Bildung, Sport und „unsere Rechte“

Kimia Yousofi: Die Botschaft der afghanischen Läuferin

Kimia Yousofi und Sharon Stone sprechen auf der Bühne während der Olympischen Gala der Champions in Paris.

Als diesen Samstagabend in Paris die acht schnellsten Frauen der Welt im Olympiafinale über 100 Meter antraten, konnte Kimia Yousofi nur zuschauen. Die afghanische Läuferin, die in Australien lebt und trainiert, war am Freitag mit ihrer Zeit weit abgeschlagen. Mit 13,41 Sekunden lief sie in ihrem Vorrennen als Letzte über die Ziellinie. Die Goldmedaille holte im Finale dagegen Julien Alfred aus St. Lucia, die für die 100 Meter nur 10,72 Sekunden brauchte und damit die bisher erste Olympiamedaille für ihre Nation holte.

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Doch Yousofi wurde trotzdem zur Gewinnerin, denn der 28-Jährigen gelang es, während ihres Auftritts auf der Weltbühne ein Schild in die Kameras zu halten, auf dem auf Englisch stand „Bildung“, „Sport“ und „unsere Rechte“. Die Worte sollten ein Plädoyer für die Frauen in ihrem Heimatland Afghanistan sein, die seit der Machtübernahme der Taliban 2021 ihre zuvor hart erarbeiteten Rechte und Chancen wieder verloren haben.

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Läuferin verlässt Afghanistan wegen der Taliban

Die islamistischen Kämpfer hatten die Führung des Landes nach Abzug der Amerikaner damals ohne großen Widerstand übernommen. Seitdem haben Untersuchungen von Human Rights Watch ergeben, dass die Taliban die Bewegungs-, Meinungs- und Versammlungsfreiheit von Mädchen und Frauen stark einschränken. Sie würden praktisch jede Art von Erwerbstätigkeit verbieten, wie auch den Besuch von weiterführenden Schulen und Hochschulen, wie es bei der Menschenrechtsorganisation heißt. Zudem würden sie willkürliche Verhaftungen und Verletzungen des Rechts auf Freiheit erlauben.

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All dies hing wie ein Damoklesschwert auch über Yousofi. 2021 – kurz nach ihrer Teilnahme an den Olympischen Spielen in Tokio – verließ die Läuferin wie so viele andere Sportlerinnen Afghanistan deswegen. Australien öffnete damals die Türen für etliche Sportlerinnen: Das Australische Olympische Komitee und das Internationale Olympische Komitee arbeiteten mit einer Reihe von Organisationen und Regierungen zusammen, um Sportlern nach der Machtübernahme der Taliban zu helfen.

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Vertreterin gestohlener Träume

Inzwischen lebt die junge Afghanin – nach einem Aufenthalt im Iran – seit zwei Jahren in Australien, doch ihr Herz hängt nach wie vor an ihrer Heimat und den dortigen Menschen. Bei ihrer Auswahl sagte sie deswegen, es sei „eine Ehre, die Mädchen meines Heimatlandes erneut zu vertreten“. Schon damals sprach sie an, wie diesen Mädchen und Frauen inzwischen wieder die grundlegendsten Rechte vorenthalten würden, einschließlich der Bildung, die das Wichtigste sei. „Ich vertrete die gestohlenen Träume und Sehnsüchte dieser Frauen“, sagte Yousefi. Auch Matt Carroll, Vorstandsvorsitzender des Australischen Olympischen Komitees, betonte, dass Yousofis Geschichte eine Inspiration für Frauen und Mädchen in Afghanistan und überall auf der Welt sei, „denen grundlegende Rechte verweigert werden, einschließlich des Rechts auf freie Sportausübung“. Die Pariser Spiele sind inzwischen Yousofis dritte Olympische Spiele.

Insgesamt sind in diesem Jahr drei weibliche und drei männliche afghanische Athleten zu den Spielen nach Paris gereist. Das afghanische Olympische Komitee ist außerhalb des Landes tätig, ein Taliban-Funktionär wurde in Paris nicht zugelassen. Das Internationale Olympische Komitee gab dazu bekannt, dass es hoffe, dass die gleichberechtigte Geschlechteraufteilung im Team die Menschen in Afghanistan und auf der ganzen Welt inspirieren werde.

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Keine Ausbildungsmöglichkeiten in der Heimat

Yousofi ist aber nicht die einzige inspirierende Läuferin der Spiele. Auch die Goldmedaillengewinnerin Julien Alfred hatte es nicht immer leicht. „Als ich aufwuchs, kämpfte ich ohne Schuhe auf dem Feld“, berichtete sie einem Reporter der britischen Zeitung „The Guardian“. Oft sei sie in ihrer Schuluniform gelaufen. „Wir haben kaum die richtigen Einrichtungen. Das Stadion ist nicht repariert.“ Sie hoffe nun, dass ihre Goldmedaille St. Lucia beim Bau eines neuen Stadions helfen werde.

Auch die 18-jährige Athletin Filomenaleonisa Iakopo aus Amerikanisch-Samoa, eine kleine Ansammlung vulkanischer Inseln und Atolle im Südpazifik, die im zweiten Durchgang einen Landesrekord von 12,78 Sekunden aufstellte, berichtete Reportern, dass es in ihrem Land keine Laufstrecke und keine Ausbildungsmöglichkeiten gebe. Sie trainiere im Sand, auf Gras oder Beton.

Nicht ganz einfach hatte es auch Sharon Firisua von den Salomonen, einer weiteren kleinen Inselgruppe im Pazifik. Sie lief in Paris ihr erstes 100-Meter-Rennen überhaupt, nachdem sie sonst eher Marathon trainiert. Sie schaffte es immerhin in 14,31 Sekunden ins Ziel.