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Betrug in gemeinnütziger Einrichtung

34 500 Euro auf privates Konto in Italien umgeleitet

Stadthagen (menz). Der quartalsmäßige Eingang öffentlicher Zuschüsse beschert einer gemeinnützigen Einrichtung in Stadthagen jeweils für kurze Zeit hohe Kontostände. Im Oktober 2005 wurde versucht, von dem finanziellen Zwischenhoch 34 500 Euro auf ein privates Konto in Italien umzuleiten. Eine damalige Mitarbeiterin wurde jetzt wegen Beihilfe zum Betrug vor dem Amtsgericht Stadthagen zu acht Monaten Haft auf Bewährung verurteilt.

veröffentlicht am 12.05.2007 um 00:00 Uhr

Nach einem "reinen Indizienprozess" war Strafrichter Kai-Oliver Stumpeüberzeugt, dass die 26-Jährige die Daten für drei Internetüberweisungen beschafft hat. Die Frau, der die Anspannung grimmige Züge ins Gesicht meißelte, hatte zu der Anklage geschwiegen. Wer die Transaktion am Computer einer Spielhalle in Stadthagen veranlasst hatte, konnte nicht geklärt werden. Als Tatverdächtiger mit vor Gericht stand der Ex-Freund, an dessen Schwester das Geld adressiert war. Der Mann bestritt die Vorwürfe und versicherte mit treuherzigem Augenaufschlag über seinen Dolmetscher, dass er kaum mit Computern umgehen könne und Internetbanking gar nicht beherrsche. Er wurde aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Durch Zufall waren die unbefugtenÜberweisungen im Oktober 2005 bereits nach wenigen Minuten bemerkt worden. In letzter Sekunde gelang es, den Transfer des Geldes zu stoppen und den tatsächlichen Schaden zu begrenzen. Auf 500 Euro bezifferte die zuständige Mitarbeiterin der Einrichtung den Verlust durch die Gebührenbelastung der Banken. Die Hürden, die es für einen Blick in die sensiblen Daten zu überwinden galt, waren nicht unüberwindlich gewesen. Die Schlüssel für die Lade des Schreibtisches waren mehr oder weniger offen zugänglich. Außer Frage stand für die Finanzbeauftragte die Integrität der langjährigen Angestellten. Dass aus diesem Kreis jemand der Versuchung erlegen sei, hielt sie für "ausgeschlossen". Alle seien "mit Herz und Seele" bei der Arbeit, erklärte sie als Zeugin. Der Verdacht hatte sich unverzüglich gegen die junge Frau gerichtet, die erst wenige Monate zuvor als Hilfe eingestellt worden war. Einschlägig vorbestraft, geriet die Stadthägerin auch ins Visier der polizeilichen Ermittlungen. Anderen Ansätzen sei die Polizei "nicht nachgegangen", kritisierte Verteidiger Reiner Wötzel die Polizeiarbeit als einseitig. Er verwies auf eine theoretisch mögliche Täterschaft von Handwerkern und sämtlichen Mitarbeitern. Für die Schuld seiner Mandantin gebe es keinen Beweis. "Sie ist vorbestraft und hat da gearbeitet, mehr war das nicht", lautete sein Fazit. Der Rechtsanwalt leitete daraus die Forderung nach einem Freispruch ab. Der Strafrichter blickte auf den Gesamtzusammenhang und sprach die Angeklagte schuldig. Die Indizien dürften "nicht isoliert betrachtet werden", begründete Stumpe das Urteil. Den letzten Ausschlag hatte die Freundschaft der 26-Jährigen mit der Adressatin des Geldes gegeben. Trotz laufender Bewährung aus der vorigen Verurteilung, wurden die acht Monate Haft ausgesetzt. Vor Gericht hatte die 26-Jährige sehr überzeugend geschildert, wie sie ihr Leben geändert habe. Die ehemals drogenabhängige Frau hat mit viel Eigeninitiative eine Basis für die Zukunft geschaffen. Das "verdient Hochachtung", hatte Staatsanwältin Julia Bauer in ihrem Plädoyer Respekt gezollt.



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