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30-Millionen-Euro-Hammer! Schulzentrum Nord wird deutlich teurer

Hameln (red). Das Schulzentrum Nord wird deutlich teurer als bisher veranschlagt. Das Gesamtprojekt kratzt an der 30-Millionen-Marke. Nach ursprünglicher Schätzung sollte das Schulzentrum 21,3 Millionen Euro kosten. Noch im Mai vergangenen Jahres hatte Oberbürgermeister Griese aufgrund befürchteter Kostensteigerungen die Notbremse gezogen. Dass es nun trotz aller Sparanstrengungen zu höheren Kosten kommt, ist laut Griese allein dem hohen Sanierungsbedarf am vorhandenen Gebäudebestand geschuldet. 

veröffentlicht am 15.01.2016 um 15:17 Uhr
aktualisiert am 20.01.2016 um 17:48 Uhr

Das Schulzentrum Nord beschäftigt einmal mehr die Politik. Am 9. März werden die Ratsmitglieder eine Entscheidung über die größte Einzelinvestition in der Geschichte der Stadt treffen müssen. Die Zahlen, die die Verwaltung jetzt vorgelegt hat, verheißen nichts Gutes: Die Kosten für das Projekt summieren sich einschließlich kalkulierter Risikozuschläge auf fast 30 Millionen Euro – und das, obwohl der Ursprungsentwurf der Architekten Venneberg & Zech abgespeckt wurde. Das Problem: Allein die Arbeiten am vorhandenen Gebäudebestand schlagen mit 14,6 Millionen Euro zu Buche. „Hier ist über Jahrzehnte hinweg nichts Grundlegendes gemacht worden und das rächt sich nun“, beschreibt Oberbürgermeister Claudio Griese die Situation.

 

Der Zustand der vorhandenen Gebäude ist in den vergangenen Monaten erstmalig untersucht worden. Für die Planer des Büros Venneberg & Zech gab es ein böses Erwachen: Bei den Altbauten haben sie einen beträchtlichen Sanierungsstau feststellen müssen. Sie genügen in keiner Weise den aktuellen Anforderungen des Brandschutzes, sind nicht barrierefrei, aus energetischer Sicht zum Teil mangelhaft und zudem teilweise schadstoffbelastet.

 

„Das hat uns kalt erwischt“, räumt Architekt Ulrich Zech ein. Das Schulzentrum Nord sei jedoch kein Einzelfall, bundesweit müssten viele Schulbauten der siebziger Jahre als Sanierungsfall bezeichnet werden. Als besonders problematisch beschreibt der Planer die Situation des Gebäudetraktes B: Der Brandschutz sei hier „völlig untauglich“, Inklusion in keiner Weise gewährleistet. Zech sieht nur noch eine Möglichkeit: den kompletten Rückbau des Gebäudes bis auf den Rohbau und den vollständigen Neuaufbau.

 

Um Kosten zu sparen, hat Zech mit seinem Team (das als Sieger aus einem Architektenwettbewerb hervorgegangen war) den Entwurf für den Neubautrakt überarbeitet. In monatelanger Arbeit wurde die Notwendigkeit von Kurs- und Klassenräumen hinterfragt, Quadratmeter um Quadratmeter aus dem Raumprogramm gestrichen. „Dabei ist ein Entwurf herausgekommen, der ein Optimum an Wirtschaftlichkeit erreicht“, sagt Erster Stadtrat Hermann Aden.

 

An vielen Stellen setzen die Architekten die Schere an: Die Zahl der Kurs- und Klassenräume für die Sekundarstufe II wird von 21 auf nun 17 reduziert, die zunächst großzügiger dimensionierten Glasflächen fallen nun deutlich kleiner aus, und ein Atrium im Inneren des Gebäudes sucht man jetzt vergebens. Auch bei der Mensa haben die Planer den ersten Entwurf eingedampft: Statt 444 Sitzplätzen gibt es nun nur noch 380 Plätze. Unterm Strich haben Zech & Venneberg zehn Prozent der Neubau-Gebäudefläche eingespart – und das alles, wie von der Politik gefordert, einvernehmlich mit den Vertretern der Schulen geklärt. „Wir haben nun einen architektonisch überzeugenden Entwurf, der zugleich die pädagogischen Anforderungen erfüllt“, lobt Aden.

