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Vertreter der Jüdischen Gemeinden nehmen symbolische Rückgabe der Bürgerrechte entgegen

Übergabe der Menorah als "Geste der Sühne"

Stadthagen (ssr). In einer Zeremonie in der Stadthäger St.-Martini-Kirche haben Vertreter der Jüdischen Gemeinden in Schaumburg gestern eine Menorah als symbolische Rückgabe der Bürgerrechte an die jüdischen Opfer der Nazizeit in Schaumburg entgegen genommen.

veröffentlicht am 10.11.2008 um 00:00 Uhr

Alexander Pojarov (l.) und Marina Jalojawa nahmen den siebenarmi

Alexander Pojarov (Bückeburg) und Marina Jalojawa (Bad Nenndorf) nahmen den siebenarmigen Leuchter von Bürgermeister Bernd Hellmann entgegen. Die beiden Repräsentanten der Jüdischen Gemeinden entzündeten die sieben Kerzen, die auf der vom Wölpinghäuser Künstler Hasso Neumann geschaffenen Menorah platzierten waren. Der halbstündigen Zeremonie am gestrigen 9. November, an dem sich die Pogromnacht zum 70. Mal jährte, wohnten am Nachmittag, direkt vor der Aufführung des "Paulus"-Oratoriums, mehrere hundert Menschen bei. Pojarov begrüßte namens der Jüdischen Gemeinden die Geste der symbolische Rückgabe der Bürgerrechte. Die Erinnerung an den Holocoust müsse "stets Bestandteil des öffentlichen Lebens bleiben", sagte er. Das Gedenken sei gleichzeitig für Gegenwart und Zukunft "Aufforderung zur Solidarität mit anders Glaubenden, anders Denkenden und anders Aussehenden", fuhr Pojarov fort. So sei "Entrüstung über den aktuellen Antisemitismus wichtig", überall wo dieser auftrete. Antisemitismus sei immer auch menschenfeindlich und antidemokratisch. Pojarov rief aus aktuellem Anlass dazu auf, "keine vereinfachendenErklärungsmuster für irgendwelche Missstände unter Verwendung des Begriffs ,Pogrom" zu geben. Pojarov und Jalojawa gaben die Menorah anschließend an Oberprediger Klaus Pönnighaus weiter. Der Leuchter wird solange in der Martinikirche stehen, bis die frühere Synagoge restauriert ist. Pönnighaus erinnerte in seiner Ansprache an das ganz überwiegende Schweigen der Kirchen nach der "Pogromnacht". Im Blick auf die Zukunft forderte der Geistliche die christlichen Kirchen auf, engagierter "Wege der Begegnung" mit dem Judentum zu suchen. Bürgermeister Hellmann sagte in seiner Rede, das in der Nazizeit Geschehene könne nicht wieder gutgemacht werden. Die symbolische Rückgabe der Bürgerrechte sei eine "Geste als Akt der Versöhnung und Verständigung". Mit der Annahme dieser Geste erfüllten die Jüdischen Gemeinden den Wunsch "einer breiten Mehrheit von Bürgerinnen und Bürgern im Schaumburger Land". Die Übergabe der Menorah beinhalte die Mahnung: "Wir werden uns dauerhaft dafür einsetzen, dass Derartiges nie wieder geschieht." Hellmann hob hervor, zu dieser Geste habe das Engagement vieler Akteure beigetragen. Dieser Prozess sei von eineröffentlichen Diskussion mit starker Bürgerbeteiligung und "einem hohen Grad an Identifikation mit den Zielen" begleitet gewesen. Dabei habe es "eine differenzierte Diskussion beim Ringen um den richtigen Weg" gegeben. Diese sei "unverzichtbar und richtig". Hellmann fügte hinzu: "Leider ist in den vergangenen Tagen durch unabgestimmte Aktionen und den Wunsch nach überregionaler Bedeutung Irritation und möglicherweise auch politischer Schaden entstanden." Dieses bedauere er zutiefst. Hellmann verlas ein Grußwort des Niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff. Darin brachte dieser zum Ausdruck, dass "Akte wie der heutige, auch wenn er nur symbolisch sein kann, das Unrecht sühnen können". Wulff dankte allen am "Erinnerungsprojekt" Beteiligten und wünschte dem Mitte November zu gründenden Förderverein viel Erfolg.



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