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Nach sechs Monaten mit neuem Ladenschlussgesetz: Supermärkte planen keine längeren Öffnungszeiten

Ab 20 Uhr geht an der Kasse gar nichts mehr

Rinteln (crs). In aller Ruhe einkaufen, wenn die Kinder schon im Bett sind, während einer Party rasch Getränke-nachschub besorgen, nach einem langen Arbeitstag trotzdem noch frisches Gemüse bekommen - in Bückeburg, Stadthagen und im Auetal sind bis 22 Uhr geöffnete Supermärkte längst Realität. In Rinteln aber, der einwohnerstärksten Stadt des Landkreises, schließen sämtliche Supermärkte auch ein halbes Jahr nach der Änderung des Ladenschlussgesetzes um 20 Uhr. Und daran wird sich wohl so schnell nichts ändern.

veröffentlicht am 26.10.2007 um 00:00 Uhr

Ab 20 Uhr geht an der Kasse nichts mehr: Rintelns Supermärkte sc

Denn den meisten Supermarkt-Leitern sind die Hände gebunden. "Wir können für Rinteln keine Einzelentscheidung treffen, das läuft alles über die Zentrale", bedauert beispielsweise Marktleiterin Margret Klöpper vom Extra-Markt in der Bahnhofstraße. Und die Zentrale? Die strebt derzeit keine Ausweitung der Öffnungszeiten an. Ähnlich sieht die Situation bei den bundesweit agierenden Discountern aus: Die Politik wird in der Konzernzentrale gemacht. "Wir bleiben bei 8 bis 20 Uhr", bestätigt aus der Lidl-Zentrale in Neckarsulm Pressesprecherin Gertrud Bott. Allein in besonders touristisch geprägten Regionen gebe es Ausnahmen, "für den Lidl-Markt Rinteln ist das aber so in Ordnung". Auch die Aldi-Gruppe legt Wert auf einheitlicheÖffnungszeiten. Daher schließt auch der Markt an der Braasstraße weiter um 20 Uhr, was laut Marktleitung kein Dogma für die Zukunft sein soll: "Möglich, dass es irgendwann Veränderungen gibt, um auf den Markt zu reagieren." Die gleiche Politik verfolgt Rintelns Jibi-Markt: "Wir warten auf jeden Fall erst mal ab, was die Konkurrenz macht", will Marcel Luka als stellvertretender Marktleiter keine Vorreiterrolle übernehmen. Auch der Marktkauf als Rintelns größter Supermarkt tut sich mit längeren Öffnungszeiten noch schwer. Immerhin: "Wir denken darüber nach", sagt Ilse Hartmann als stellvertretende Marktleiterin - zumal auch die Kunden Interesse signalisieren: "Da fragt schon mal der eine oder andere nach." Dass das Einkaufen bis 22 Uhr generell angenommen würde, kann sich Ilse Hartmann gut vorstellen: "Schließlich ist bei uns täglich bis kurz vor 20 Uhr viel los." Die WEZ-Gruppe, als "Weser-Einkaufs-Zentrum" eine regionale Supermarktkette mit 27 Filialen, hat Ende August einen Probelauf gestartet: 13 Märkte - darunter die Standorte in Bückeburg und Stadthagen - sind seit zwei Monaten bis 22 Uhr geöffnet. Von einer "sehr erfolgreichen Testphase" spricht Klaus Niedermeier als Geschäftsführer der WEZ-Gruppe. Dass Rinteln nicht dabei ist, begründet er mit standortspezifischen Argumenten: Der Markt sei vergleichsweise klein, mit seiner Lage im äußersten Süden der Stadt kein typischer Standort für einen solchen Testlauf. Ausschließen will Niedermeier einen flexibleren Ladenschluss für die Zukunft indes nicht: "Wenn uns die Kunden die Tür einrennen, werden wir drüber nachdenken." Von guten Erfahrungen mit den langenÖffnungszeiten am Bückeburger Standort spricht auch die Kaufland-Pressestelle. "Der späte Einkauf wird sehr gut angenommen, wir sind zufrieden", bilanziert Pressesprecherin Christine Axtmann. Veränderungen seien nicht geplant: "Wir bleiben dabei." Für die Mitarbeiter würden längere Öffnungszeiten vor allem eines bedeuten: längere Arbeitszeiten. Trotzdem stehen die meisten der überwiegend weiblichen Kräfte an Rintelns Supermarktkassen dem Konzept aufgeschlossen gegenüber. "Es gibt einige, denen das durchaus entgegenkommt", weiß zum Beispiel Ilse Hartmann vom Marktkauf zu berichten - am Abend seien die Männer zu Hause, für die Kinderbetreuung sei dann gesorgt. Ähnlich schätzt Frank Schulz-Kleemeyer als WEZ-Marktleiter die Stimmungslage ein: "Es gibt viele Mitarbeiterinnen, die um diese Zeit gerne arbeiten würden."

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