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… und was muss in die Bewerbungsmappe und in den Lebenslauf und… / Hier gibt’s die Antworten

349 Berufe – und welcher ist da der Richtige?

Hameln. Markus Henze (16) ist in der 9. Klasse der Johann Comenius Hauptschule in Emmerthal und Nathalie Schünemann (16) besucht die 10. Klasse der Realschule in Bodenwerder, und beide verbindet die gleiche Herausforderung: Sie wollen beide eine Ausbildung machen. Berufsberater Daniel Büsing ist selbst noch jung und hilft ihnen, Licht ins Dunkel um Anschreiben und Lebenslauf zu bringen und Tipps zur Ausbildungsplatzsuche zu geben.

veröffentlicht am 21.09.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:01 Uhr

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Als erstes macht Büsing aufs Internet aufmerksam und auf das vielen Schülern bekannte Berufsinformationszentrum der Agentur für Arbeit in Hameln (BIZ). Unter der agentureigenen Web-Seite planet-beruf.de gibt es jede Menge Informationen zum Thema samt Orientierungshilfe: „Was sind deine Stärken? Wo liegen deine Interessen?“, sind nur zwei Fragen, die helfen, mehr über sich zu erfahren. Gespräche mit Eltern und Freunden sind besonders hilfreich, um herauszufinden, wo andere Menschen die besonderen Qualitäten in einem selbst sehen.

Das BIZ stellt außerdem umfassendes Material zu den verschiedenen Berufsbildern zur Verfügung, was ziemlich hilfreich ist bei fast 350 unterschiedlichen Ausbildungsberufen, die es in Deutschland gibt. Ist die Richtung erst einmal klar, empfiehlt Berater Büsing einen Termin bei der Agentur. „Wir können hier eine Vielzahl an Ausbildungsplätzen nennen und werfen gern einen Blick auf die Bewerbungsunterlagen.“ Wer sich allein nicht traut, kann auch die Eltern oder jemand anderes mitbringen. Allerdings sollte man ganz gerne vorher einen Termin vereinbaren, „damit wir uns schon mal vorab ein Bild von den Schülern machen können“.

Die Suche nach der geeigneten Ausbildung kann ein Weilchen dauern, und dann kommt die Schreibtischarbeit, die viele verunsichert. „Was muss denn jetzt wirklich alles in der Bewerbung stehen?“, wollen Nathalie und Markus wissen. „Im Anschreiben müssen ein paar wichtige Dinge klar werden“, erklärt Büsing, und listet die drei wichtigsten Punkte auf:

Warum wird sich für diesen Beruf entschieden, was ist daran besonders interessant?

Warum soll es gerade dieses Unternehmen sein?

Warum ist der Bewerber für diese Stelle gut geeignet? Welche besonderen Fähigkeiten oder Kenntnisse hat er, die auch mit Beispielen belegbar sind?

„Dabei ist es empfehlenswert, sich kurzzufassen“, empfiehlt der Berater. Das Anschreiben sollte nicht länger als eine DIN-A4-Seite sein. Und: „Auf keinen Fall sollte das Anschreiben als Serienbrief verfasst werden, in dem nur die Adresse des Ausbildungsbetriebes verändert wird. Erfahrungsgemäß fallen diese Bewerbungen einfach hinten runter“, meint Büsing. Ein Experte erkennt das. Auch, wenn’s vielen zu spießig erscheinen mag: Auf die Form muss geachtet werden! Keine Wechsel in den Schriftarten und -größen, korrektes Datum, und natürlich die korrekte Firmenanschrift sind wesentliche Dinge, auf die zu achten ist. Das gleiche gilt für den Lebenslauf. „Der soll vor allen Dingen Interesse am Bewerber wecken, und zeigen, was er dem Betrieb bieten kann“, sagt Büsing. Beispiele für Lebensläufe sind auch unter planet-beruf.de zu finden. Eines sei hier schon erwähnt: die Religionszugehörigkeit nur nennen, wenn’s vom Betrieb gewünscht wird. Und dem Bewerbungsfoto ein bisschen mehr Aufmerksamkeit zu schenken, kann nicht schaden: Es sollte dezent sein, seriös, und auf keinen Fall aus einem Automaten stammen, den man ganz gerne mal mit Freunden für spaßige Fotos aufsucht, sondern von einem Fotografen.

