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Neue Windrad-Planung bei Westendorf: Rintelns Ratsfraktionen gespalten / "Nicht Widerstand ad absurdum führen"

"135 Meter? Da kräuseln sich mir die Nackenhaare"

Rinteln (crs). In den Dauerstreit um die Windräder bei Westendorf kommt durch die aufgestockten Pläne des Investors Matthias Lietzau neuer politischer Zündstoff. Aus wirtschaftlichen Gründen schweben dem Projektplaner mittlerweile vier jeweils 135 Meter hohe Windräder an dieser Stelle vor (wir berichteten) - geplant waren vor vier Jahren ursprünglich zwei Windräder mit je 99,5 Metern Gesamthöhe. Während CDU/FDP und WGS Windräder vor der Schaumburg weiter strikt ablehnen, signalisieren SPD und Grüne Zustimmung auch zu einem Vorranggebiet an dieser Stelle.

veröffentlicht am 03.09.2008 um 00:00 Uhr

SPD-Fraktionschef Klaus Wißmann sieht in einem Vorranggebiet bei Westendorf eher Chancen als Nachteile: "Wir müssen der Verspargelung Einhalt gebieten, die Dinger können nicht überall in der Landschaft stehen." Die Fläche bei Westendorf biete sich an für ein Vorranggebiet, sei laut Gutachter am besten dafür geeignet.Ob eine Höhe von 135 Metern akzeptabel sei, darüber müsse noch gesprochen werden, sagt Wißmann: "Wir müssen gucken, wie das aussieht - aber ob 35 Meter mehr wirklich stören?" CDU-Fraktionschef Ulrich Goebel indes erteilt den neuen Plänen des Investors eine klare Absage. "Eine 135-Meter-Mühle im schönen Wesertal vor unserer Schaumburg? Da kräuseln sich mir die Nackenhaare!" Für seine Fraktion sei ein Windrad in dieser Höhe an dieser Stelle schlicht nicht vorstellbar, sagt Goebel: "Es bleibt dabei: Wir wollen das da nicht." Zwar habe die Ausweisung eines Vorranggebietes den Vorteil, "nicht an jeder Hausecke eine Windmühle" stehen zu haben, gleichwohl werde sich die CDU gegen ein Vorranggebiet in Westendorf wehren. Ähnlich argumentiert WGS-Fraktionschef Gert Armin Neuhäuser, der von einem Vorranggebiet in Westendorf überhaupt nichts hält. "Ein solches Gebiet jetzt hier auszuweisen, würde den berechtigten Widerstand der Bürger ad absurdum führen", hält Neuhäuser jede andere Option für besser. Die Alternativen indes sind rar: Durch Weser und Gebirge sei die Stadt Rinteln eingeschränkt, "nennenswerte" Vorranggebiete sehe er nicht, räumt auch Neuhäuser ein. Zumindest prüfen lassen will der WGS-Fraktionschef aber, ob die gesamten Kleinflächen im Stadtgebiet in der Summe geeignet sind, ein angemessenes Vorranggebiet darzustellen. Die Gefahr dabei: "Es darf nicht den Anschein einer Feigenblattplanung haben." In einen globalen Zusammenhang rücken die Rintelner Grünen die Windkraft-Frage. "Wir müssen die Energiefrage lösen - und das heißt auch, sich auf Windräder vor der eigenen Haustür einzulassen", sagt Ursula Helmhold, die sich aus umweltpolitischen Gesichtspunkten von Anfang an für die Windräder bei Westendorf positionierthatte. Auch die Frage, ob überhaupt ein Vorranggebiet ausgewiesen werden sollte, sieht die Grüne entspannter als die übrigen Ratsfraktionen: "Eigentlich bräuchten wir als Grüne gar kein Vorranggebiet, denn wir wollen ja Windräder!" Den Standort Westendorf aber hält sie in jedem Fall für "völlig okay" als Windrad-Vorranggebiet. Aus einem einfachen Grund: "Das ist wohl der beste Standort."

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