weather-image
20°
Vor Gericht: 20 Monate Jugendhaft / Polizisten beleidigt, Schüler erpresst, Ordner geschlagen

18-Jähriger hält Polizei und Justiz in Atem

Obernkirchen/Bückeburg (ly). So jung und schon so kriminell: Was ein 18-Jähriger aus Obernkirchen auf dem Kerbholz hat, dürfte manchen Schwerverbrecher beeindrucken. Vorerst bekommt der Heranwachsende nun keine Gelegenheit mehr, weitere Straftaten zu begehen. Nach einem Urteil des Bückeburger Jugendschöffengerichts muss er 20 Monate in Haft.

veröffentlicht am 19.08.2006 um 00:00 Uhr

In zweiter Instanz ist diese Entscheidung jetzt vor dem Landgericht rechtskräftig geworden. Zuvor hatten sowohl der Angeklagte als auch die Staatsanwaltschaft ihre Berufungen zurückgezogen, wie die Pressestelle des Landgerichts über den Ausgang der nicht öffentlichen Verhandlung auf Anfrage mitteilt. Aus Sicht des 18-Jährigen wohl besser so, denn aus den 20 Monaten hätten sonst leicht zwei Jahre Jugendhaft oder mehr werden können. In dem Prozess ging es um räuberische Erpressung, vorsätzliche und gefährliche Körperverletzung, Beleidigung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte sowie Bedrohung, insgesamt sechs Taten, begangen als Jugendlicher unter 18 Jahren. Zwischen Juni und Oktober vergangenen Jahres hatte der Obernkirchener, der bereits zuvor wiederholt mit dem Gesetz in Konflikt geraten war, Polizei und Justiz in Atem gehalten. 8. Juni 2005: Der junge Mann und sein Vater schlagen Radau in der Stadthäger Ausländerbehörde des Landkreises. Mitarbeiter werden übel beschimpft, unter anderem als "Nazis" und "Schweinehunde". 16. Juni: Auf einem Obernkirchener Kinderspielplatz spielen der Heranwachsende und einige Freunde Fußball. Zwei Polizisten wollen den Kickern einen Platzverweis erteilen. "Na los, holt schon eure Knüppel und Elektroschocker raus!", werden die Ordnungshüter von dem damals erst 16-Jährigen empfangen und gleich wieder verabschiedet: "Ihr Hunde, verpisst euch!" Natürlich lassen sich die Beamten nicht vertreiben. 2. Juli: Polizisten machen in Stadthagen eine Alkoholkontrolle. Der Obernkirchener meint, er müsse einschreiten, und schubst einen der Beamten. Daraufhin bekommt der junge Mann Handfesseln und wird in den Streifenwagen verfrachtet. "Wenn ich dich allein erwische, mache ich dich tot", bedroht er einen Ordnungshüter, andere werden mit Schimpfwörtern überzogen. Auf der Wache spuckt der Heranwachsende einem Polizisten ins Gesicht. 27. August: Auf dem Vehlener Erntefest bekommt der zwischenzeitlich 17-Jährige Hausverbot, nachdem er sich auf der Tanzfläche schlecht benommen hat. Ordnungskräfte führen ihn nach draußen, er erhält sein Eintrittsgeld zurück und revanchiert sich mit einem Faustschlag. Ein Ordner, am Auge getroffen, muss ins Krankenhaus. 27. August: Ebenfalls auf dem Erntefest in Vehlen presst der Täter einem 14 Jahre alten Schüler dessen Handy ab. Dem Opfer droht er, dieses "abzustechen". Kaum zu fassen, aber vorher hat ein anderer Mann (20) den Schüler auf derselben Veranstaltung etwa eine halbe Stunde lang mit einem Messer gequält und in Todesangst versetzt (wir berichteten). 9. Oktober: In einer Bückeburger Diskothek geht der Obernkirchener auf einen Gast los und verprügelt das Opfer auf der Tanzfläche. Dies ist der vorläufige Schlusspunkt einer kriminellen Karriere. Beim Jugendstrafrecht, weitaus moderater als das allgemeine Strafrecht für Erwachsene, steht der Erziehungsgedanke im Vordergrund. Wer dennoch als 18-Jähriger in Jugendhaft muss, hat "schädliche Neigungen" und gilt sozusagen als schwerer Fall.

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare