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Nichtraucherschutzgesetz wirkt sich ganz unterschiedlich aus

80 Tage Kampf gegen blauen Dunst: Wirte ziehen Bilanz

Landkreis (mld). Wohl kaum ein Thema wird unter Gastronomen so heiß diskutiert wie das Nichtraucherschutzgesetz, das seit dem 1. August dieses Jahres in ganz Niedersachsen gilt . Jetzt, kurz vor der Einführung von Bußgeld bei Missachtung der neuen Regelungen, ist es an der Zeit zu fragen, wie sich die Rintelner und Bückeburger Gastronomie-Szene durch das Gesetz verändert hat.

veröffentlicht am 22.10.2007 um 00:00 Uhr

Kippen aus:Überquellende Ascher gehören in vielen Gaststätten de

Die Gäste des Bückeburger "Ratskellers" haben sich schon vor vier Jahren an Nichtraucherräume gewöhnen müssen. Protestiert haben bisher nur die Stammtische. Eigentümer Edgar Miller will daher die Bierstube in einen Raucherraum umwandeln. "Schlimm sind doch die Ausnahmen", sagt Miller. "Die solltendas Rauchen überall verbieten!" Im "Ambiente" hat man keine Probleme mit der Umstellung: "Die Menschen sind verständnisvoll", weiß Chef Gerhard Ostermeier. Es wurde zwar ein Raucherraum angeboten, doch bisher genügte der Platz vor der Tür des Lokals. "Richtig schwierig haben es aber doch die Ein-Raum-Kneipen!" Das kann Karl-Friedrich Kerkhoff-Schäfer bestätigen: Sein "Schäferhof" in Bückeburg ist zwar geräumig, doch in der Bierstube besteht die Kundschaft nach Angaben des Wirts zu 80 bis 90 Prozent aus Rauchern. "Den meisten stinkt es, sich wie ABC-Schützen verstecken zu müssen", ärgert sich Kerkhoff-Schäfer und ist für eine Anfechtung des Gesetzes, die von Betroffenen und Interessenverbänden seit Wochen geplant ist. Zwar stimmt er einem Rauchverbot im Restaurant zu, aber im Thekenbereich sollte nach seiner Meinung geraucht werden dürfen. "Sonst geht doch der Kneipencharakter total verloren", findet auch Yvonne Dazenko, Mitarbeiterin in der Bückeburger Traditionsgaststätte "Zur Falle". Hier fällt die Veränderung laut Dazenko sehr auf: Der Raucherbereich wurde auf die Stehtische und das Café reduziert, was zu einigen Beschwerden geführt hat. Oft wird schon vor der Tischreservierung nach den Möglichkeiten des Rauchens gefragt, unddurch die Einschränkungen lassen sich viele Interessierte abschrecken. Alternativ probiert es die Rintelner "Bodega": Geschäftsführer Arif Sanal hat den Oktober zum "Testmonat" gemacht: Ab 21 Uhr konnte im ganzen Lokal geraucht werden. Die Gäste wurden zudem durch Umfragebögen um ihre Meinung gebeten. Das Ergebnis war für Sanal "überraschend negativ": Etwa 60 Prozent der Gäste - Raucher wie Nichtraucher - seien gegen diese Regelung gewesen und bevorzugten die per Gesetz vorgeschriebene klare räumliche Trennung. Wegen der Negativkritik und expliziten Beschwerden ist laut Sanal die Aktion mit sofortiger Wirkung eingestellt. Im Rintelner "Waldkater" ist man zuüberraschenden Erkenntnissen gelangt: Entgegen allen Befürchtungen greift die Mehrheit der rauchenden Gäste weniger zur Zigarette, geht dafür aber genau so gern wie bisher abends aus. Hier, wie auch im "Stadtkater", gibt es Raucherräume, die von den Gästen gern angenommen werden. "Allerdings scheinen wir in der Umgebung die einzigen Lokale mit Raucherräumen zu sein", vermutet Geschäftsführer Thomas Rathkolb. "Aber das Gesetz ist an sich okay. Momentan ist die Suppe noch heiß. Die Aufregung wird sich aber in zwei oder drei Jahren gelegt haben."

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