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Gesundheitsreform: Jenny Frauenrath und Günter Schwarz informieren MdL Pörtner über Sorgen ihrer Branche

500 Millionen Euro zahlen? Da sehen die Apotheker rot!

Bückeburg. Gravierende Auswirkungen auf die ländliche Versorgung mit Apotheken sowie die Arzneimittelsicherheit sehen die Apotheker voraus, wenn das so genannte "Eckpunktepapier" zur Gesundheitsreform 2007 in seiner jetzigen Fassung umgesetzt wird. Die beiden Bückeburger Apotheker Jenny Frauenrath und Günter Schwarz, Betreiber der Schloss-Apotheke, informierten jetzt in einem Gespräch den Landtagsabgeordneten Friedrich Pörtner über die Befürchtungen ihrer Branche. Pörtner, der auch Mitglied im Arbeitskreis Sozialpolitik seiner Fraktion ist, hatte zuvor bereits zwei Besuche bei Ärzten der heimischen Region absolviert, um deren Meinung über die bevorstehenden Reformen im Gesundheitswesen einzuholen.

veröffentlicht am 08.01.2007 um 00:00 Uhr

Friedrich Pörtner (l.) lässt sich von Apothekerin Jenny Frauenra

Autor:

Johannes Pietsch

Jenny Frauenrath und Günter Schwarz schmerzt vor allem die von der Großen Koalition beschlossene so genannte 500-Millionen-Euro-Haftung. Die Apotheker sollen demnach direkt mit den Arzneimittelherstellern Rabatte aushandeln und damit das Gesundheitswesen um insgesamt 500 Millionen Euro entlasten. Erreichen sie das Einsparziel nicht, müssen sie die Summe aus eigener Tasche tragen. "Was für eine Veranlassung sollte eine Pharmahersteller haben, uns Rabatte einzuräumen, wenn wir anschließend das Geld sowieso bezahlen müssen?", fragt Schwarz. Im Gegensatz zu einem normalen Einzelhändler habe ein Apotheker überhaupt keine Druckmittel gegenüber dem Lieferanten, da nicht er, sondern der Arzt die Wahl des Präparats treffe. "Hier werden Apotheker zu Geldeintreibern instrumentalisiert, obwohl sieüberhaupt keine Möglichkeiten haben." Als katastrophalen Rückschritt in der Arzneimittelsicherheit erachtet Jenny Frauenrath die geplante Abgabe von Medikamenten als Schüttware, also ohne vollständige, verblisterte Verpackung und ohne kompletten Beipackzettel. Hierdurch werde gravierenden Fehlern - wie der Vermischung sowie beim Patienten das versehentliche Einnehmen des falschen Präparates - Tür und Tor geöffnet. Nach dem Contergan-Skandal sei die Arzneimittelsicherheit in Deutschland stets erhöht worden, daher sei eine solche Kehrtwendung nicht einmal ansatzweise nachvollziehbar. Gravierende Folgen befürchtet Günter Schwarz auch durch den Wegfall des Fremdbesitzverbotes. Werde in Zukunft der Betrieb von Apothekenketten erlaubt, so sei nicht zu verhindern, dass große Kapitalgeber in den Markt drängten, und dass mit der Konzentration von Großapotheken an lukrativen Standorten - ähnlich der Entwicklung im Lebensmitteleinzelhandel - die in Jahrzehnten gewachsene Apothekenstruktur verschwinde. Werde eine solche Kette beispielsweise von einem Pharmaunternehmen betrieben, so sei eine preis- und herstellerunabhängige Beratung des Patienten nicht mehr möglich. In ländlichen Gebieten werde die Apothekenversorgung ausgedünnt, in einigen Bereichen sogar wegfallen - mit entsprechenden Folgen, beispielsweise für die Notdienstversorgung. Auch seien von einer solchen Entwicklung keinesfalls niedrigere Arzneimittelpreise zu erwarten. Das Beispiel Norwegen, in dem vor einigen Jahren das Fremdbesitzverbot fiel, zeige vielmehr das Gegenteil. Auch die geplante Möglichkeit des Zuzahlungsverzichts sehen Jenny Frauenrath und Günter Schwarz kritisch. "Das können sich nur große Apotheken leisten. Für die kleinen, gerade im ländlichen Raum, wird dagegen die wirtschaftliche Situation noch schwieriger, so dass noch mehr von ihnen ihren Betrieb aufgeben werden."



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