 

Dass das Gesamtprojekt dennoch an der 30-Millionen-Marke kratzt, ist für Rathauschef Griese „nur sehr schwer zu akzeptieren“. Nach ursprünglicher Schätzung sollte das Schulzentrum 21,3 Millionen Euro kosten. Noch im Mai vergangenen Jahres hatte der OB aufgrund befürchteter Kostensteigerungen die Notbremse gezogen. Dass es nun trotz aller Sparanstrengungen zu höheren Kosten kommt, ist laut Griese allein dem hohen Sanierungsbedarf am vorhandenen Gebäudebestand geschuldet. „Hier müssen wir etwas tun, ob wir wollen oder nicht“, so der Oberbürgermeister.

 

Ob noch mehr gespart werden soll, muss nun die Politik entscheiden. Gemäß Auftrag des Rates haben die Architekten Venneberg & Zech für den Schulkomplex eine Reihe von Varianten geprüft:

 

  • Wegfall von Einbauten im Trakt B: Die Architekten sehen dadurch eine Einsparung von 260.000 Euro; allerdings wird auf funktionale Einschränkungen und den Wegfall von zwei Kursräumen verwiesen.
  • Verzicht auf den Ausbau einer Ebene im östlichen Neubautrakt: Ulrich Zech errechnet hier eine Einsparung von insgesamt 440.000 Euro – die Sekundarstufe II könnte dann jedoch nicht mehr sechszügig, sondern nur noch fünfzügig geführt werden.
  • Fast vollständiger Verzicht auf eine Ebene im Bereich des Neubaus: Die Architekten kalkulieren mit einer Einsparung in Höhe von insgesamt 2,2 Millionen Euro. Problem: Die Zügigkeit des gesamten Schulzentrums müsste von acht auf sieben reduziert werden, die Schule würde ca. 240 Schüler verlieren. Außerdem würde die Anbindung des Albert-Einstein-Gymnasiums (AEG) an die gemeinsame Oberstufe verlorengehen.
  • Wegfall der Magistrale, die der barrierefreien Anbindung von Trakt C und Haus Milewa dient: Das Einsparpotenzial beträgt 490.000 Euro – allerdings beklagen die Architekten für diesen Fall den Verlust der zentralen Wettbewerbsidee, alle Baukörper auf einer Ebene miteinander zu verbinden und damit funktional und architektonisch eine Klammer zu schaffen.
  • Verzicht auf die Umgestaltung der Außenanlagen östlich des Traktes C: Dadurch ließen sich laut Zech 37.000 Euro sparen – die barrierefreie Anbindung der Sporthalle und des Hallenbades wären jedoch nicht mehr möglich.

 

Architekt Ulrich Zech warnt allerdings davor, die Zügigkeit der Oberstufe oder des gesamten Schulzentrums aus finanziellen Gründen zu verringern: „Das geht zu Lasten der Wirtschaftlichkeit, die Kosten pro Schüler würden sich dadurch erhöhen.“ Auch Stadträtin Martina Kurth-Harms hält es für den falschen Weg, nur noch ein siebenzügiges Schulzentrum zu planen. „Die Schüler sind ja da, sie müssen dann auch untergebracht werden.“ Dies gelte umso mehr nach dem Wegfall der Schullaufbahnempfehlung im Sommer 2016.

 

Angesichts der finanziellen Größenordnung des Projekts hat OB Griese eine Wirtschaftlichkeitsstudie in Auftrag gegeben. Darin soll untersucht werden, was langfristig betrachtet wirtschaftlicher ist - die Erweiterung und Sanierung des Schulzentrums oder der Neubau des Gebäudekomplexes auf der grünen Wiese. Die Ergebnisse sollen Anfang März vorliegen.

 

In einer Bürgerversammlung am Dienstag, 16. Februar, 18 Uhr, in der Aula des AEG wird die Stadt alle Interessierten über die Planungen informieren. 



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