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Ehrenpreis für erfolgreiche Rollstuhlsportlerin Tanja Schultz

Mit Pfeil und Bogen hat sie die ganze Welt gesehen

veröffentlicht am 11.02.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 15.11.2016 um 16:21 Uhr

Klaus Frye

Autor

Sportreporter zur Autorenseite

Mit Pfeil und Bogen reiste sie schon um die ganze Welt – schließlich zählt Tanja Schultz bereits seit vielen Jahren zu den erfolgreichsten deutschen Bogenschützinnen. Doch das mit einem großen Handicap, denn seit einem Autounfall im Dezember 1988 ist sie querschnittsgelähmt und sitzt im Rollstuhl. Ein Schicksalsschlag, der ihr Leben von heute auf morgen grundlegend veränderte.

In der Reha-Klinik fand Tanja Schultz schnell den Weg zum Bogenschießen. Denn Aufgeben war für sie nach dem Unfall nie ein Thema. Und beim Schießen mit den Pfeilen hatte sie schnell den Bogen raus. Mit ruhiger Hand schoss sich die stets wortgewandte Späteinsteigerin aus Börry bereits 1997 in das Nationalteam der deutschen Behindertensportler. Als sie jetzt davon erfuhr, dass sie im Rahmen der Sportgala der Dewezet und der Sparkasse Weserbergland mit dem Ehrenpreis ausgezeichnet werden soll, fehlten der resoluten Dame aus dem Emmerthaler Ortsteil aber doch die Worte. „Ich bin sprachlos“, musste die gebürtige Hamelnerin zugeben. Das ist die Hundeliebhaberin und Züchterin von Russell-Terriern eigentlich nie, vor allem wenn sie mit der Nationalmannschaft auf Reisen geht. Auch nicht bei ihren zahlreichen Erfolgen auf nationaler und internationaler Ebene.

„Ich habe die ganze Welt gesehen“ hat Achim Reichel einst gesungen. Tanja Schultz hat die Welt erlebt, sportlich und erfolgreich. Die Medaillensammlung der inzwischen 45-jährigen Hausfrau und Mutter einer Tochter ist riesig. Gold, Silber und Bronze bei Deutschen und Europameisterschaften – die farbliche Medaillenpalette ist im Trophäenschrank komplett und in zahlreichen Varianten zu entdecken. Ihren größten Erfolg feierte sie 2007 bei der Weltmeisterschaft in Korea. Mit dem deutschen Team gewann die engagierte Rollstuhlfahrerin, die für die Behindertensportgemeinschaft (BSG) Bad Pyrmont startet, ebenfalls Bronze. Für diese Medaille hat sie einen besonderen Platz gefunden, denn das Team Deutschland mit Tanja Schultz setzte sich gegen Gastgeber Korea durch.

Die Reise rund um den Erdball führte die erfolgreiche Sportlerin aus dem Emmerthaler Ortsteil, die mit Pfeil und Bogen bestimmt genauso gut umgehen kann wie einst Robin Hood im Sherwood Forest, zu zwei weiteren Weltmeisterschaften: 2005 nach Massa Carrara in Italien, 2009 ins tschechische Nymburk. Vor allem zwei Ereignisse bleiben für Tanja Schultz aber unvergessen: die Paralympics 2000 in Sydney und 2008 in Peking. „Das sind einmalige Erlebnisse“, schwärmt sie heute noch.

Die Zeit der großen Auftritte auf der internationalen Bühne des Behindertensports ist nun vorbei. Doch für ihre Sportart ist sie weiter ständig auf Achse. In Bad Pyrmont entgeht ihr im Winter wie im Sommer kaum eine Trainingseinheit. Vor allem, um den Nachwuchs die Geheimnisse des Bogenschießens zu vermitteln. Wer könnte das den Jungen und Mädchen besser beibringen als eine zweifache Paralympics-Teilnehmerin? Dazu ist ihre Meinung und ihr absolutes Fachwissen als Landesfachwartin im Behinderten-Sportverband Niedersachsen gefragt. Ein Leben ohne Sport ist für Tanja Schultz undenkbar. Wie sagte sie in einem Interview: „Vom Rumsitzen und Kaffeetrinken kommt nichts...“

Sie ist eine ganz Große:

Tanja Schultz, erfolgreiche Bogenschützin aus Börry, wird bei der 9. Sport-Gala mit dem Ehrenpreis ausgezeichnet.

Foto: haje

Da Tanja Schultz an dem Gala-Abend verhindert ist, nimmt ihre Tochter Marita die Auszeichnung entgegen und beantwortet die Fragen von Moderator Peter Michael Zernechel.



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