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Kronleuchter inklusive: Architektur-Professor stellt Projekt vor / Zustimmung in Fraktionen

3,24 Millionen Euro für das "Kurparkhaus"?

Bad Nenndorf (fox). Dass die Stadt Bad Nenndorf plant, ein Parkhaus zu bauen, ist bekannt. Und dass das Thema kein Leichtgewicht für Verwaltung, Politik und Bürger ist, auch. Nun hat das Vorhaben offiziell Gestalt angenommen. Architektur-Professor und Stadtplaner Rainer Hobigk aus Hannover hat dem Bauausschuss sein Projekt schmackhaft gemacht. 3,24 Millionen Euro soll das Objekt kosten - nach jetzigem Planungsstand.

veröffentlicht am 27.10.2007 um 00:00 Uhr

So könnte es aussehen, das "Kurparkhaus" - Wasserfall, Fähnchen

Recht salopp hat der Architekt am Abend seine Gedanken präsentiert, der Computertechnik sei dank bereits fertig eingebettet zwischen Eichen, Linden, Ahorn und Blutbuche auf dem Grün zwischen Kurhausstraße und Poststraße. Aus fünf Entwürfen mit 141 bis 193 Stellflächen griff sich Hobigk schließlich auf den Vorentwuf "E" heraus - ein mit wildem Wein und Clemates beranktes Konstrukt aus Beton, Holz und Glas. "Und weil wir hier einen Kurort haben, hängt unter den Glasdächern der beiden quadratischen Treppenhaustürme ein Kronleuchter - das muss schon sein", stellte der Stadtplaner vor. Das unter Berücksichtigung zahlreicher Punkte entstandene Gebäude erfüllt die Erwartungen und Anforderungen der Politik offensichtlich, 140 Parkplätze waren nach einer Beschlussfassung in Form einer Parkpalette gefordert. Vierstöckig könnte das "Kurparkhaus" werden. Wegen der Hanglage wirkt es jedoch "in den Berg gebaut" von der Kurhausstraße aus nur zweistöckig. Seniorengerecht soll das Parkhaus nach Hobigks Planungen in das "Sahnestück" an der Landgrafentherme integriert werden. Auch das "Bad Nenndorfer Element", das Wasser, hat der Architekt integriert. Ein kleiner Wasserfall, der links neben der Einfahrt aus der Front des "Kurparkhauses" entspringt, soll eine Wasserstelle speisen, die bis an die Kurhausstraße reicht. "Am Ende steht eine Bank, dort können dann Enten gefüttert werden." Trotz breiter Zustimmung in allen Fraktionen bleiben 3,24 Millionen Euro für ein Parkhaus eine Menge Geld - auch wenn es sich dabei nur um einen formbaren Vorschlag des Architekten handelt, den die Stadt nach Meinung des Planers nun erst einmal "verdauen" sollte. Allein die Mehrwertsteuer beträgt dabei 518 000 Euro. Würde die Stadt diese Maßnahme mit einer Betreibergesellschaft "regeln", so Hobigk, könnte die Mehrwertsteuer abgeführt werden. Es blieben rechnerisch rund 2,72 Millionen Euro. Die Hälfte der Kosten für das "Kurparkhaus" könnte wie berichtet über das regionale EU-Strukturförderprogramm "EFRE" getragen werden. Die Stadt hatte sich mit dem Integrierten Stadtentwicklungs- und Wachstumskonzept dafür beworben, das Parkhaus ist größter Bestandteil. Doch mit ein wenig Geschick und Glück könnte Bad Nenndorf außer dem EU-Programm "EFRE" weitere Förderprogramme nutzen. Wie Susanne Strohmeier vom Stadtplanungsbüro Infraplan in Celle gestern auf Anfrage mitteilte, gibt es noch weitere Programme, die greifen würden. Das Land-Bund-Förderkonzept "Stadtumbau West" beispielsweise. Dieses würde nochmals zwei Drittel der verbleibenden Summe tragen, Bad Nenndorf hätte "nur" noch rund 540 000 Euro zu tragen. Würde das "Kurparkhaus" in einer Betreibergesellschaft geführt, könnte mit der Mehrwertsteuer noch einmal viel Geld gespart werden. Eine Betreibergesellschaft setzt Einnahmen voraus -Parkgebühren. Allein schon, um die laufenden Kosten des Objekts zu finanzieren. Die Höhe dieser jedoch noch nicht weiter diskutiert worden, erklärte Stadtdirektor Bernd Reese auf Anfrage. In den Fraktionen im Rat der Stadt Bad Nenndorf herrschte gestern Einmütigkeit darüber, dass Gebühren im Parkhaus sinnvoll und nötig wären, um dieses zu betreiben. WGN-Sprecher Frank Steen hat "nichts dagegen". Es müsse sich dabei jedoch um angemessene Preise handeln. SPD-Fraktionsvorsitzender Volker Busse denkt ähnlich, will aber vorerst nur für sich persönlich sprechen. "Man könnte die Parkgebühren zu bestimmten Zeiten erheben und die Preise verrechnen lassen", schlug er vor. Andreas Fedler (FDP): "Kostendeckend mit Parkgebühren zu arbeiten ist eine Wunschvorstellung." Fedler kann sich vorstellen, die Gebühren beispielsweise mit Ticketpreisen ausdem Wandelhallen-Betrieb zu verrechnen. Wer für das "Kurparkhaus" Gebühren erhebt, muss sich auch über eine ganzheitliche Parkflächenbewirtschaftung Gedanken machen - sonst bleiben im Parkhaus die Gäste aus. Dies hat CDU-Fraktionsvorsitzende Ellen Hültenschmidt erkannt. Zwar sei dieser Punkt noch nicht weiter in der Fraktion erörtert worden. "Ich persönlich bin der Meinung, dass dies keine kostenlose Lösung bleiben kann." Für Reese ist diese Parkflächenbewirtschaftung ein "sensibles Thema". Vor rund acht Jahren seien derartige Überlegungen für Bad Nenndorf im Rat mit breiter Mehrheit abgeschmettert worden. "Parkgebühren, insbesondere an Wochenenden, sind mit äußerster Vorsicht zu genießen und politisch eingehend zu beraten", sagte Reese. Denn: "Bad Nenndorf will sich für Gäste offen zeigen."

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