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Job-Center rechnet Wohnmobil als Vermögen an - in ein Auto passt er nicht

2,10-Meter-Mann mit Schuhgröße 52 kämpft gegen Hartz-IV-Bürokratie

Rinteln. Er muss sich fast schon etwas bücken, um durch die normal gebaute Tür in die Redaktion zu kommen, der 52-jährige Berufskraftfahrer und gelernte Bauarbeiter Reinhard Behrens.

veröffentlicht am 24.09.2008 um 00:00 Uhr

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Autor:

Ulrich Reineking

Mit einer Körpergröße von 2,10 Metern ist er dann aber umso präsenter, wie er da im Raum steht: kein dürrer langer Lulatsch, sondern ein wahrer Hüne von Gestalt, der in jedem Weihnachtsmärchen ohne größeren Verkleidungsaufwand den Riesen geben könnte. Der aus dem Raum Marburg Stammende wohnt seit zwei Jahren in Uchtdorf: "Nachdem ich mich von meiner Lebenspartnerin getrennt hatte, zog es mich ins Weserbergland, weil einige meiner Kinder hier wohnen." Natürlich musste er sich danach auch einen neuen Job besorgen - und dieses Unterfangen gestaltete sich schwerer als gedacht, sodass er inzwischen auf Hartz IV angewiesen ist. Eine Situation, mit welcher der zupackende Mann nur sehr schwer klar kommt. "Ich schicke Bewerbung auf Bewerbung los, doch ich bekomme einfach keinen Job - kaum mal eine Einladung zum Vorstellungsgespräch oder wenigstens eine Absage und meine Unterlagen zurück." Was schnell zum nächsten Problem führt: "Jede Bewerbung mit Porto und den vielen Ausdrucken und Kopien von Lebenslauf, Führerscheinen und Dokumenten über Zusatzqualifikationen wie Baggerfahren kostet mit Porto fast schon 5 Euro - die ich aber vom Job-Center nur erstattet bekomme, wenn ich die Bewerbungen im Einzelnen nachweisen kann." Trotz einer 52-er Schuhgröße kann er mit dem Hartz-IV-Geld keineswegs auf großem Fuße leben, sodass diese Euros für die Bewerbungskosten wirklich schmerzen. Es genügt seinem Sachbearbeiter eben nicht, wenn er die Adressen auflistet, an die er seine Unterlagen geschickt hat - "und anrufen mit der Frage, ob ich mich beworben habe, das will man dort auch nicht." Nachdenklich resümiert Behrens: "Ich glaube, die meisten Arbeitgeber machen sich überhaupt keine Vorstellung, was für Folgen das für die Betroffenen hat, wenn sie so gar keine Reaktion bekommen. Vielleicht steckt man für die nach so einer relativ langen Arbeitslosigkeit und in meinem Alter längst in einer Kiste drin, die sie gar nicht mehr aufmachen." Persönlich nachfassen kann er nur unter sehr erschwerten Bedingungen: "Da ich in einen normalen Pkw von meiner Größe her nur sehr eingeschränkt reinkomme, hatte ich mir ein ganz einfaches Wohnmobil gekauft. Das musste ich aber wegen der Hartz-IV-Regelungen abschaffen und den Erlös zunächst für meinen Lebensunterhalt einsetzen." Durch diese Vorschrift hat er seine Mobilität erst einmal verloren, was wiederum den Radius bei der Arbeitssuche auf Fahrraddistanz verringert. "Wenn ich einen Job hätte, bekomme ich zwar ein Darlehen zur Beschaffung eines Autos, aber ich muss natürlich eines haben, in das ich hineinpasse. Und natürlich müsste der neue Arbeitgeber so lange auf meinen Einsatz warten, bis das alles geregelt ist." Wobei er seine Hoffnung noch nicht aufgegeben hat, irgendwann wieder hinter dem Lenkrad eines Sattelschleppers oder den Schaltern und Hebeln eines Baggers zu sitzen. Da hat er nämlich Platz genug - "wenn auch der Sitz zu mir passt!" Einstweilen hält er den Kontakt zu seinen Kindern in Eisbergen. "Den Großen", wie er ausdrücklich betont. Die Söhne überragen den Papa nämlich alle noch um ein paar Zentimeter...

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