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Polizei hat Bedenken: Entweder 30-Stundenkilometer-Zone oder verkehrsberuhigter Bereich

10 km/h passen nicht in die Verkehrslandschaft

Rinteln (wm). Der Ortsrat Rinteln hatte in seiner jüngsten Sitzung beschlossen, vom Ostertor über die Brenner- und Mühlenstraße bis zur Brücke soll als "Probelauf" für ein Jahr eine Zehnstundenkilometer-Beschränkung eingeführt werden (wir berichteten). Ein Vorhaben, das offensichtlich nicht unbedenklich ist: "Zehn Stundenkilometer als dauerhafte Geschwindigkeitsbegrenzung in einer Ortschaft?" Andreas Hölzel in der Presseabteilung des ADAC ist ratlos. "Kann ich mir nicht vorstellen." Es gebe entweder 30-Stundenkilometer-Zonen oder einen verkehrsberuhigten Bereich mit Schrittgeschwindigkeit.

veröffentlicht am 20.11.2007 um 00:00 Uhr

So sieht es auch der ADAC-Verkehrsexperte Ronald Winkler, der außerdem bezweifelt, ob eine Beschränkung auf zehn Stundenkilometern in drei Straßenzügen, ohne dass es beispielsweise ein maroder Belag oder Schlaglöcher erforderlich machten, überhaupt rechtlich zulässig ist - das müsse im Einzelfall geprüft werden. Viele Autofahrer hätten bei der praktischen Umsetzung ohnehin ein Problem: 10 km/h werden auf vielen Tachos nicht angezeigt. Rintelns Polizeichef Gerhard Bogorinsky zeigte sich gestern bei einem Telefongespräch ebenso wenig begeistert von dieser Idee, der allerdings erst der Rintelner Stadtrat noch zustimmen müsste: Das Konzept passe nicht in die Verkehrslandschaft und würde Autofahrer nur verunsichern. Bogorinsky: "Wir würden so etwas nicht mitmachen." Machbar seien entweder eine 30-Stundenkilometerzone mit klar definierten Regeln (wie sie besteht) oder ein verkehrsberuhigter Bereich "nach amtlichen Vorgaben" mit Schrittgeschwindigkeit. Schrittgeschwindigkeit könne die Polizei auch ohne großen Aufwand "per Augenschein" kontrollieren. Zehn Stundenkilometer nicht. Auch Erster Stadtrat Jörg Schröder hat Bedenken: Die Maßnahme sei nicht geeignet, das gewünschte Ziel zu erreichen - nämlich eine Entlastung der Anwohner von Lärm und Verkehr. CDU-Fraktionsvorsitzender Dr. Marc Lemmermann sieht das Problem fast philosophisch: Gleichgültig, was der Rat entscheide, Ärger gebe es doch: Bleibe es beim status quo, ärgere es die Anwohner, sperre man den Exter Weg, würden die Ortsteile benachteiligt und auf die Barrikaden gehen: "Theater haben wir so oder so!" SPD-Fraktionschef Klaus Wißmann wollte sich gestern noch nicht festlegen: Das Thema müsse erst noch in der Fraktion besprochen werden. Dass die SPD-Fraktion im Ortsrat dem CDU-Vorschlag zehn Stundenkilometer zugestimmt hat, habe ihnüberrascht und müsse wohl ein Entschluss gewesen sein, "der sich im Verlauf der Sitzung gebildet hat".



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