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Adelsgehöft bildet Nukleus der Familie von Reden

450 Jahre Redenhof - Im Herzen von Hameln

HAMELN. Der Redenhof ist der einzige noch erhaltene Adelshof in Hameln. Er bildet den Mittelpunkt des mehrere Ländereien in und um Hameln umfassenden Ritterguts Reden – und bildet den Nukleus der Familie von Reden, wie Miteigentümer und Gutsverwalter Eckart von Reden zu sagen pflegt. In diesem Jahr ist der Redenhof 450 Jahre alt geworden.

veröffentlicht am 07.09.2018 um 13:10 Uhr
aktualisiert am 07.09.2018 um 15:10 Uhr

Das „Herrenhaus“ des Redenhofs aus der Zeit um 1900. Foto: Familie von Reden/pr
Philipp Killmann

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Philipp Killmann Reporter zur Autorenseite
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Die Geschichte des Redenhofs beginnt mit Ernst von Reden. Er kam um 1525 in der neunten Generation der Familie zur Welt und stammt aus dem Hochstift Hildesheim. „Sein Vater war mächtiger, wohlhabender und angesehener Pfandherr auf der Poppenburg bei Burgstemmen und über Heirat und Herkunft tief in dem dortigen katholischen Stiftsadel verbandelt“, erzählt Eckart von Reden. „Ernst war aber sehr früh mit Luthers Thesen in Berührung gekommen und gehörte zur sogenannten zweiten Generation des evangelischen Glaubens.“ Dadurch war eine „adelige Karriere“ im Domkapitel von Hildesheim eingeschränkt. Also „ging er beruflich ins evangelische Fürstentum Lüneburg nach Celle und privat ins evangelische Fürstentum Calenberg nach Hameln“.

Die Entscheidung für Hameln hatte aber auch noch andere Gründe. Drei seiner Schwestern waren im hiesigen Weseradel mit der Familie von Münchhausen (Schwöbber und Rinteln) sowie der Familie von Klencke (Hämelschenburg) verheiratet. Außerdem kam seine zweite Frau, Armgard von Rottorf, aus der Region (Schloss Hülsede). „Über diese Verbindungen erwarb er aus bürgerlichem, kirchlichem und städtischem Pfandbesitz den ehemaligen Schulzenhof – ,up dem orde vor dem groten hove‘“, rezitiert von Reden.

Der „groten hove“, also der Große Hof, war ursprünglich der Hof des Schultheiß’ vom Stift Fulda, aber bereits im 13. Jahrhundert auf die Stadt Hameln übergegangen. Die Stadt wiederum übertrug den Hof 1497 auf den Domherrn Balthasar von Münchhausen und dieser ihn auf die Enkeltochter seiner zweiten Frau: Ernst von Redens Gattin Armgard von Rottorf.

Mit Ernst von Reden begann die Geschichte des Redenhofs. Repro: Familie von Reden/pr
  • Mit Ernst von Reden begann die Geschichte des Redenhofs. Repro: Familie von Reden/pr

Am 11. September 1568, also vor 450 Jahren, erteilte der Rat der Stadt Hameln Ernst von Reden – seines Zeichens Pfandherr zu Burgdorf und später fürstlich lüneburgischer Statthalter zu Celle – unter Auflagen die Zustimmung, einen „adelich freyen“ Hof in Hameln zu erwerben. Er musste sich aber verpflichten, bescheiden im Ausbau des Hauses zu sein, keiner bürgerlichen Tätigkeit nachzugehen und keine Grundstücke zu erwerben, die in der städtischen Gerichtsbarkeit oder Landwehr lagen – „damit er nicht zu mächtig würde und ihnen über das Haupt wüchse“, rezitiert Eckart von Reden. Zu zahlen hatte er Schoß-, Graben und Wächtergeld. „Dagegen versprach der Rat der Stadt, Ernst von Reden in seinen bürgerlichen Schutz zu nehmen und von allen bürgerlichen Lasten zu befreien.“

Im Gegensatz zu den Bürgerhäusern ringsum wurden die Gebäude auf dem Redenhof aus Bruchstein und deutlich größer und höher als die umliegenden Häuser hergerichtet. Der zentrale Eingang zum Hof befand sich bis zum Umbau 1760 an der Großenhofstraße. An der Stelle des heutigen Haupteingangs, dem schmiedeeisernen Tor am Ostertorwall, stand damals ein Turm, der in die dort entlangführende Stadtmauer integriert war und der Familie als Archiv diente. „Von hier aus gab es einen unterirdischen Gang aus dem Redenhof bis zum vorgelagerten Ravelin, dort, wo sich heute das Bestattungsinstitut Kutzner befindet“, schildert von Reden.

