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Der Erlebniswelt Renaissance droht die Insolvenz / Landkreis Schaumburg müsste 600 000 Euro zuschießen

1,3 Millionen - EWR-Defizit höher als erwartet

Landkreis (ni/dpa). In der Erlebniswelt Renaissance brennt die Luft: Nur eine weitere Finanzspritze in Höhe von 1,3 Millionen Euro kann das Tourismusprojekt noch retten. Bringen die drei Gesellschafter-Landkreise Hameln-Pyrmont, Schaumburg und Holzminden das Geld nicht umgehend auf, muss die EWR Insolvenz anmelden. Mit dieser Hiobsbotschaft trat der EWR-Aufsichtsratsvorsitzende, der Hamelner LandratRüdiger Butte, gestern Mittag vor die wartende Presse. Auf Schaumburg kämen ungefähr 600 000 Euro zu.

veröffentlicht am 03.11.2006 um 00:00 Uhr

Originell, schön und wertvoll - aber auch teuer ist die Erlebnis

Die Krisensitzung des Aufsichtsrates dauerte noch an, als Butte das Ergebnis des unter Federführung von Hamelns Kreiskämmerer Carsten Vetter vorgenommenen Kassensturzes bei der EWR mitteilte. Danach summiert sich der aktuelle Fehlbedarf auf 1,341 Million Euro. Die dicksten Brocken: Rund 800 000 Euro entfallen auf Zahlungen an den inzwischen insolventen Generalunternehmer m.a.k. "für nicht oder nur teilweise erbrachte Leistungen", so Butte. Aufgelaufene Rechnungen machten 160 000 Euro aus. Ein nicht näher benannter Betrag betrifft ein Darlehen, das eine Brauerei der EWR gewährte und für das jetzt "eventuell Rückforderungen" ins Haus stehen. Trotz des finanziellen Desasters will der Aufsichtsrat an der EWR festhalten. Laut Butte bestehe in dem Gremium Einvernehmen darüber, dass es "für die Region erstrebenswert ist, das Projekt fortzusetzen". Voraussetzung dafür sei allerdings, dass von den drei Landkreisen "innerhalb kürzester Zeit 1,3 Millionen Euro aufgebracht werden". Das letzte Wort habe die Politik. Die im Aufsichtsrat vertretenen Landräte der drei Gesellschafter-Landkreise wollten sich darum bemühen, "die Entscheidungsträger in der Politik dazu zu bringen, sich weiter dem Projekt verpflichtet zu fühlen". Und noch einmal einen Nachschlag zu gewähren. Das von Butte "und dem Aufsichtsrat" favorisierte Finanzierungsmodell: Ein Betrag von einer Million Euro wird von den drei Landkreisen entsprechend ihrer Gesellschaftsanteile (Hameln-Pyrmont 60 Prozent, Schaumburg 25 Prozent, Holzminden 15 Prozent) aufgebracht. Die restlichen 341 000 Euro gehen zu Lasten von Schaumburg. Entgegen der ursprünglichen Absprache habe der Landkreis Schaumburg nämlich bisher nur eine Bürgschaft in Höhe von 400 000 Euro statt von zugesagten 750 000 Euroübernommen. Die noch ausstehenden 350 000 Euro erwarte man jetzt. Aufgeteilt auf die drei Standorte der EWR weist das Zentrum im Hamelner Hochzeitshaus zurzeit ein Defizit von 405 000 Euro aus. In Bevern beläuft sich der Fehlbedarf auf 103 000 Euro, in Bückeburg auf 360 000 Euro. Die für Bückeburg und Bevern - beides noch Baustellen - vorgesehenen Gelder seien nicht etwa in irgendwelchen dunklen Kanälen verschwunden, sondern wurden im Rahmen des Projektes "anderweitig ausgegeben", so Butte. Jede Ausgabe könne korrekt belegt werden. Das Minus in Hameln setzt sich aus fehlenden Einnahmen, offenen Rechnungen und Zahlungen für nicht erbrachte Leistungen zusammen. Geklärt ist inzwischen, warum der Fehlbedarf erst jetzt entdeckt wurde und nicht schon auffiel, als die EWR im Juli dieses Jahres angeblich schonungslosen Kassensturz machte - und dabei einen Fehlbedarf von einer Million Euro ermittelte. EWR-Geschäftsführer Thomas Gersmeier hat laut Butte die Verantwortung dafür übernommen, dass das der damaligen Rechnung zugrunde gelegte Zahlenmaterial "nicht umfassend war". Welche personellen Konsequenzen der Aufsichtsrat daraus ziehen werde, entscheide sich erst nach weiteren Gesprächen am Montag oder bei der für Dienstag angesetzten nächsten Aufsichtsratssitzung. Auchüber notwendige "strukturelle Veränderungen" bei der EWR werde bis Dienstag noch beraten, sagte Butte. Ziel müsse sein, die so genannten "Overheadkosten" (dies können unter anderem Ausgaben für Personal, Verwaltung oder Werbung sein) deutlich zu reduzieren. Bis zur konstituierenden Sitzung desneuen Hamelner Kreistages am 7. November werde er der Politik allerdings kein ausgefeiltes Konzept in dieser heiklen Angelegenheit präsentieren, sondern die Abgeordneten lediglich über den Stand der Dinge informieren können. Er hoffe darauf, dass sich die gewählten Politiker davon überzeugen lassen, der Erlebniswelt noch einmal mit öffentlichen Geldern unter die Arme zu greifen und die drohende Insolvenz abzuwenden. Statt erhoffter 185 000 Besucher kamen in den ersten zwölf Monaten nur 20 000 Gäste. Allein 75 000 wären notwendig gewesen, um die Betriebskosten zu decken. Nun hat die Gesellschaft ihre Ziele bereits deutlich heruntergeschraubt: Laut Butte würden im nächsten Jahr 51000 Besucher reichen - allerdings auch nur, weil das Land für 2007 eine erneute Finanzspritze von 500 000 Euro zugesagt hat.

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