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Diebstahl, Betrug, Drogen / Viereinhalb Jahre für ein umfassendes Geständnis

124 Straftaten: Rintelner Jugendbande mit 32 Zeugen vor dem Landgericht

Rinteln/Bückeburg (ly). Sieben Angeklagte, 124 zum Teil schwere Straftaten wie Einbruch, mindestens sieben Sitzungstage, 32 Zeugen, Tatorte in Rinteln, Minden, Hameln und anderswo: Die Hauptverhandlung gegen eine mutmaßliche Rintelner Jugendbande hat alle Zutaten für einen Mammut-Prozess.

veröffentlicht am 15.02.2008 um 00:00 Uhr

Zwei Angeklagte sind zu Beginn nach einem Rechtsgespräch auf den Vorschlag der 1. Großen Jugendkammer am Bückeburger Landgericht eingegangen. Einen (56 Taten und damit die meisten) erwarten nach dieser Absprache maximal viereinhalb Jahre Jugendhaft, in die eine frühere Verurteilung einbezogen wird. Er sitzt bereits. Der andere (42 Taten) darf mit höchstes zwei Jahren rechnen, ausgesetzt zur Bewährung. Im Gegenzug werden umfassende Geständnisse erwartet, womit ein Mann schon begonnen hat. Eher durchschnittlich und teilweise recht adrett wirken die sieben Burschen auf der Anklagebank, jedenfalls nicht so, wie Klein-Erna sich junge Kriminelle vorstellt. Was ihnen zur Last gelegt wird, lässt jedoch auch andere Schlüsse zu: 124 Einzelfälle in wechselnder Beteiligung. Unter anderem geht es um schweren Diebstahl, Bandendiebstahl und Betrug, reihenweise Vergehen und auch Verbrechen. Besonders im Herbst und Winter 2005 hatten diverse Taten die Polizei in Atem gehalten. Etwa zur der Zeit soll sich aus früheren Einzeltätern eine waschechte Bande gebildet haben. Teils um an Geld für Rauschgift zu kommen, zum Teil um den eigenen Lebensstandard zu finanzieren, sollen die drogensüchtigen Jugendlichen und Heranwachsenden, die heute zwischen 20 und 25 Jahre alt sind, die Taten begangen haben. Zu ihnen gehören Schüler, Auszubildende und Arbeitslose. Angesichts der umfangreichen Anklageschrift bot Richterin Dr. Birgit Brüninghaus Staatsanwalt Dr. Malte Rabe von Kühlewein an, diese im Sitzen zu verlesen, was sonst nichtüblich ist. "In meinem Beruf sitze ich genug", lehnte der Ankläger dankend ab. Erst nach fast einer Stunde war er fertig. Einige Auszüge: Wiederholt sollen Bandenmitglieder zur Geschäftszeit in große Rintelner und Bückeburger Baumärkte gegangen sein und Waren auf dem Freigelände versteckt haben, um nachts über den Zaun zu klettern und die Sachen abzuholen. So fielen ihnen hochwertige Bohrmaschinen in die Hände, Funkgeräte oder teure Werkzeugkoffer, die dann zu Geld für Drogen gemacht wurden. Nicht einmal vor Wandfarbe schreckte die Bande zurück. Immer wieder gern genommen wurde laut Anklage auch Parfüm aus verschiedenen Drogeriemärkten. Aus einem Mindener Geschäft, so heißt es weiter, ließen die Rintelner 20 Harry-Potter-Bände mitgehen, aus einem Bückeburger Tabakwarenladen wertvolle Feuerzeuge für insgesamt fast 500 Euro, aus einem Rintelner Supermarkt ein Notebook für 1000 Euro. Etwas aus dem Rahmen fällt ein anderere Fall aus Rinteln: Nachdem die Jugendgangster die Scheibe eines Geschäftes eingeschlagen hätten, sollen sie Ware für rund 8500 Euro erbeutet haben, darunter Uhren, Designer-Jeans und Taschen. Routiniert sollen die Burschen das Internet genutzt haben, um Diebesgut in Börsen zu verkaufen, was nicht immer klappte. Als recht geschäftstüchtig erwies sich offenbar der Verkäufer: Er soll pro Deal 50 Prozent Provision kassiert haben - mindestens.



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