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Salzhemmendorf: Deutliche Wahlschlappe für Grießner / Kottlarz mit Achtungserfolg für die Aktiven Bürger

68,9 Prozent – Pommerening räumt ab

Über „bayerische Verhältnisse“ freut sich Friedrich-Wilhelm Knust bereits, als fünf Wahllokale ausgezählt sind und das Ergebnis der Briefwahl vorliegt. Der CDU-Fraktionsvorsitzende im Gemeinderat Salzhemmendorf hatte den parteilosen Clemens Pommerening mit seinen Parteikollegen auf den Schild gehoben. Knust kam gestern direkt vom Rückflug aus seinem Rom-Urlaub ins Foyer des Rathauses. Und dort war schnell klar: Pommerening liegt überall deutlich vorn. Der allgemeine Vertreter des seit Oktober 2012 erkrankten Bürgermeisters Martin Kempe galt zwar bei vielen als Favorit, doch dass er am Ende 68,9 Prozent erreicht, konnte auch Knust nicht ahnen. „Ein traumhaftes Ergebnis“, so der Christdemokrat, der gesteht: „Dass es ein so eindeutiges Ergebnis gibt, habe ich nicht erwartet.“

veröffentlicht am 26.05.2014 um 06:00 Uhr

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Früh zeichnet sich am Wahlabend ein weiterer Trend ab: Karl-Heinz Grießner (SPD), stellvertretender (ehrenamtlicher) Bürgermeister, liegt abgeschlagen zurück, in fast allen Wahllokalen heimst Jens Kottlarz von den Aktiven Bürgern mehr Stimmen ein. In Wallensen, dem Wohnort aller drei Bewerber um den Chefsessel im Rathaus, votieren 244 Wähler für Pommerening, 122 für Kottlarz und 57 für Grießner.

Dagmar und Clemens Pommerening waren die ersten im Rathaus, leger gekleidet; sie ist deutlich aufgeregter als er – oder zumindest gibt er sich gelassener. Er ist um 8 Uhr aufgestanden, laufen gegangen, mit der Familie zur Wahl (die große Tochter Tabea darf auch schon wählen) und dann noch zum Verein Dorfkultour – „bis 17 Uhr war soweit alles ok“, erklärt Pommerening. „Hoffentlich gibt es keine Verlängerung“, sagt der derzeit amtierende Verwaltungschef zu diesem Zeitpunkt noch. Lange dauert es nicht, da zeichnet sich ab: Eine Stichwahl wird es in Salzhemmendorf nicht geben. Gelassen gibt sich auch Jens Kottlarz, der kurz nach seinem Kontrahenten im Rathaus eintrifft. „Jetzt ist es eh gelaufen“, so der Aktive, der nach einem Messe-Einsatz am Vortag gut geschlafen habe, wie er sagt. Die ersten Ergebnisse liegen um 18.20 Uhr aus Ahrenfeld, 18.25 Uhr aus Ockensen und 18.29 Uhr aus Levedagsen vor. Überall das gleiche Bild: Pommerening deutlich vorn, Grießner hinten. Luisa Kottlarz (12) strahlt: „Wenn mein Papa Bürgermeister wird, bekomme ich ein Eis.“ Auf die Frage nach der Taschengelderhöhung schüttelt sie den Kopf: „Ich bekomme kein Taschengeld; das brauche ich aber auch nicht.“

Weitere Ergebnisse trudeln ein: Im „roten“ Benstorf erreicht Grießner 51 Stimmen, Kottlarz 81, Pommerening 126. Die Frage an einen Sozialdemokraten, ob die SPD auf den Falschen gesetzt habe, beantwortet der nur so: „Kein Kommentar.“ Die „Party“ – vor allem der Aktiven Bürger – wird nach draußen verlagert, nur noch ab und zu ein Blick auf die Pinnwand-Zettel mit weiteren ausgezählten Wahllokalen oder auf den Bildschirm mit den Grafiken geworfen. Dagmar Pommerening nennt das Ergebnis ihres Mannes „überwältigend“. Der Sieger, der nicht einmal Sekt kaltgestellt hatte – was offensichtlich aber andere für ihn übernommen haben – sagt: „Dass es so gut läuft, hätte ich nicht gedacht. Die Stimmung war gut und ich habe es gehofft, aber wie viele Prozente dabei rauskommen, weiß man nicht.“ Schließlich bekennt er: „Ich bin sprachlos.“

Jens Kottlarz freut sich, als die ersten Ergebnisse vorliegen.

Als einer der ersten Gratulanten beglückwünscht ihn Jens Kottlarz. Seine 18,8 Prozent wertet der Aktive Bürger als „Superergebnis“, zumal „wir alle keine politische Erfahrung hatten“. Der Wahlkampf habe viel Spaß gemacht. Und am Ende, so Kottlarz, zähle für ihn nicht das Ergebnis, „sondern, dass wir ein Signal gesetzt haben, dass wir mehr können“. Im Wahlprogramm hätten die Newcomer gezeigt, dass es ihnen nicht nur um das Thema Schulerhalt gehe, sondern viele weitere Punkte entwickelt.

Als herbe Enttäuschung, „auch persönlich“, sieht Grießner seine 12,3 Prozent: „Das habe ich so nicht erwartet.“ Er hat die Ergebnisse bei seiner Familie verfolgt, kommt aber gegen 20 Uhr zum Rathaus, um Pommerening zu gratulieren. Gestern Abend konnte er nicht einordnen, „was wir oder ich falsch gemacht haben“. Unfair nennt er es, auf sein Alter reduziert zu werden. „Nach politischen Inhalten hat kaum jemand gefragt.“

Landrat Tjark Bartels gratuliert Pommerening im Rathaus-Foyer. Anschließend macht sich der designierte Gemeindebürgermeister, dessen Amtsantritt offiziell am 1. November erfolgen soll, mit einer Flasche Bier in der Hand auf den Weg in die erste Etage. In einem Büro sind Rathaus-Mitarbeiter versammelt, die Wahldienst haben. Sie klatschen. Pommerening sagt ein schlichtes „Danke“.



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