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Kranzniederlegung: Jüdische Gemeinde und Stadt gedenken der Opfer des Nazi-Terrors

66 Bückeburger Juden wurden ermordet

Bückeburg (rc). Mit einer Kranzniederlegung am Gedenkstein hinter dem Stadthaus haben die Jüdische Gemeinde in Schaumburg und die Stadt Bückeburg der ehemaligen jüdischen Mitbürger gedacht, die in der Reichspogromnacht am 9. November 1938 und dem Nazi-Terror zum Opfer gefallen sind. 71 jüdische Mitbürger wurden 1941 und 1942 in Konzentrationslager wie Theresienstadt und Bersenbrück deportiert, nur fünf überlebten den Holocaust. Pia Peters und Erik Krüger von der Geschichtswerkstatt der Herderschule lasen die Namen der 29 Bückeburger Familien vor, die unter dem Terror der Nazis zu leiden hatten. "Wir gedenken Ihrer."

veröffentlicht am 10.11.2006 um 00:00 Uhr

Alexander Mazholein (v.l.) und Alexander Pojarov als Vertreter d

"Trauer, Scham und Entsetzen ergreifen uns, wenn wir daran denken, was Menschen, deren Familien seit Jahrhunderten in Deutschland als Deutsche lebten, angetan wurde, nur weil sie Juden waren", sagte Bürgermeister Reiner Brombach in seiner Gedenkansprache. Sich einem solchen Gedenken zu stellen, sei schmerzhaft und äußerst unangenehm. "Doch wir müssen uns dieser Situation stellen." Doch es dürfe nicht Erinnerung und Gedenken allein sein. Es gebe heute wieder Tendenzen rechtsextremistischer Gewalt, wieder stünden wir vor der Frage, wie Rassismus entstehe und wie ihm wirksam entgegengetreten werden könne. "Wir müssen wachsam dafür sorgen, dass Akzeptanz anderen Glaubens, anderer Hautfarbe und anderen Denkens für uns alle eine Selbstverständlichkeit ist und diese Art von ethnischer und religiöser Vielfalt eine Bereicherung unserer Gesellschaft und keine Bedrohung darstellt", sagte der Bürgermeister. "Offensives Eintreten für Freiheit, Toleranz und Menschlichkeit sind unerlässlich. Wir brauchen Bürger, die mit Zivilcourage gegen rechtsextreme Taten und Parolen eintreten." Dieses Bewusstsein bedürfe nachhaltiger Information, insbesondere unserer Jugend. Pastor Ingo Röder sagte: "Wir merken unsere Ohnmacht an einem solchen Tag." Das Schreckliche sei noch keine Ewigkeit her, das Schreckliche von damals wirke, wie heute geschehen. "Wir müssen mutig dafür sorgen, dass es nicht wieder vorkommt." Untermalt wurde die Feierstunde vom Posaunenchor der Stadtkirchengemeinde. Im Hintergrund lag die ehemalige jüdische Synagoge gestern morgen im kalten Sonnenschein.

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