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Faurecia: Einigung auf Abkommen zur Sicherung des Produktionsstandortes Stadthagen

300 Entlassungen bis 2008 und neues Presswerk

Stadthagen (jl). Am späten Donnerstagabend haben haben sich Betriebsrat, IG Metall und die Faurecia-Geschäftsführung auf einen Sozialplan und Interessenausgleich geeinigt. Danach soll die Belegschaft stufenweise bis Ende 2008 von derzeit rund 1800 auf 1500 Beschäftigte abgebaut werden. Zu dem Verhandlungspaket gehört auch eine Großinvestition am Standort Stadthagen: Faurecia will in diesem Jahr mit dem Bau eines Zentrums für Presstechnologie beginnen, das rund zehn Millionen Euro kosten soll.

veröffentlicht am 19.08.2006 um 00:00 Uhr

Laut jetzigem Stand will das Unternehmen nach den Worten von Personalchef Michael Freiboth in diesem Jahr 150 Mitarbeiter entlassen und weitere 100 im kommenden Jahr. Das Ziel seien 300 Stellen weniger bis Ende 2008. Betroffen ist ausschließlich die Produktion, in der von 2009 an nur noch 300 Menschen arbeiten sollen. Betriebsratsvorsitzender Jürgen Bittner und IG Metall-Bevollmächtigter Uwe Christensen schätzten dieses Ergebnis in einem Pressegespräch so ein, dass damit die Schließung der Stadthäger Produktion verhindert worden sei. Die Stimmung in der Betriebsversammlung gestern Mittag sei sehr "verhalten" gewesen, sagte Bittner. Der Sozialplan fällt laut Gewerkschaft deutlich günstiger aus als vorherige Vereinbarungen bei dem Autozulieferer. Zusätzlich können die Gekündigten für neun bis zwölf Monate in eine Qualifizierungsgesellschaft wechseln, die sie laut Christensen "für den Arbeitsmarkt" vorbereiten soll. Eine Alternative zu den Entlassungen hat es nach Bittners Angaben nicht gegeben. Der Betriebsrat hat in den Verhandlungen erreicht, dass er regelmäßig über die Auftragslage informiert wird. So will er kontrollieren, ob der vom Unternehmen für nötig gehaltene Personalabbau auch wirklich erforderlich ist. Vereinbart ist auch, dass Faurecia keine Fremdfirmen mehr beschäftigt und dass Aufträge aus Polen nach Stadthagen verlagert werden. Der Betriebsratsvorsitzende machte deutlich, dass das "Zusammenspiel von Forschung, Entwicklung und Produktion" in den Verhandlungen durchgängig eine Rolle gespielt habe. Denn ohne eine engere Verzahnung dieser drei Bereiche wäre das Werk aus seiner Sicht gefährdet. Deswegen sei die "juristisch wasserdichte" Zusage Faurecias über die zehn Millionen Euro für das Presswerk "einzigartig". Diese Hightech-Anlage ist nach den Worten Freiboths ein Baustein des Umbaus eines Werks mit so genannten Volumenproduktion oder auch Massenfertigung in ein Kompetenzzentrum. "Die Fertigung rückt dabei näher an Entwicklung und Forschung" unterstrich der Firmensprecher. Freiboth sieht für den Standort Stadthagen keine Chance für die herkömmliche Produktion. Deswegen haben Betriebsrat und Unternehmen vor Monaten Gespräche über die Neuausrichtung begonnen, die auf die Schaffung von hochqualifizierten Arbeitsplätzen hinauslaufen soll. Das Presswerk, so Freiboth, "sichert den Standort auf Jahre". Freiboth hofft "bei entsprechenden Rahmenbedingungen" auf weitere Komponenten für die Forschungswerkstatt. Uwe Christensen bekundete für die IG Metall: "Wir tragen das ausdrücklich mit." Nur hochmoderne Arbeitsplätze hätten in der Automobilindustrie eine Chance. Die eigentliche Umstrukturierung soll 2009 beginnen.

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