Anschreiben und Lebenslauf müssen mit aktuellem Datum versehen sein und jeweils unterschrieben werden. Abschluss- oder Zwischenzeugnis und Bestätigungen über Praktika oder besondere Ausbildungen müssen natürlich auch noch rein.

Die richtige Reihenfolge aller Unterlagen in der Bewerbungsmappe sieht dann so aus:

Zuerst das Deckblatt mit Foto, dann

der Lebenslauf (mit Foto, falls kein Deckblatt verwendet wird) und dahinter

die Anlagen (Zeugniskopie(n); Praktikumsbescheinigung(en); Bescheinigungen für Kurse und/oder Nebenjob(s); Sonstige Anlagen).

„Und was, wenn es trotzdem nicht klappt?“, will Markus wissen. Er hat schon Bewerbungen für sein Schulpraktikum geschrieben und auch schon Absagen erhalten. „Niemals den Mut verlieren!“, antwortet Büsing sofort. „Wenn ihr Absagen bekommt und ihr den Eindruck habt, dass die ganze Sache nicht gut läuft, dann ruft an und kommt her. Manchmal liegt der Teufel im Detail.“ Ein falsch formulierter Satz, eine unbemerkte Lücke im Lebenslauf oder auffällige Rechtschreibfehler an signifikanten Stellen – Kleinigkeiten können bereits dazu führen, dass die Bewerbung bei den Betrieben auf den Stapel „Kommt nicht in Frage“ rutscht. „Es ist wichtig, dass wir an diesem Punkt noch einmal gemeinsam auf die

Unterlagen gucken“, meint Büsing, „damit ihr noch einmal eine objektive Meinung von uns einholen könnt.“

So weit, so klar. „Aber gibt es überhaupt genug Ausbildungsplätze?“, fragen Nathalie und Markus, was sich wohl alle Schulabgänger fragen. „Aber ja“, antwortet die Sprecherin der Agentur für Arbeit, Christina Rasokat. „Es gibt sogar viele Plätze, es scheint aber so zu sein, dass das Thema Berufsausbildung immer mehr aus dem Blickfeld gerät. Viele Schüler wollen erst einmal weiter zur Schule gehen und sich später entscheiden, dabei ist ein solider Beruf doch ein gutes Fundament.“ „Überhaupt“, das stellt auch Büsing fest, „wird die Entscheidungsfindung gern hinausgezögert.“ Wer sich erst zu Beginn seiner Abschlussklasse orientiert, sei im Grunde zu spät. „Optimal ist eine Entscheidung für eine berufliche Richtung bereits in der Klassenstufe davor, sodass pünktlich mit dem Beginn des letzten Schuljahres die Bewerbung in aller Ruhe vorbereitet werden kann und pünktlich bei den Unternehmen eintrifft.“

Es gibt also viel zu tun für die Jugendlichen. Nathalie hat schon Bewerbungen geschrieben, Markus noch nicht, höchste Zeit also. Die Agentur für Arbeit ist nach dem Termin bei den beiden in ein gutes Licht gerückt. Büsing hat die Infos klar rübergebracht. „Das BIZ ist auch super, ich war da schon mal“, erzählt Nathalie, „da gibt es über jedes Berufsbild einen dicken Ordner.“ Fazit: „Das Internet ist eine gute Unterstützung, aber die Berufsberatung ist nochmal viel persönlicher und sollte auf alle Fälle wahrgenommen werden.“



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