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Imker ziehen Bilanz - und haben mehrere Probleme

27 Kilo Honig pro Volk: Gute Ernte - schwache Bienen

Obernkirchen/Landkreis (cok). Die Bienenhonigernte ist eingetragen, die Bienenvölker bereiten sich auf den kommenden Winter vor und die Schaumburger Imker konnten insgesamt eine "gute" Bilanz ziehen und 27 Kilo Honig pro Volk ernten. Trotzdem ist Gundula Piehl, Hobbyimkerin und 1. Vorsitzende des Imkervereines Obernkirchen, durchaus besorgt über die Zukunft der Imkerei.

veröffentlicht am 02.10.2007 um 00:00 Uhr

Gundula Piehl

So setzt sich das insgesamt "gute" Ergebnis der Honigernte 2007 aus den Erträgen zweier unterschiedlicher Erntephasen zusammen. Im ausgesprochen trockenen, warmen Frühjahr mit seiner frühen, reichen Blüte war die Tracht überdurchschnittlich hoch. Doch zeichneten sich da schon mehrere Probleme ab. Die Bienen fanden in der Trockenheit weniger Wasser, als sie brauchen, um ihre Brut optimal nachzuzüchten (die fleißigen Sommerbienen halten ihr Arbeitsleben gerade mal vier Wochen durch). Und der eher kühle, feuchte Sommer wiederum brachte durch den vorzeitigen Abbruch der Blütezeit viel zu wenig Nektar und Pollen hervor, die doch unabdingbar sind als Nahrung für die Brut. Dadurch fiel nicht nur die Sommerernte zwei Stufen schlechter aus als diejenige des Frühjahres aus, sondern viele Bienenvölker entwickelten sich auch nicht so zahlreich, wie es zu wünschen wäre. Gerade am Ende des Sommers nämlich müssen sie noch einmal gewaltig zulegen und nach allen Kräften Eier legen, damit genug Winterbienen heranwachsen, die den Stock in der kalten Jahreszeit versorgen und im nächsten Frühjahr die Grundlage für ein neu erwachendes Bienenvolk bilden. "Ich sehe, dass viele Imker sich Sorgen machen, ob ihre Bienen zahlreich undstark genug sind, um gut ins neue Jahr starten zu können", sagt Gundula Piehl. Der Sommer ist sowieso eine Zeit der ausgesprochen harten Arbeit für die Honigsammler. Seit die Landschaften überwiegend von Monokulturen geprägt sind, zudem auch immer mehr Mais angebaut wird, der für Insekten gar nichts einbringt, und dazu oft lieber gedüngt wird, statt die abgeernteten Felder mit "Untersaat", wie zum Beispiel Klee, wieder mit Nährstoffenzu versorgen, blühen im Sommer insgesamt nur wenige Pflanzen. Die letzte große Blüte war die Lindenblüte im Juni. Danach mussten die Bienen, die eigentlich auf die energiesparenden "Massentrachten" gehen - Obstbäume, Raps, Linden - sich ihren Honig auf "Läppertrachten" zusammen suchen und viel Kraft und Nektar-"Flugbenzin" bei der Suche nach Nahrungsquellen verbrauchen. Alles keine so guten Voraussetzungen für die Heranzucht starker Winterbrut. Jetzt hoffen die Imker auf einen nicht zu milden Winter. Bienen müssen nämlich "kalt" sitzen, damit sie aufhören zu brüten. Tun sie das nicht, schuften die Winterbienen zu viel und sterben zu früh, statt wie vorgesehen bis zum März durchzuhalten. Außerdem werden die Völker im Winter gegen die so gefährlichen Varoa-Milben behandelt - das ist nicht möglich, solange sie noch am Brüten sind. "Ja - Bienenhonig entsteht eben nicht in einer Fabrik, sondern ist ein Naturprodukt", erklärt die Imkerin. Bienen sind ein wichtiges Glied im Fortleben der Natur. Sie, dazu auch Wildbienen, Hornissen, Hummeln und Wespen, bleiben unverzichtbar zur Bestäubung der Pflanzen, darunter auch Obstbäume und Raps. Deshalb auch machen die Imkervereine immer wieder Anstrengungen, um Nachwuchsimker zu gewinnen. Sieben Vereine mit insgesamt 135 Mitgliedern und 1000 Bienenvölkern gibt es im Landkreis. Gerade eben genug, um den Bedarf an fleißigen Bestäuberinnen zu decken.



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