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Pörtner stellt sich den Fragen der Mediziner

Ärzte-Protestwoche beendet

Landkreis (ej). "Die Patienten werden vonÄrzten behandelt, nicht von Politikern", hat der Schaumburger Hausarzt Peter Müller gestern zum Abschluss der Protestwoche bei einem Treffen mit dem Landtagsabgeordneten Friedel Pörtner (CDU) in seiner Praxis in Helpsen provokant in den Raum gestellt. Gemeinsam mit Frank Keller, Walter Steuber und Monika Meyer-Marcotty hat er dem Abgeordneten die Probleme der Ärzte geschildert.

veröffentlicht am 01.04.2006 um 00:00 Uhr

"Ich muss ehrlich sagen, dass mir einige Zahlen teilweise vollkommen neu waren", zeigte sich Pörtner gesprächsbereit und kündigte an, die Probleme der Ärzte dem Arbeitskreis Sozialpolitik der Landesregierung vorzutragen, dem er angehört. Zentraler Punkt der Kritik ist das von der Bundesregierung angedachte Arzneimittelspargesetz mit der umstrittenen "Bonus-Malus-Regelung". Ärzte sollen hiermit für Einsparungen bei notwendigen Medikamenten in der Versorgung von chronisch Kranken Patienten belohnt werden. Das jedoch widerspreche demärztlichen Eid und werde so von der hiesigen Ärzteschaft nicht ausgeführt werden, erklärten die Mediziner. Infolge des Gesetzes werde eine ausreichende Therapie selbst mit so genannten Billigpräparaten ("Generika") künftig nicht mehr für alle Patienten gewährleistet sein. "Das Budget ist einfach zu klein", kritisierte Meyer-Marcotty. "Ganz zu schweigen von der Tiefen Spaltung im Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient." So betrage das Arzneimittelbudget für einen gewöhnlichen gesetzlich Versicherten lediglich 35 Euro pro Quartal. "Was soll ich aber einer Mutter sagen, deren wachstumsgestörtes Kind ein Hormon benötigt, was pro Anwendung 3000 Euro kostet?", fragte Keller, der sich wie seine Kollegen auch über die zunehmende Bürokratisierung beschwerte. "Ich benötige mittlerweile mindestens eine Stunde pro Tag für zusätzliche Büroarbeiten", berichtete Marcotty aus ihrer täglichen Praxis. Auch die große Anzahl der Krankenkassen wurde von den Ärzten kritisiert. 180 000 Krankenkassenmitarbeitern stünden nur 140 000Ärzte gegenüber, verdeutlichte Keller, und wünschte sich eine Reduzierung der bundesweit derzeit 253 Kassen. Pörtner versprach, "gleich nächste Woche" die zentralen Punkte im Landtag zur Sprache zu bringen. Die Ärzte zeigten sich unterdessen kampfbereit: Wenn die Gesetze wie von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt angekündigt umgesetzt würden, werde man die Nation und die Weltöffentlichkeit erneut über die Missstände informieren - und zwar während der Fußball-Weltmeisterschaft.

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