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Neue Serie: Die Hausnummer 1 auf den Dörfern / Erst baute der Graf von Roden seine Festung, dann folgte der Westerhof

Ältester Hof im Dorf heute moderne Treppenbaufirma

Hohenrode (who). Den meisten Gehöften mit den alten Hausnummern 1 in Rintelns Ortsteilen ist gemeinsam, dass sie ihre Besitzerfamilien über Jahrhunderte hinweg durch Landwirtschaft ernährt haben. Der gravierende ökonomische und demografische Wandel seit Ende der 1960er Jahre hat schließlich dazu geführt, dass auch für einst große und wettbewerbsfähige bäuerliche Betriebe das Aus gekommen ist mit neuen Nutzungen der Gebäude als Folge. Der Westerhof an der Landstraße mit der heutigen Nummer 5 ist nur eins von vielen Beispielen.

veröffentlicht am 02.08.2008 um 00:00 Uhr

Walter Vogt vor der Glasfront der Musterausstellung, in der sich

Die geschnitzte Jahreszahl am Torbogen weist das Baujahr 1774 aus für den Westerhof an der Landstraße 5. Der Ursprung des ältesten Anwesens im Dorf unter der Hünenburg dürfte aber mit dem Bau der kleinen Festung durch den Grafen von Roden um 1170 zusammenhängen. So vermutet Uwe Kurt Stade aus Hohenrode. Der Hobbyhistoriker hat für seinen Sangesbruder WalterVogt, der den Westerhof im Jahr 1976 erworben hatte, Daten zur Geschichte des Anwesens zusammengetragen. Stade schließt aus seinen Nachforschungen unter anderem: "Zu gleicher Zeit (Bau der Hünenburg 1170 und Gründung der Hohenroder Kirche 1172) scheint der Hof 1 als Wirtschaftshof gegründet worden zu sein, denn die Burgleute benötigten dringend Verpflegung ..." Als nur 11 Jahre später die Schaumburger Grafen die Hünenburg zerstörten und die Rodener Grafen als Konkurrenz ausgeschaltet und aus dem Wesertal vertrieben hatten, kam der Westerhof durch Herzog Otto von Braunschweig als Schutzherrn in den Besitz des Jacobi-Klosters in Rinteln. Bald gehörten um die 130 Morgen Land zum Westerhof. Die Dorfchronik von Hohenrode verweist besonders auf die Familie Kertz, die den Westerhofüber Generationen bis 1976 besessen hat: "Bereits im Jahr 1280 wird der Kertzsche Hof als Anwesen eines Rintelner Klostermeiers urkundlich erwähnt. Ihm gehörte ein Besitz von 12 Morgen und der Hof wurde als Vollmeierhof geführt ..." Die Acker- und Weideflächen hätten verteilt in älteren Fluren sowie im Weserbogen sowie in der "Masch gelegen". Die Geschichte von Bauerngehöften ist untrennbar mit der Geschichte der Menschen verbunden, die darauf gelebt und gewirtschaftet haben. Deshalb nennt die Dorfchronik besonders zwei Generationen der Familie Kertz. Johann Jacob Friedrich Kertz steht für die eine davon. Er wurde am 23. März 1817 in Rothenuffeln am Wiehengebirge geboren. und heiratete mit Rosine Justine Schwone, die Erbin des Hofes Nummer 1. In seiner Heimat dürfte Johann Jacob Friedrich Kertz der protestantischen Minden-Ravensberger Erweckungsbewegung in Verbindung gestanden haben. Die Eheleute Kertz hatten sechs Kinder, von denen der 1843 geborene Jakob Friedrich Leberecht alsältester Sohn den Hof übernahm. Von ihm ist überliefert, dass er und sein Hof im Jahr nach dem Tod seiner Frau von 1866 unter fünf Weserhochwassern zu leiden hatte. Zeitsprung zur Neuzeit des Westerhofes: Im Jahr 1977 hat Tischlermeister Walter Vogt aus Rumbeck mit seiner Firma in der umgebauten riesigen Scheune den Betrieb aufgenommen. Auf rund 2 500 Quadratmetern Produktionsfläche entstehen heute auf dem Westerhof hochwertige Holztreppen nach Maß für Baufirmen, Architekten und private Bauherren.

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