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Bitter, bitter: Auch eine HipHop-Legende füllt keinen Brückentorsaal

200 Fans bei Toni L sind zu wenig: "RIA" macht dickes Konzert-Minus

Rinteln. Nur rund 200 Besucher, ein vierstelliges Defizit und die Frage, ob "Rinteln in Aktion" (RIA) als Veranstalter damit in die Pleite gehen wird - so lautet das Fazit des Toni L-Konzertes am Sonnabend im Brückentorsaal. "RIA" werde aber alle seine finanziellen Verpflichtungen erfüllen, erklärte Cheforganisator Hendrik Kubitzky gestern.

veröffentlicht am 27.02.2009 um 10:07 Uhr

Männer auf verlorenem Posten: Lowrider.

Autor:

Frank Westermann

Bei der Ursachenforschung lassen sich nur schwer Antworten finden. Das Wetter? Sicher, draußen rockt es sich im Sommer allemal besser, aber Toni L ist Party ist Stimmung - egal wo. Lag es am Angebot? Sicher nicht, denn erstens ist HipHop in Deutschland erfolgreich wie nie, zweitens Toni L seit fast zwei Jahrzehnten ein Star der Szene, drittens - das gilt für Lowrider aus Minden ebenso - seit dem Wesermassiv-Festival in Schaumburg eine feste Größe. Der Preis? Unsinn, acht Euro sind lächerlich wenig. Arbeiten wir das wirtschaftliche Debakel chronologisch ab. Gut 50 Besucher verlaufen sich gegen 22 Uhr im Saal, jetzt sollte eigentlich Lowrider auf der Bühne den funkigen Anheizer geben. Die Organisatoren entscheiden anders und setzen dabei auf eine übliche Festivalstrategie: Abwarten, vielleicht steigert das auch den Bierkonsum und senkt so das sich abzeichnende Defizit. Eine Stunde später eröffnet Jens Voss, Chef von Lowrider, recht optimistisch das "Wesermassiv 2007". Lowrider mühen sich redlich, haben aber keine echte Chance. Erst Rintelns heimlicher Superstar kann die Stimmung deutlich aufhellen: Daniel Sezinando, der "Breaker", der Beatmusiker, der Mann, der nur mit seiner Stimme Schlagzeug, Bass und andere Instrumente imitiert und dazu natürlich auch noch singt, wird bei seinem gut zehnminütigen Gig umjubelt und regelrecht und verdient abgefeiert. Dann also Toni L. Wer es nicht weiß: Das ist der lange dünne Typ mit Schiebermütze, immer korrekt gekleidet. Einer der drei, die exemplarisch für Millionen artikulierten, sich "Fremd im eigenen Land" zu fühlen. Als Mitglied von "Advanced Chemistry" kann er noch von den Zeiten berichten, in denen Deutschlands Herz in Sachen HipHop nicht in Berlin, sondern in Heidelberg und Mannheim schlug. Von Zeiten, als die Helden nicht Bushido, sondern Stieber Twins hießen. Toni L ist an diesem Sonnabend besser als im letzten Jahr auf dem Wesermassiv. Verständlich, schließlich kommt er frisch aus dem Studio, wo er das "Funkanimal" aufgenommen hat; und Musiker stehen meistens deutlich stärker zu ihren neuen Liedern als zu den gut abgehangenen Klassikern. So ist es auch auf der Brückentor-Bühne: Party vom ersten Lied an, das Publikum will sich amüsieren - und kommt mächtig auf seine Kosten; Platz genug zum Tanzen ist ja auch da. Und jedes Lied schwitzt den Spirit der frühen Neunziger aus jeder Pore, von James Brown bis Johnny ,Guitar' Watson, die "Safarisounds" spielen den Funk roh und schnörkellos, Toni L rappt dazu mit seiner unverwechselbaren Stimme und diesem Flow, der schon vor mehr als 15 Jahren die Spreu vom Weizen trennte. Jedem Takt, jedem Break, jedem Reim merkt man die Freude, aber auch das tiefe Verständnis für Funk an. In einem Satz: Der Heidelberger Meister lässt den Zug mächtig rollen. Um 2 Uhr hat er die Endstation erreicht.

Rintelns bester Beatbreaker: Daniel Sezinando.
  • Rintelns bester Beatbreaker: Daniel Sezinando.
Urgestein: Toni L.
  • Urgestein: Toni L.

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