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Feldpost: Für Soldaten im Auslandseinsatz die wichtigste Brücke in die Heimat

150 Tonnen Post in jedem Monat

Bückeburg (jp). "Schreib mal wieder - 15 Jahre Feldpost als Brücke zur Heimat": Zum Vortrag mit diesem Thema konnte Klaus Suchland, Vorsitzender der Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik, Sektion Minden, rund 80 Zuhörer begrüßen. Als Referent war Nils Becker von Neubrandenburg nach Achum gekommen, wo die Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik zu dem Vortrag ins Offiziers-Kasino eingeladen hatte. Der Hauptmann der Reserve ist im Bereich Fahrdienst der Deutschen Post AG tätig und für die Abwicklung der Feldpost an die Soldaten zuständig. Ehrengast des Abends war Dieter Seegers-Krückeberg. Der aus Barsinghausen stammende Brigadegeneral der Reserve a. D. war Anfang der 1990er Jahre maßgeblich für den Aufbau der Feldpost verantwortlich.

veröffentlicht am 23.06.2008 um 00:00 Uhr

GfW-Vizevorsitzender Ulrich Wilke (Mitte) begrüßt mit Brigadegen

"Es ist uns ein besonderes Anliegen, dieÖffentlichkeit darüber zu informieren, wo deutsche Soldaten überall in der Welt eingesetzt und wie sie über die Feldpost versorgt werden", erklärte der Vizevorsitzende der GfW-Sektion Minden, Ulrich Wilke, im Gespräch mit unserer Zeitung. Denn erst seitdem die Bundeswehr die ersten Soldaten Anfang der 90er Jahre zunächst nach Kambodscha und dann nach Somalia schickte, gibt es überhaupt wieder eine Feldpost. "Davor war die Feldpost eine Planung für den Verteidigungsfall in den Schubladen der Bundeswehr", so Dieter Seegers-Krückeberg. "Darin war vorgesehen, eine ganze Brigade für dieFeldpost einzusetzen." Heute ist die Feldpost, die deutsche Soldaten in den KFOR-, EUFOR- und ISAF-Einsätzen mit Briefen aus und in die Heimat versorgt, zwar Bestandteil der Bundeswehr, wird aber von der Deutschen Post AG organisiert und abgewickelt. Rund 6000 Soldaten sorgen dabei monatlich für ein Postaufkommen von rund 150 Tonnen. Nils Becker: "Das ist ungefähr das Postaufkommen einer Stadt wie Minden." Und noch einen interessanten Vergleich hält der Hauptmann d.R. bereit: "Jeder deutsche Soldat im Einsatz produziert ungefähr das Zehnfache an Post wie ein Normalbürger." Wieso ist der klassische Brief oder die Postkarte auch in Zeiten modernster Kommunikationsmittel wie Handy oder E-Mail immer noch aktuell? "Die Mail wird irgendwann gelöscht, das Handygespräch muss irgendwann beendet werden", so Dieter Seegers-Krückeberg. "Aber den Brief oder die Karte kann man immer wieder in die Hand nehmen und lesen. Darum wird bei den Soldaten im Einsatz die Feldpost sehnlicher erwartet als dringend benötigte Ersatzteile." Und Nils Beckerbringt es auf den Punkt: "Für den Soldaten im Auslandseinsatz ist die Feldpost die wichtigste Verbindung in die Heimat und bildet damit einen enorm wichtigen Faktor für die Moral der Truppe." Maximal drei Werktage benötigt die Feldpost auf dem Straßenweg in die KFOR- und EUFOR-Einsatzgebiete im Kosovo und in Mazedonien. Bis nach Afghanistan ist es auf dem Luftweg höchstens eine Woche. Nils Becker stolz: "Deutsche Soldaten werden beispielsweise von Amerikanern enorm beneidet, dass bei ihnen die Feldpost so effizient läuft." Dabei kostet jeder Brief - egal, ob in den Kosovo oder nach Mazar-e-Sharif - nur den Inlandstarif. Innerhalb eines Einsatzgebietes sind Briefe und Postkarten der Feldpost sogar entgeltfrei. Neben den Soldaten hat aber noch eine zweite Gruppe ein enormes Interesse an der Feldpost: Die Philatelisten. Nils Becker: "Die Feldpost verwendet eigene Stempel - das sind zum Teil für Sammler echte Raritäten."



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