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Notorischer Verkehrssünder braucht Kredit bei Gericht auf

62-Jähriger muss auf die alten Tage ins Gefängnis

Bad Eilsen/Bückeburg (ly). Auf seine alten Tage, mit 62 Jahren, muss sich ein notorischer Verkehrssünder mit dem unangenehmen Gedanken vertraut machen, demnächst ins Gefängnis zu kommen. Bereits zum achten Mal ist der Rentner aus Helpsen nun ohne Führerschein erwischt worden, diesmal in Bad Eilsen. Bei der Justiz hat er seinen Kredit damit verspielt. Das Urteil des Bückeburger Landgerichts: Acht Monate Haft - genau wie in erster Instanz.

veröffentlicht am 28.03.2007 um 00:00 Uhr

"Mit Ausnahme seines Verhältnisses zum Straßenverkehr ist der Angeklagte ein ordentlicher Mensch", glaubt Richter Friedrich von Oertzen, Vorsitzender der Berufungskammer, der die Perspektive dennoch für "fast hoffnungslos" hält. "Sonst wäre ein so intelligenter Mann nicht so häufig rückfällig geworden." Der Delinquent, früher im Bereich der Medizintechnik tätig und quasi die rechte Hand von Chirurgen, sagt selbst: "Es war alles vermeidbar." Die Einsicht kommt zu spät. Vermeidbar wäre zum Beispiel dies gewesen: Im Dezember 2005 hatte der Mann ohne Fahrerlaubnis sich wiederum hinters Steuer gesetzt. Auf der Autobahn 2 geriet er kurz nach der Auffahrt Bad Eilsen zu allem Überfluss mit Tempo 157 ins Visier eines Videowagens der Polizei. Erlaubt waren 120 Stundenkilometer. Dass der 62-Jährige wegen eines ähnlichen Deliktes unter Bewährung stand, hatte ihn nicht von der Fahrt abgehalten. Im Gegensatz zu Gericht und Staatsanwaltschaft stellt Verteidiger Dr. Dieter Wissgott seinem Mandanten eine günstige Prognose. "Erstens übt er seinen Nebenjob, der ihn immer wieder in Versuchung gebracht hat, nicht mehr aus", so Wissgott. Zweitens hat sich der Rentner auf Drängen des Anwalts in eine Psychotherapie begeben. "Dort reflektiert er sein Verkehrsverhalten." An den Erfolg glaubt der Leitende Oberstaatsanwalt Thomas Pfleiderer nicht. Bereits zweimal hatte der Rentner in der Vergangenheit die Medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU) gemeistert, landläufig auch "Idiotentest" genannt. "Der Angeklagte", so Pfleiderer, "hat also nicht nur Richter getäuscht, sondern auch Sachverständige." In Flensburg ist der 62-Jährige ebenfalls ein alter Bekannter. "Seinen Auszug aus dem Verkehrszentralregister können wir bald als Buch binden", sagt Richter von Oertzen halb im Scherz. Gegen das Urteil ist noch Revision möglich.

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