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Tourismus-Chef muss Einsparvorschläge erarbeiten / Personal bildet den größten Kostenblock

70 000 Euro weniger für Hamelns Tourismus?

Hameln (wul). Hinter der Glasfassade der Tourist-Info wird in diesen Tagen gegrübelt und spitz gerechnet. Dort hat der Geschäftsführer der Hameln Marketing und Tourismus GmbH, Harald Wanger, mit seinem Team eine unangenehme Aufgabe zu erfüllen: Sie müssen das Einsparpotenzial der Gesellschaft aufzeigen und der Hamelner Verwaltung zur Verfügung stellen. Wanger selbst spricht von einer „hohen fünfstelligen Summe pro Jahr“, die einzusparen ist; aus anderer Quelle ist zu hören, dass knapp 70 000 Euro zusammengestrichen werden sollten.

veröffentlicht am 11.10.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 14.10.2009 um 17:21 Uhr

Von den Büros der Tourist-Info aus wird Hameln weltweit als attr

Die Tourismusgesellschaft ist damit nicht allein, „alle Bereiche haben die Aufgabe, mehr Einsparungen zu bringen“, sagt Oberbürgermeisterin Susanne Lippmann; allen voran jene, die freiwillige Leistungen der Stadt erhalten: das Theater, Jugendeinrichtungen, Kitas… und eben auch die HMT. „Mindestens zehn Prozent“ lautet die Vorgabe aus dem Rathaus; wenn möglich mehr, wenn nötig, weniger.

Wo ansetzen, sodass es am wenigsten wehtut? Susanne Lippmann, die auch im Aufsichtsrat der HMT sitzt, „will nicht vorwegnehmen“, wo sie Einschnitte für möglich hält, und Harald Wanger will und kann, wie er sagt, noch keine Bereiche nennen, denen es in seinem Haus an den Kragen geht. „Unser Ziel ist es, der Stadt zu helfen, auf der anderen Seite wollen wir unsere Aufgaben sichern“, beschreibt er seine Situation.

Einerseits müsste die Stadt laut Lippmann fünf Millionen Euro einsparen, um einen ausgeglichenen Haushalt 2010 hinzubekommen („was unrealistisch ist“), und da machen die 70 000 Euro der HMT nur einen Bruchteil aus. Anderseits erfüllt die HMT wichtige Aufgaben und betreibt Wirtschaftsförderung. Gerade im nächsten Jahr hat der Geschäftsbereich „Stadtmarketing“ alle Hände voll zu tun: Baustellenmarketing ist gefragt, wenn in der Fußgängerzone gebuddelt wird und die Hamelner nicht scharenweise in andere Einkaufsstädte flüchten sollen. Und ginge Hamelns Bekanntheitsgrad aufgrund zurückgefahrener Werbung im In- und Ausland zurück, wäre „das auch eine schwierige Folge“ für die Stadt, wie von einem Ratsmitglied zu hören ist.

Susanne Lippmann
  • Susanne Lippmann
Harald Wanger
  • Harald Wanger

Den größten Kostenblock bei der HMT bildet das Personal mit rund 571 000 Euro im Jahr 2008. „Man muss sich überlegen, ob man den Standard, den die HMT bietet, so aufrechterhalten kann“, sagt Lippmann, spricht damit die Öffnungszeiten an und vergleicht sie mit dem städtischen Bürgerbüro. Würden Öffnungszeiten verkürzt, würde weniger Personal benötigt.

Vergleichsweise wenig, nämlich 22 500 Euro, zahlt die Stadt freiwillig pro Jahr für das Rattenfängerfreilichtspiel, bei dem laut Aussage eines Kenners 2250 Euro gespart werden sollen, und 46 000 Euro für die Veranstaltungshäuser Rattenfänger-Halle und Weserbergland-Zentrum. Dort ließen sich theoretisch die Mieten erhöhen, um Einsparungen aufzufangen, doch das wäre kontraproduktiv. „Die Häuser sind ohnehin defizitär“, heißt es. Höhere Mieten bedeuteten noch weniger Veranstaltungen, bedeuteten noch weniger Einnahmen. Auch für Stadtführungen über Preiserhöhungen nachzudenken, scheint wenig Sinn zu machen. Es würde das Gleiche passieren wie bei den Hallen, ist Wanger überzeugt.

Ohne Konkretes zu nennen, kündigt der HMT-Geschäftsführer an, dass es sowohl größere Einschnitte geben muss, umso viel wie möglich einzusparen und ergänzend würden kleinere Kostenblöcke unter die Lupe genommen. „Keiner will hier aber was platt machen“, ist er sicher, „das inhaltlich hohe Niveau soll bleiben“.

Ende November muss Wanger seinen Wirtschaftsplan 2010 samt Streichvorschlägen vorlegen. „Letztlich muss dann die Politik entscheiden“, sagt er. Lippmann hat unlängst angekündigt und wiederholt noch einmal: „2010 wird ein ganz hartes Jahr.“

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