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Vor Gericht: Prügel gegen Jugendliche / Zeugen räumen Tat ein - Angeklagter wird freigesprochen

Überraschende Wende im Osterfeuer-Prozess

Rinteln (maf). Rund eineinhalb Jahre nach einer turbulenten Auseinandersetzung bei einem Osterfeuer ist ein 31-jähriger Mann aus dem Kosovo freigesprochen worden. Die Anklage lastete ihm an, einem Schüler (17) eine Ohrfeige versetzt und einen weiteren Besucher (18) verprügelt zu haben. Zum Prozessauftakt bestritt der Angeklagte den Vorwurf (wir berichteten). Am dritten Verhandlungstag kam es jetzt zu einer überraschenden Entwicklung: Zwei Zeugen räumten ein, die Jugendlichen geschlagen zu haben.

veröffentlicht am 26.08.2006 um 00:00 Uhr

Der Fall: Im März 2005 traf sich eine Gruppe junger Leute an einem Osterfeuer in der Südstadt. Am Abend sahen die Freunde, wie einige Kinder Stroh aus den als Sitzmöglichkeit dienenden Ballen zogen und es ins Feuer warfen. Als sie die etwa sieben bis zehn Jahre alten Kinder baten, damit aufzuhören, wurden die Schüler und Auszubildenden von den kleinen Jungen beschimpft. Nach einem Streit und einem weiteren klärenden Gespräch liefen die Kinder wahrscheinlich nach Hause und kehrten kurz darauf mit mehreren Erwachsenen zum Osterfeuer zurück. Plötzlich erhielt der heute 17 Jahre alte Schüler eine Ohrfeige und fiel vom Strohballen. Am ersten Prozesstag identifizierte er mit hoher Wahrscheinlichkeit den Angeklagten als Täter. Sein ebenfalls attackierter Begleiter (18), der von hinten gepackt und ins Gesicht geschlagen wurde, konnte den Angreifer nicht erkennen. Der aus dem Kosovo stammende Mann leugnete vehement den Vorwurf und präsentierte sogleich ein Alibi: Er will am Ostersonnabend mit seiner Freundin auf einem Flohmarkt in Gelsenkirchen gewesen sein. Abends sei er direkt nach Stadthagen gefahren und dort bis Montag geblieben. Seine Abwesenheit wurde von mehreren Frauen bestätigt. Dagegen versicherten zwei junge Männer, sie hätten den 31-Jährigen am Tattag in Rinteln gesehen. Schlusspunkt dieser seltsamen Geschichte: Einähnlich aussehender Bruder des Angeklagten gestand jetzt, dem Schüler die Ohrfeige verpasst zu haben. Und ein zurzeit inhaftierter Zeuge räumte ein, er habe das zweite Opfer aus Notwehr geschlagen. "Ich gehe davon aus, dass es aufgrund der Geschwisterähnlichkeit zu einer Verwechslung gekommen ist", sagte Staatsanwalt Reinhard Meffert. Er beantragte Freispruch, wandte sich aber zugleich an den Angeklagten: "Wir werden uns wiedersehen." Denn vermutlich droht dem 31-Jährigen nun ein Verfahren wegen Anstiftung zur Falschaussage. Meffert glaubt, dass sich der Mann am Ostersonnabend in Rinteln aufhielt und die weiblichen Alibi-Zeugen nicht die Wahrheit gesagt haben. Richter Christian Rost folgte letztlich dem Freispruch-Antrag des Staatsanwalts.

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