Indischer Ozean

Die vergessenen Sklaven: Die Geschichte der Tropeninsel Tromelin

Die Insel Tromelin gehört zu Frankreich und hat eine traurige Vergangenheit.

In Comics werden einsame Inseln oft als Sandhaufen mit einer Palme mitten im Meer dargestellt. Diese Darstellung trifft ziemlich genau auf die Insel Tromelin im Pazifik zu. Das Eiland, etwa 450 Kilometer von Madagaskar entfernt, ist nämlich nicht viel mehr als ein großer Haufen Sand.

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Die Einwohnerzahl wird mit drei angegeben, dabei handelt es sich allerdings um Mitarbeitende einer Wetterstation. Tromelin ist gerade einmal 1,7 Kilometer lang und misst an der breitesten Stelle 700 Meter. Die Insel ist sehr sandig und es gibt nur vereinzelt ein paar flache Büsche und Bäume. Rund um die Forschungsstation wachsen inzwischen auch ein paar Palmen.

Tromelin ist so ziemlich die perfekte Version einer einsamen Insel.

Tromelin gehört zu den „verstreuten Inseln im Indischen Ozean“

Die Wetterstation wurde gebaut, um Zyklone zu erforschen, inzwischen läuft dort aber nahezu alles automatisiert, weshalb nur noch drei Zivilangestellte der Terres australes et antarctiques françaises, der Französischen Süd- und Antarktisgebiete, arbeiten und alle zwei Monate abgelöst werden.

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Tromelin gehört nämlich zu den Îles Éparses de l’océan Indien, was übersetzt „verstreute Inseln im Indischen Ozean“ bedeutet. Sie befinden sich im Besitz von Frankreich und sind allesamt unbewohnt, mit Ausnahme von Militärpersonal und Wissenschaftlerinnen sowie Wissenschaftlern. Es gab jedoch mal eine Zeit, in der deutlich mehr Menschen auf Tromelin gelebt haben, die Umstände sind tragisch.

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Schiffbruch mit 160 Sklaven an Bord

In der Nacht des 31. Juli 1761 schipperte das Schiff „L’Utile“ unter dem Kommando von Kapitän Jean de Lafargue in den Gewässern um Tromelin umher. An Bord befanden sich unter anderem 160 Sklaven, die zuvor auf Madagaskar gekauft worden waren und zur Île de France, dem heutigen Mauritius, gebracht werden sollten. Die Schiffskarten waren damals anscheinend noch zu ungenau und der Kapitän übersah das Riff, an dem „L’Utile“ schließlich zerschellte.

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Viele Sklaven, die in den Laderäumen eingeschlossen waren, ertranken, doch einige konnten sich an Land retten. Insgesamt strandeten 123 Mitglieder der Besatzung sowie rund 80 Sklaven auf Tromelin, das damals noch Île des Sables hieß, schreibt das Magazin „Archaeological Institute of America“ in einer Veröffentlichung. Einige Lebensmittel, Werkzeuge und Holz konnten noch aus dem Wrack gerettet werden und es wurden zwei Lager errichtet – eines für die Besatzung und eines für die Sklaven.

Sklaven wurden zurückgelassen

Außerdem begannen die Arbeiten an einem Boot, das nach zwei Monaten fertig war. Während der Erste Offizier Barthélémy Castellan du Vernet samt seiner Mannschaft das Boot bestieg, versprach er den Sklaven, man würde mit einem Schiff zurückkehren. Während all das in den Aufzeichnungen der Besatzung zu lesen ist, gibt es von den Sklaven, die zurückgelassen wurden, keine schriftlichen Belege.

Doch der ehemalige französische Marineoffizier Max Guérout wollte wissen, was mit ihnen passiert war, und gründete nach seiner Pensionierung Anfang der Achtziger die Naval Archaeology Research Group. 2004 begann er mit Unterstützung der Unesco, die Geschichte der Sklaven von Tromelin zu erforschen. Die Naval Archaeology Research Group untersuchte Wrackteile und führte Ausgrabungen durch.

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Übrigens: Ein Verantwortlicher der Mannschaft, die damals ohne die Sklaven Tromelin verließ, versuchte vergeblich, ein Schiff zurück zur Insel zu schicken. Da es damals verboten war, Sklaven nach Madagaskar zu bringen, wurde das Vorhaben nicht genehmigt. Erst vier Jahre später wurde schließlich doch ein Boot nach Tromelin geschickt, das jedoch ebenfalls am Riff scheiterte. Auch zwei weitere Versuche blieben erfolglos.

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Überlebende wurden nach 15 Jahren gerettet

Nach seinen Forschungen geht Guérout inzwischen davon aus, dass die meisten zurückgelassenen Sklaven nach wenigen Jahren starben. Außerdem sollen rund 18 Sklaven die Insel kurz nach der Zurücklassung verlassen haben; ob sie Madagaskar je erreichten, bleibt unklar. Nur etwa rund 15 Sklaven sollen die ersten zehn Jahre überlebt haben – wohlgemerkt auf einer Insel, die faktisch nur aus Sand und Büschen bestand. Sie sollen sich von Seevögeln, Fischen, Einsiedlerkrebsen und Schildkröten ernährt haben.

Nach 15 Jahren erreichte schließlich Kapitän Chevalier de Tromelin mit seinem Schiff „La Dauphine“ die Insel, die später nach ihm benannt wurde. Er fand sieben Frauen und ein acht Monate altes Baby vor, es kann sich also nicht nur um männliche Sklaven gehandelt haben. Er rettete die Überlebenden, und das Baby samt Mutter kam unter die Obhut des Gouverneurs von Mauritius.

Es werden keine Reisen nach Tromelin angeboten, manchmal können Passagierinnen und Passagiere von Kreuzfahrtschiffen aus einen Blick auf das sandige Eiland im Indischen Ozean werfen.

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