen allerdings nicht: Zwar stellte sich das Wetter mit heftigen Windböen und dem einen oder anderen Regenschauer alles andere als gemütlich dar, für zugefrorene Gräben reichten die Temperaturen indes nicht, und es gibt eine Menge Gräben zwischen der Kornmasch in Bückeburg und Rusbend. So hatten die Boßeler allein beim Durchqueren der Kornmasch mit so manchen platschnassen Graben zu kämpfen, in den sich ihre Kugel verlustiert hatte. Das tat dem Spaß am Friesensport jedoch keinen Abbruch. Nach Beendigung des Wettkampfes trafen sich die Bad Eilser zur abschließenden Analyse und zum Debattieren von Wurfweiten und Windeinflüssen im "Heeßer Krug". Fest steht derweil schon jetzt: Dieser Boßel-Wettkampf des TC Bad Eilsen wird sicherlich nicht der letzte gewesen sein.



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