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Widerstand wächst: Kundgebung auf dem Rintelner Marktplatz / Protestfahrt über gesperrte Straße

600 Biker protestieren gegen Sperrung der K 80

Rinteln (ly). Dieses eine Mal dürfen sie. Trotz der Streckensperrung an Wochenenden und Feiertagen ist die Kreisstraße 80 gestern Mittag wenigstens ein paar Minuten lang für Motorräder freigegeben. Bis zu 500 Bikes, so die Polizei, sind von der Motorrad-Kneipe "Günters Kurve" in Kükenbruch auf dem Weg nach Rinteln, rund 600 zornige Fahrer und Beifahrer. Mehrere Streifenwagen sichern den Konvoi, dessen erste Kilometer über die umstrittene K 80 führen. "Es ist sowieso vorbei", ruft eine Anwohnerin der Hildburgstraße den Vorbeifahrenden in Möllenbeck hinterher.

veröffentlicht am 08.09.2008 um 00:00 Uhr

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Das sieht Christian "Terror" Görlitz, Vize-Vorsitzender der deutschen "Biker-Union", völlig anders. Görlitz, zusammen mit Biker-Wirt Günter Beyer Wortführer des Widerstandes, hält die Sperrung für "eine unrechtmäßige Maßnahme". Unter dem Jubel der Zuhörer ruft er nach der Ankunft auf dem Rintelner Marktplatz: "Wir zahlen Steuern, dürfen Straßen aber nicht benutzen. Das kann es nicht sein." Die ausschließlich auf Zweiräder beschränkte Maßnahme sei "eine nicht gerechtfertigte Ungleichbehandlung". Dreimal so viele Biker wie bei der ersten Demo-Fahrt vor einem Monat (wir berichteten) sind es geworden. Und diesmal tragen sie ihren Protest mitten in die Stadt. Der Widerstand ist so groß geworden wie eine fette Harley-Davidson mit Beiwagen und so laut wie eine Auspuffanlage ohne TÜV. Dass er weiter wächst, gilt als wahrscheinlich. Mutig hält ein einzelner Gegendemonstrant im Café ein Transparent hoch. "Schluss mit Lärm und Raserei", steht darauf. Auch Jörg Schröder, Erster Stadtrat, kriegt auf dem Marktplatz kein Bein an die Erde, obwohl er sich gleich zu Beginn einer Stegreif-Rede selbst als Motorradfahrer outet. Schröder hält sich wacker und nimmt's am Ende mit Humor: "Ich bin ja froh, dass ich noch keine Tomaten abgekriegt habe." Wie die Stadt die Sperrung der K 80 sieht, hat sie der "Biker-Union" bereits geschrieben. Schröder verteidigt darin die verkehrsbehördliche Anordnung und nennt die Kurvenpiste "eine in besonderer Weise für sportlich orientierte Fahrer anziehend wirkende Strecke". An Wochenenden und Feiertagen komme es zu einer massiven Häufung des Motorradverkehrs. Mehr noch: Ein Großteil der Biker fahre nach Feststellungen der Polizei weit schneller als die zulässige Höchstgeschwindigkeit, insbesondere in der besiedelten Ortslage Möllenbeck. Zudem seien erhebliche Lärmbelästigungen festzustellen, und zwar weit über dem zumutbaren Maß. Riskante Fahrweise führe zur Gefährdung von Motorradfahrern und anderen Verkehrsteilnehmern. Hinzu kommt: Weil die K 80, auf der wenig Autos fahren, Ende 2011 für den Kiesabbau eingezogen werden soll, "erscheint es bereits jetzt zumutbar, den überregionalen Freizeitverkehr zu beschränken", so Schröder. Ein Großteil viel zu schnell? "Es gibt Einzelne, die diese Gesetze übertreten", hält Günter Beyer dagegen. An diese Leute sollte man appellieren: "Versucht's mal mit Verstand." Beyer, Görlitz und die 600 auf dem Markt fühlen sich jedenfalls "diskriminiert, wenn wir bestimmte Straßen nicht benutzen dürfen". Mit dem Schreiben der Stadt geben sie sich nicht zufrieden. "Wenn wir keine Antwort kriegen", kündigt "Terror" an, "sehen wir uns in vier bis fünf Wochen hier wieder."

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