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Vor Gericht: Bräunliche Schlieren erweisen sich als Schwefelsäure / Indizienprozess wegen Sachbeschädigung

Ätzende Rache des Verflossenen auf blankem Autolack

Suthfeld/Stadthagen (menz). Im Mai vergangenen Jahres haben drei Frauen aus der Umkreis Bad Nenndorfs gleichartige Beschädigungen an ihren Fahrzeugen festgestellt. Was zunächst nach undefinierbaren Spritzern aussah, entpuppte sich als Säureattentate. Die Untersuchung eines Fahrzeugs hat später Schwefelsäure als Ursache für die Blasenbildung ermittelt. Insgesamt entstanden an den Autos Schäden in Höhe von 4500 Euro. Wegen Sachbeschädigung in zwei Fällen wurde jetzt ein 36-Jähriger vor dem Amtsgericht Stadthagen zu einer Geldstrafe von 70 Tagessätzen verurteilt. Seinem Einkommen entsprechend muss er 2100 Euro bezahlen.

veröffentlicht am 18.01.2007 um 00:00 Uhr

Die drei Autobesitzerinnen hatten gleich einen Verdacht. Für diese gab es kaum einen Zweifel, dass nur der ehemalige Freund einer der Frauen als Täter in Frage kam. Direkt gesehen hatte den 36-Jährigen zwar niemand bei dem verbotenen Tun, verurteilt wurde er jetzt aufgrund von Indizien. Wegen Sachbeschädigung in zwei Fällen wurde der Mann vor dem Amtsgericht Stadthagen jetzt zu einer Geldstrafe von 70 Tagessätzen verurteilt. Seinem Einkommen entsprechend muss er 2100 Euro bezahlen. Die Lebensgemeinschaft war im Mai vergangenen Jahres längst Geschichte aber noch schwelte der Streit über finanzielle Dinge. Der Mann stellte offenbar Forderungen, die die Ex-Freundin nicht gewillt war zu erfüllen. Die Stimmung zwischen den Beiden war so schlecht, dass die junge Frau Angst vor ihrem ehemaligen Freund hatte und sich täglich von ihrer Freundin nach der Arbeit abholen und zum Auto begleiten ließ. Ihre Arbeiststelle lag auf dem gleichen Gelände in Suthfeld, auf dem der 36-Jährige in seiner Hobbywerkstatt werkelte. Dieses Grundstück war der einzige Ort, der als Tatort in Frage kam, denn nur dort kamen die drei betreffenden Autos zusammen. An einem Abend hatte die Freundin der jungen Frau noch gesehen, wie ihr Fahrzeug bespritzt worden war, sich aber zunächst nichts Böses dabei gedacht. Sie hatte ihre Beobachtung zu einem Zeitpunkt gemacht an dem der Mann allein auf dem Grundstück war, ein Alibizeuge hat den Angeklagten nicht entlasten können. Die Richtern sah den Bad Nenndorfer in diesem Fall eindeutigüberführt. Gönna Freifrau von Blomberg war sich auch sicher, dass er einen Anschlag eine gute Woche später verübt hat. In einer zweitägigen Verhandlung hatte das Gericht mehr als ein halbes Duzend Zeugen gehört und mühevoll versucht die zeitlichen Abläufe zu rekonstruieren. Für einen dritten Fall, der angeklagt war, ist das nach Ansicht der Richterin nicht gelungen. Es sei nicht zu klären gewesen, "wann er sich ereigent hat", sprach sie den Angeklagten in diesem Punkt frei. Verteidiger Ralf Jordan hatte nicht nur einen Teilfreispruch angestrebt, er hatte seinen Mandanten in keinem der Fälle überführt gesehen. Die zeitlichen Angaben seien zu ungenau für die Feststellung von Tatzeiten und man wisse auch nicht, ob der Hobbybastler über Schwefelsäure verfügt habe. Allein über ein mögliches Motiv lasse sich eine Täterschaft nicht begründen, hatte sich der Stadthäger Rechtsanwalt für einen umfänglichen Freispruch engagiert.



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