Durch den Obernkirchener Wesersandstein war Hameln zur damaligen Zeit der Weserrenaissance eine wohlhabende Stadt mit exzellenten Verbindungen nach Holland. „Ernst als Städter fühlte sich gut aufgehoben“, meint von Reden daher. Zumal Hameln ab 1540/1542 eine lutherische Stadt wurde. „So passte alles, um mit seiner großen Familie von 19 Kindern gut untergebracht zu sein.“

Heute ist Ernst von Reden der vielfache Urgroßvater aller heutigen Namensträger. In Form eines gusseisernen Tafelporträts, das bei der Jubiläumsfeier vor einer Woche enthüllt wurde, wird nun an der Außenmauer des „Herrenhauses“ an ihn erinnert.

Er starb am 20. März 1589 auf dem Redenhof und wurde feierlich im Münster bestattet. Dort befindet sich auch ein Epitaph seines Sohnes Claus. Von Ernst von Redens 19 Kindern führte nur Henning von Reden den Stamm fort, „der 1639 mit dem Rittergut in Hastenbeck belehnt wurde“, so Eckart von Reden.

Zwei Söhne von Henning von Reden, Wilhelm – von der sogenannten Hastenbecker Linie – und Ernst Friedrich – von der sogenannten Stemmer Linie – waren beide erbgesessen auf dem Redenhof und teilten die Familie von Reden in zwei große Linien auf, die sich bis heute fortsetzen.

Der Redenhof diente den Familienangehörigen „als Erbausgleich im Rahmen der Testamente, da es sich um ein sogenannten Allod, also Eigenbesitz, handelte“, führt Eckart von Reden aus. Die landwirtschaftlichen Flächen des Ritterguts waren an Meyer- oder Halbmeyerhöfe verpachtet oder wurden durch die Verwandtschaft in Hastenbeck mitbewirtschaftet. Für die meisten seiner Besitzer fungierte der Redenhof vor allem als Rückzugsort. Einer der wenigen Vorfahren, die ständig auf dem Redenhof lebten, war Hofrat Johann Ernst Wilhelm von Reden. Er war der Vater des im Redenhof geborenen und späteren preußischen Grafen Friedrich Wilhelm von Reden. Der Hofrat hat eine Inventarübersicht von 1767 und eine Urkunde hinterlassen, „die den Zustand des Hofes nach dem Siebenjährigen Krieg (1756–1763) als ziemlich heruntergekommen bezeichnete“, erzählt Eckart von Reden. „Sein Neffe Claus zeichnete 1813 nach den napoleonischen Kriegen ein ähnliches Bild.“ Der Redenhof war während der französischen Besatzung zeitweise Lazarett, Besatzerquartier und Bäckerei und wurde stark ausgeraubt. „Seine Wohnräume waren unbewohnbar und der Garten gänzlich verwildert“, schildert Eckart von Reden.

Claus von Reden investierte dann größere Summen in die Gebäude, um auf dem Redenhof wieder zu wohnen. Er errichtete 1830 das heutige zweite große Gebäude und kaufte mehrere benachbarte Bürgerhäuser in der Großenhofstraße an: die Kurie Jerusalem und die Kurie Monetaria.

Seine Frau Philippine von Reden, geborene Freiin Knigge, liegt auf dem Hamelner Garnisonsfriedhof begraben. Sie war das einzige Kind des Aufklärers Adolph Knigge. Claus von Redens „Enkel Erich von Reden ist der letzte unserer Vorfahren, der – 1840 – auf dem Redenhof geboren wurde“, so Eckart von Reden.

1865 mussten die von Redens den Durchgang vom „Alten Markt“ zum Ostertorwall an die Stadt abtreten, also das Endstück der Alten Marktstraße. Die Fläche der heutigen Alten Feuerwache, die bis dahin zum Redenhof gehörte, wechselte für 4400 Taler (etwa 330 000 Euro) den Besitzer. „Infolgedessen war der Hof nicht mehr groß genug, um landwirtschaftliche Bewirtschaftung zuzulassen“, erzählt Eckart von Reden.

In der Regel wohnten zu allen Zeiten Familienmitglieder im Redenhof. „Nach dem Zweiten Weltkrieg bauten die damaligen Eigentümer für ihre Verwandten und andere Flüchtlinge, die im Osten alles verloren hatten, die Scheune zu Wohnungen aus“, sagt Eckart von Reden. Heute hat der Redenhof 16 vermietbare und zum größten Teil neurenovierte, 50 bis 140 Quadratmeter große Wohnungen.

Im August ging ein fünf Jahre andauernder Erbstreit zu Ende. Eine drohende Zwangsversteigerung konnte abgewendet werden, sodass das Rittergut Reden weiterhin im Besitz der Familie bleibt.

Hinweis: In unregelmäßigen Abständen finden öffentliche Führungen auf dem Redenhof statt. Ansprechpartnerin ist Renate Schulte, Telefon: 0 51 52 / 87 81, E-Mail: fwschulte@freenet.de.

Website: www.redenhof.de



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