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Vor Gericht: Ex-Bürgermeisterkandidat zieht Berufung zurück

"4 %-Mann" muss zahlen

Stadthagen/Bückeburg (ly). Es bleibt dabei: Ein 40 Jahre alter Schaumburger, der 2006 unter seinem damaligen Namen Jörg Brzuska Bürgermeister in Stadthagen werden wollte, muss wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr 2000 Euro Geldstrafe zahlen. Dies ist das Ergebnis einer kurzen Berufungsverhandlung.

veröffentlicht am 27.10.2007 um 00:00 Uhr

AusÄrger, dass ihm die Vorfahrt genommen worden war, hatte Brzuska seinen Wagen im Juli vergangenen Jahres quer auf die recht schmale Kreisstraße 26 zwischen Stadthagen und Obernwöhren gestellt, was zu einem Unfall führte. Die Strafe entspricht 100 Tagessätzen. Urteile mit mehr als 90 Tagessätzen tauchen automatisch im polizeilichen Führungszeugnis auf. Dies hatte den Verkehrsrowdy besonders gewurmt. Im Prozess schien die Lage aussichtslos zu sein: Vor der Berufungskammer des Landgerichts in Bückeburg hat der vorbestrafte Angeklagte daher in den sauren Apfel gebissen und sein Rechtsmittel gegen ein entsprechendes Urteil des Stadthäger Amtsgerichts aus erster Instanz frühzeitig zurückgezogen. Andernfalls hätte alles noch viel schlimmer kommen können. Weil die Staatsanwaltschaft ebenfalls Berufung eingelegt hatte, galt das Verschlechterungsverbot nicht. Aus 100 Tagessätzen hätten zum Beispiel 120 werden können. Zu Beginn hatte der Vorsitzende Richter Friedrich von Oertzen durchblicken lassen, dass auch eine Freiheitsstrafe denkbar wäre, ausgesetzt zur Bewährung. So etwas kann mit einer hohen Geldauflage verbunden sein. "Wenn wir Selbstjustiz auf den Straßen auch nur im Entferntesten akzeptieren, können wir uns begraben lassen'', betonte von Oertzen. Als "jähzornig" kennt der Präsident des Landgerichts den Angeklagten bereits aus einer anderen Sache: Wegen Körperverletzung, Hausfriedensbruchs und Nötigung war gegen Brzuska 2002 eine Geldstrafe von drei Monatseinkommen verhängt worden. Zur Rücknahme seiner Berufung hat den 40-Jährigen wohl auch dessen persönliche Situation bewogen. Er ist seit fünf Jahren arbeitslos, bezieht Hartz IV und bereitet sich zurzeit auf seine Selbstständigkeit vor, wie der Angeklagte erklärte. Als unabhängiger Bürgermeisterkandidat war Jörg Brzuska 2006 zur Kommunalwahl in Stadthagen angetreten und hatte im ersten Durchgang rund vier Prozent der Stimmen erreicht.



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