Raum oder Mittelstädt? Kopf-an-Kopf-Rennen um Linksverteidiger-Position
Bei der Heim-Europameisterschaft war Maximilian Mittelstädt die erste Wahl für Julian Nagelsmann. Der Bundestrainer hatte den Profi vom VfB Stuttgart erst im März erstmals nominiert, doch schon da lobte er den Linksverteidiger über die Maßen. „Statistisch gesehen“, so Nagelsmann seinerzeit, wäre der 27-Jährige zu jenem Zeitpunkt „der mit Abstand beste Linksverteidiger in der Bundesliga und einer der Top-4-Linksverteidiger der Welt“ gewesen. Das Debüt hatte dann Licht und Schatten: Er führte sich im Test gegen die Niederlande (2:1) erst mit einem Patzer ein, reagierte dann aber wenig später per Traumtor aus der Ferne (inklusive danach folgender erstmaliger Torhymne „Völlig losgelöst“). Seine Rolle festigte sich. In den EM-Gruppenspielen gegen Schottland (5:1) und Ungarn (2:0) stand Mittelstädt über 90 Minuten auf dem Platz, bereitete gegen Ungarn Ilkay Gündogans Tor zum Endstand auf.
Raum glänzte bei der EM als Einwechselspieler
Gegen die Schweiz zum Abschluss der Vorrunde war allerdings nach einer Stunde schon Schluss für den Stuttgarter – und David Raum kam in die Partie. Der Leipziger Profi wiederum sorgte in der Nachspielzeit per Flanke für den umjubelten Ausgleich zum 1:1 der DFB-Elf gegen die Eidgenossen. So stand Raum im Achtelfinale gegen Dänemark (2:0) in der Startelf, Mittelstädt sah komplett zu. Jobsharing gab es dann wieder im Viertelfinal-Duell mit Spanien (1:2 nach Verlängerung), als Raum begann und Mittelstädt nach 73 Minuten eingewechselt wurde. Letztlich sammelte Mittelstädt insgesamt 304 Einsatzminuten, der Rivale auf er Position links in der Viererkette kam auf 166.
Nun, vor dem Start in die Nations League am Samstag (20.45 Uhr/ZDF) in Düsseldorf gegen Ungarn, hatte Bundestrainer Nagelsmann fast alle Startelf-Fragen geklärt, nachdem drei Stammkräfte in den vergangenen Wochen ihre Abschiede erklärt haben. Marc-André ter Stegen hütet statt Manuel Neuer das Tor, Joshua Kimmich – der neue Kapitän – spielt weiter hinten rechts. Pascal Groß übernimmt die Position von Toni Kroos im zentralen Mittelfeld und Niclas Füllkrug rückt für Ex-Spielführer Ilkay Gündogan ins Team, wodurch Kai Havertz „etwas weiter nach hinten“ (Nagelsmann) rückt.
Nagelsmann hat die Qual der Wahl
Die am meisten umkämpfte Lage von zwei noch unklaren Plätzen in der ersten Elf herrscht nun definitiv zwischen Raum und Mittelstädt. Unklar ist zwar auch noch, wer den in dieser Länderspielphase geschonten Antonio Rüdiger in der Innenverteidigung neben Jonathan Tah ersetzt. Doch weil Nico Schlotterbeck bei der EM im Achtelfinale gegen Dänemark den gesperrten Tah ersetzt hatte, dürfte der Dortmunder die Nase vor seinem neuen BVB-Kollegen Waldemar Anton vorne haben. Schlotterbeck bringt deutlich mehr Erfahrung mit als Anton. Klar ist zudem: Kehrt Rüdiger zurück, ist der neue Vize-Kapitän gesetzt.
Wie indes entscheidet sich Nagelsmann bei den beiden Linksverteidigern, die beide ihre Stärken mitbringen? Beim Heimturnier verdienten sich die Konkurrenten im EM-Zeugnis jeweils die RND-Note 3. Während Mittelstädt mit dem VfB einen Umbruch erlebt hat, lief der Saisonstart für Raum in Leipzig etwas ruhiger. Beide starten diese Saison in der Champions League. Die Länderspiel-Erfahrung spricht für den RB-Profi, der auf dreimal so viele Einsätze für das DFB-Team (24) kommt wie Mittelstädt. Offensivdrang haben beide, da gilt der Stuttgarter als etwas sicherer. Letztlich hat Nagelsmann die Qual der Wahl.
Dass sich beide unabhängig davon, wer startet, gut verstehen, machte Raum schon während der EM deutlich: „Für einen Trainer ist es perfekt, wenn er rotieren kann und die Qualität gleich bleibt. Ich habe Maxi gepusht, und er pusht mich. Das machen wir auch im Training.“