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Kleingärten bieten Pächtern Freizeit und Selbstversorgung

400 Quadratmeter Paradies

Hameln. Ein Garten ist der persönliche Freiraum zum Leben in der Natur. Fehlt dieser direkt hinter dem Haus, so ist die Alternative eine grüne Oase in einem der vielen Kleingartenvereine. Der Hamelner Dietmar Lueg ist ein typischer Kleingärtner und hat das Sprichwort „verwurzelt“ seit Jahren für sich in die Tat umgesetzt. Seit er dreizehn ist, zieht es ihn regelmäßig in den Garten – das nun schon bald 30 Jahre. Seine älteste Tochter Anna-Lena ist heute genauso alt wie er damals, und, wie sollte es anders sein: Auch sie ist bereits eine Kleingärtnerin mit Leib und Seele.

veröffentlicht am 06.05.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 03.11.2016 um 18:41 Uhr

Für Anna-Lena (13), Madita (11) und Louisa (8) ist der Kletterba

Autor:

Birgit Sterner

Im Raum Hameln-Pyrmont sind derzeit 16 Kleingärtnervereine im örtlichen „Bezirksverband Hameln der Kleingärtner e.V.“ organisiert. Wohlklingende Namen wie „Abendfrieden“ ,oder „Weserblick“ zieren die Eingänge der Gartenkolonien.

Parzelle war ein Rohgarten

Die fünfköpfige Familie Lueg bewirtschaftet ihre Parzelle im „Kleingärtnerverein am Brösselweg“ im Norden von Hameln. „1982 pachteten meine Brüder Andreas (damals 18 Jahre) und Dirk (damals 15 Jahre) den Kuckucksweg 59 im Kleingärtnerverein „Am Brösselweg“, erinnert sich Dietmar Lueg: „Die Gartenkolonie war zu der Zeit ganz neu, und unsere Parzelle ein absoluter Rohgarten. Nach und nach haben wir drei Brüder unsere Gartenträume hier verwirklicht. Bäume gepflanzt, gesät, geerntet und vor allem auch das Gartenhaus eigenhändig entworfen und gebaut.“

Seit Mitte der 90er Jahre ist Dietmar alleiniger Pächter. Er bewirtschaftet sein grünes Reich mit seiner Ehefrau Sabine. Die Töchter Anna-Lena (13), Madita (11) und Louisa (8) sind fast immer dabei. „Vom Frühjahr bis zum Spätherbst sind wir sooft es geht im Garten,“ sagt Lueg. „Im Sommer stellen wir für die Kinder das Planschbecken auf, im Winter bauen wir einen Schneemann und es gibt heißen Kakao.“

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Das Kleingärtnerehepaar Steiger legt auf seiner Parzelle den Schwerpunkt auf Selbstversorgung.

„Für die Kinder wird es nie langweilig“, schwärmen die Eltern – „und für uns Erwachsenen natürlich auch nicht“, fügen sie an.“ Zur Zeit beschäftigen sich die drei Lueg-Sprößlinge gerade in ihrem Kletterbaum auf dem Grundstück. „Wir bieten unseren Kindern an, mit einem eigenen Kinderbeet die Freude am Gärtnern ganz ungezwungen zu entdecken“, erklärt Lueg weiter. Dietmars neuestes Projekt ist eine Umgestaltung des Gartenteichs im hinteren Bereich der Parzelle. „Fertige Gärten seien doch langweilig“, meint er.

Aber bei den Luegs wird nicht nur in der Erde gehackt und sich gestalterisch verwirklicht. Seine Brüder und seine Schwester sind oft mit ihren Familien zu Gast. „Dann gibt es unsere beliebten Familienfeste mit den Großeltern“, fügt Dietmar Lueg an.

Selbstversorger in geometrischem Muster

Ein Garten in einem Kleingartenverein wie der von von den Luegs – das sind gleichgroße geometrische Parzellen, schmale Wege, Laubenpieperromantik und selbstgezogenen Tomaten. Aber auch mit dem „Bundeskleingartengesetz“ das alles Wirken und Wachsen im Verein regelt. Insgesamt vier Millionen Kleingartenvereinsnutzer gibt es in Deutschland. Ihre Wirkungsflächen sind einheitlich, in der Regel 400 Quadratmeter große Gartenflächen. Während die Gartenkolonie am Brösselweg, in der die Parzelle der Familie Lueg zu finden ist, mit einem Alter von 28 Jahren zu den jüngeren Kolonien gehört, ist die „Gartenkolonie am Heideweg“ ein „Nachkriegskind“. Dazu sollte man wissen, dass kurz nach dem 2. Weltkrieg der Schwerpunkt der Gartennutzer völlig anders war als heute. 1946, zur Gründung der Gartenklonie am Heideweg, ging es darum, selbst etwas zu Ernährung der Familie beizutragen, um damit manchmal das nackte Überleben zu sichern. Also: Hauptsache Nutzgarten und vielleicht eine kleine Sitzecke. Spaziert man heute durch die Gartenkolonien, so zieren Rasenflächen, viele Blumenbeete und Ziergehölze die eingezäunten Parzellen. Es duftet nach Gegrilltem, Schaukelgerüste lassen Familienzuwachs vermuten und kleine Teiche auf spezielle Interesse seiner Nutzer. Gemütliche Sitzecken wie bei der Familie Lueg laden zum Verweilen ein. Kurzum die Freizeit steht im Vordergrund.

Selbstversorgung ist das Ziel

Stände sie vielleicht auch ausschließlich, wäre da nicht die Verordnung des Bundes-kleingartengesetzes, das besagt, den Kleingarten als Freizeit- und Nutzgarten zu bewirtschaften.

Bei dem Seniorenehepaar Frieda und Rudolf Steiger, das eine Parzelle im Kleingärtnerverein „Am Heideweg“ bewirtschaftet, scheint allerdings die Zeit der Selbstversorger stehengeblieben zu sein. Die beiden essen lieber Selbstgezogenes wie Salat, Gurken, Porree, Möhren Erdbeeren, Kartoffeln und, und... Wir sind in jeder freien Minuten in unserem Garten“, erzählt das Ehepaar, das sich nur ein bescheidenes Eckchen Freizeitfläche gönnt. Noch sind die vorgezogenen Tomaten-, Paprika- und Radieschenpflanzen im abgedeckten Hochbeet. „Erst nach den Eisheiligen kommen die ins freie Beet“, berichtet Rudolf Steiger.



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