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Zahllose Zelte und Lagerfeuer im Landschaftsschutzgebiet / Beamte: Kein Unrechtsbewusstsein vorhanden

500 "Gäste" am Gevattersee - Polizei zieht ab

Bückeburg (tw). Dass der Gevattersee, in einem Landschaftsschutzgebiet gelegen, in lauen Sommernächten beliebter Ort für "Open-Air-Partys" ist, ist bekannt; dass es dort immer wieder zu Verstößen en gros kommt nicht minder. Doch das Ausmaß besagter Beliebtheit hat am Wochenende selbst die Polizei Bückeburg überrascht: Als die Beamten dort am vergangenen Samstag zwischen 22 und 23 Uhr -erstmals seit vielen Jahren - nach dem Rechten sahen, trauten sie ihren Augen nicht:

veröffentlicht am 25.07.2006 um 00:00 Uhr

"Auf dem Areal lagerten etwa 500 Personen. Jeder Zweite hatte ein Zelt aufgebaut, jeder Dritte ein Feuer entfacht - Dinge, die in dem Landschaftsschutzgebiet strikt verboten sind", sagt Polizei-Pressesprecher Bernd Tünnermann. Obwohl die Beamten mit zehn Kräften, darunter auch Hundeführern, nicht eben geringe Präsenz gezeigt hätten, habe der Einsatz unverrichteter Dinge abgebrochen werden müssen; Anzeigen seien nicht gefertigt worden. Nach Erkenntnis der Kollegen vor Ort, die von 30 bis 40 "Gästen" die Personalien aufgenommen hätten, soll es sich bei den 500 Feiernden "ausschließlich um Russland-Deutsche" gehandelt haben, die aus ganz Westfalen angereist seien; Personen aus dem Raum Minden seien dagegen nicht darunter gewesen. Tünnermann: "Hinweise, dass Zelten und Lagerfeuer am Gevattersee aus Gründen des Landschaftsschutzes untersagt sind, stießen bei den Feiernden auf Unverständnis." Immer wieder hätten die Beamten gehört: "Wieso denn? Wir campen hier schon seit Jahren regelmäßig." Da sie dergleichen Verbote inihrer früheren Heimat nicht gewohnt seien, sei das Unrechtsbewusstsein "gering". Immerhin: "Obwohl viele der Camper alkoholisiert waren, sind alle sehr umgänglich gewesen - das hatten wir so nicht unbedingt erwartet", sagt der Polizeisprecher. Hofkammerchef Andreas von Graevemeyer zeigte sich gestern vom Ausmaß, das die Gelage am Gevattersee angenommen haben, überrascht: "Der Handlungsdruck für uns als Eigentümer wächst." Eine Patentlösung aber hat auch Graevemeyer nicht: "Das Problem ist, dass es niemanden gibt, der das Areal bewirtschaftet und damit für Ordnung sorgt. Den Anglern und Surfern können wir das nicht zumuten." Vielleicht komme man nicht umhin, das Gelände großräumig einzuzäunen. Der Hofkammer-Chef: "Die Kosten für einen - stabilen - Zaun wären allerdings horrend. Die Folgekosten nicht minder, denn die Absperrung würde vermutlich immer wieder mit Bolzenschneidern zerstört werden ..."

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