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Die Familie von Post – ein Schaumburger Rittergeschlecht

Überlieferung kündet von Kaisernähe

Die Familie von Post ist eine alte Ritterfamilie, die aus dem Gebiet der ehemaligen Grafschaft Schaumburg stammt. Nach einer sagenhaften Überlieferung hat ein erster Vorfahr bereits 980 an der Erstürmung der späteren Schaumburg teilgenommen.

veröffentlicht am 05.07.2014 um 00:00 Uhr

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VON MANFRED WILLEKE

Der Rittersmann Adolf von Post soll anschließend auch am Reichstag des Kaisers 1030 teilgenommen haben (siehe Kasten). Belege dafür finden sich nicht, es ist eben nur eine sagenhafte Überlieferung. Das Wappenzeichen derer von Post ist allerdings ein silberner Löwe auf blauem Schild, wie es der Kaiser auf das leere Schild gezeichnet hat. Ob es allerdings aus dieser fernen Zeit stammt?

Erstmals urkundlich nachweisen lassen sich die beiden ersten Vertreter der Familie, die Ritter Friedrich und Walter von Post, 1215/22 im Gefolge der Grafen von Schaumburg. Sie dürften aus einem alten Hof in der Nähe der Stadt Hessisch Oldendorf stammen, ohne dass wir heute darüber noch etwas Genaues wissen.

Vor 1298 erbaute der Ritter Ludwig von Post einen Burgsitz in der Stadt Hessisch Oldendorf (an der Stelle des heutigen Forstamtes) und vor 1304 sein Sohn Friedrich von Post einen Burgsitz in der Stadt Lügde (an der Stelle des heutigen Johanniter-Stiftes). Daneben besaß die Familie noch folgende andere Adelssitze: Den adeligen Hof zu Möllenbeck von 1348 bis 1461, das Rittergut Holtensen bei Hameln von 1399 bis ins 19. Jahrhundert, den Adelshof in Rinteln von 1362 bis 1393, das Gut Bodenengern bei Ronnenberg von 1414 bis 1615, das Haus Emsiek im Kreis Borken von 1654 bis 1680, das Gut Lüdenhausen bei Vahrenholz im 17. Jahrundert und das 1599 von Claus von Post angelegte Gut Posteholz bei Aerzen, das 1690 von der Familie von Brunken erworben wurde. Verschiedentlich haben Mitglieder der Familie auch Pfandschaften, das heißt im heutigen Sinne aufgrund einer an den Besitzer gezahlten Summe auf Zeit begrenzter Besitz, von Burgen und Gütern besessen. 1380 finden wir zum Beispiel als Pfandbesitzer Friedrich von Post auf der Lippischen Burg Vahrenholz erwähnt, wo er auch wohnte. Ihm folgte 1387 Walter von Post nach, der im nämlichen Jahr mit seiner Ehefrau Agnes de Wend und seinem Sohn Johann „auf“ der Burg wohnte. Aus der anfänglichen Pfandschaft ist später ein Erblehen geworden, das der Familie von Post ein dauerndes Wohnrecht „auf“ der Burg sicherte. 1502 haben die von Post das Erblehen beziehungsweise ihren Wohnsitz auf der Burg Vahrenholz an Reineke de Wend verloren.

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  • Bergfried der alten Schaumburg, den der Ritter von Post mit erstürmte
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In späteren Jahrhunderten bewohnten die Familienmitglieder hauptsächlich die Güter Posteholz, das 1690 verkauft worden ist, Holtensen bei Hameln, Lügde und Hessisch Oldendorf. Das Gut in Holtensen bei Hameln fiel durch Heirat im 19. Jahrhundert an die Familie von Wangenheim, sodass die Mitglieder der Familie von Post schließlich nur noch die beiden Güter in Lügde und Hessisch Oldendorf besaß. Das ursprüngliche Gutshaus in Lügde verfiel – mangels nötiger Unterhaltungsmaßnahmen – nach 1755, sodass der damalige Besitzer, Carl Friedrich von Post, in zwei Bauernhäusern an der Mittleren Straße wohnte. Die Familie war damals stark verschuldet, sodass der Sohn von Carl Friedrich, Ignatz Philipp von Post in Militärdienste des Kaisers in Wien treten musste. Dadurch lernte er Wilhelmine Gräfin von Zedtwitz aus dem Gut Schönbach bei Eger/Böhmen kennen, die nach ihrer Heirat 1798 begann, die katastrophalen Finanzen neu zu ordnen. Auf ihre Initiative geht, im Rahmen eines Erbvertrages von 1808, der Erwerb des Gutes in Hessisch Oldendorf von der Familie von Wangenheim und der Kauf des repräsentativen Wohnhauses von Apotheker Barkhausen (Mittlere Straße 22) 1809 in Lügde zurück. 1846 stellte sie aufgrund alter Unterlagen ein Register der Landwirte in Lügde, Holzhausen, Oesdorf und Hagen auf, die Pachte an sie zu zahlen hatte. Als sie 1857 in Lügde verstarb, hinterließ sie einen wohlgeordneten, schuldenfreien Besitz, den eigentlich ihr Sohn Johann Casimir Ernst Karl von Post erben sollte. Dieser hatte sich aber bereits Jahre zuvor nach Slowenien verheiratet, sodass die Güter in Lügde und Hessisch-Oldendorf, als Gemeinschaftsbesitz, an ihre Töchter Elisabeth Maria Anna, Anna Franziska Elisabeth und Maria Anna Johanna fielen. Von diesen drei Töchtern war nur Maria Anna Johanna mit Hans Ludolph von Schele verheiratet gewesen, der allerdings nur wenige Monate nach der Eheschließung verstarb und selbst die Geburt des gemeinsamen Sohnes Alfred von Schele nicht mehr erlebte. Alfred von Schele war faktisch der einzige Erbe der Güte zu Lügde und Hessich Oldendorf, auf dem alle Hoffnungen ruhten. Er verstarb aber bereits 1887 unverheiratet vor seiner Mutter Maria Anna Johanna von Schele geb. von Post. Diese erreichte das hohe Alter von fast 90 Jahren und verstarb 1905 in Lügde. Ihr Wunsch, dass ihre Nichte Wilhelmine von Post aus Slowenien das Erbe (die schuldenfreien Güter zu Lügde und Hessisch Oldendorf) antreten würde, wurde leider nicht wahr. Diese interessierte sich nicht für die Besitzungen und überließ sie für eine geringe Abstandszahlung ihrem Vetter Joseph von Zedtwitz, der einen Makler aus Hannover mit dem Verkauf betraute. Der gesamte Besitz in Lügde wurde veräußert. Weil sich der Makler zunächst nicht um den Besitz in Hessisch Oldendorf kümmerte, fiel dieser schließlich an die Domänenkammer in Hannover. So ging eine Jahrhunderte alte Familiengeschichte zu Ende. Leider ist nach dem Tod von Maria von Schele geb. von Post das gesamte Familienarchiv und Inventar bzw. Porträts verloren gegangen. Lediglich ein paar wenige Stücke haben sich erhalten. Ihr Grab bei der Kirche St. Kilian in Lügde und das von ihr 1895 gestiftete große Chorfenster – mit ihrem Wappen – der Stadtkirche St. Marien in Lügde haben die Zeiten überdauert.

Heute gibt es noch Nachkommen der Familie in Schweden. Sie stammen von Wilhelm Moritz von Post aus Rinteln ab, der seit 1664 in Schwedischen Diensten tätig war.

Haus Mittlere Straße 22 in Lügde (Bild oben): Hier haben die von Posts gelebt. Links: das Wappen der Familie.pr (3)



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