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Erntefest: Toltern und Umzug verregnet / "Dorfjugend jammert nicht, sondern packt an"

30 geworden - und bei Ebay versteigert

Gelldorf. Erntebauer zu sein, das sei keine Arbeit, sondern mache einfach Spaß, verkündete der diesjährige Amtsinhaber Thomas Hose bei seiner Ansprache vor dem Feuerwehrgerätehaus unmissverständlich. Anscheinend kann der selbstständige Küchenmeister diesen Spaß sogar weitervermitteln: Erstmals war auch das Technische Hilfswerk aus Stadthagen in einem Erntewagen beimUmzug beteiligt - Hose ist dort seit 28 Jahren Mitglied.

veröffentlicht am 04.09.2006 um 00:00 Uhr

Gut behütet: Regenschirmparade bei den obligatorschen Tanzstopps

Autor:

Frank Westermann

Auf den anderen wichtigen Aspekt des Erntefestes hatte Ortsbürgermeister Andreas Hofmann in seiner kurzen Rede hingewiesen: die Solidarität, die so gestärkt werde. Das sah Erntebauer Hose vorher ähnlich: Die Dorfjugend jammere nicht, wenn die Arbeit zu tun sei, sondern krempele die Ärmel hoch und packe an. Der Spaß hielt sich bei den öffentlichen Veranstaltungen des diesjährigen Erntefestes in gewissen Grenzen, denn sowohl beim Toltern am Sonnabend als auch beim Ernte umzug gestern regnete es. Die Gelldorfer und ihre Gäste ließen sich die Laune nicht verderben: Unverdrossen wurde bei allen drei Tanzstopps, vor dem Feuerwehrgerätehaus, in der Wiesenstraße und auf dem Marktplatz, Runde um Runde gedreht und das Tanzbein geschwungen. Auch wenn der Reigen der Erntefeste und die Umzüge im Laufe der Jahre bei manchem Teilnehmer zu einem langen Reigen schöner Momenten verschwimmen werden, so wird sich Gerald Pohl fraglos für den Rest seines Lebens an dieses Erntefest erinnern: Er hatte das Pech, gerade jetzt 30 zu werden. Und er ist unverheiratet. Die üblichen an diesem Tage anstehenden landkreisweiten Rituale sind, verglichen mit denen in Gelldorf, lächerliche Kindergeburtstage. Natürlich musste Pohl fegen - im Gewand eines Burgfräuleins. Aber er wurde auch bei Ebay versteigert: Für 250 Euro sicherte sich ein unbekannter Bieter acht Stunden lang die Arbeitsdienste des Gelldorfers. Gestern Nachmittag herrschte allgemeines Rätselraten, wer für 250 Euro den Zuschlag erhalten hatte. Der heißeste Tip: Ein Mädchen aus der Nachbarschaft. Die habe, so Pohl, allerdings seit gut zwei Jahren nicht mehr mit ihm gesprochen. Wie auch immer: Viel Spaß. Pohl hat vergleichsweise noch Glück gehabt und ist noch gut weggekommen. Als sein älterer Bruder vor Jahren 30 wurde und ebenfalls unverheiratet war, musste er auch fegen: "Gut 25 Kubikmeter Hackschnitzelholz", die ihm seine Freunde per Anhänger auf den Hof geschüttet hatten, erinnert sich Achim Pohl. Damit noch lange nicht genug: Er musste damals im Minitrecker noch einen Parcours abfahren. Und in welchem Kostüm dies alles von ihm verlangt wurde, darüber, liebe Leser, decken wir mal lieber den großen Mantel des Schweigens. Man muss auch vergessen können.

Thomas Hose
  • Thomas Hose
Gerald Pohl
  • Gerald Pohl
Da stört auch das schlechte Wetter nicht: Es macht schon mächtig
  • Da stört auch das schlechte Wetter nicht: Es macht schon mächtig Spaß, mit Freunden seine Kreise zu ziehen.

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