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Im Atomkraftwerk Grohnde wird noch viele Jahre radioaktiver Müll verbleiben

Zwischenlager ohne Ende?

Grohnde. Auch wenn das Atomkraftwerk Grohnde wie vom Gesetzgeber vorgesehen Ende 2021 endgültig abgeschaltet werden wird, wird im Zwischenlager weiter radioaktiver Müll gelagert – und das über viele Jahre hinaus. Bis zu 100 Castor-Behälter mit zusammen maximal 1000 Tonnen Atommüll dürfen dort gelagert werden.

veröffentlicht am 03.04.2016 um 21:21 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 14:27 Uhr

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Joachim Zieseniß

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Joachim Zieseniß Reporter Bodenwerder zur Autorenseite
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Gemäß der Novelle des Atomgesetzes soll das Atomkraftwerk Grohnde spätestens zum 31. Dezember 2021 abgeschaltet werden. Was aber nicht heißt, dass damit dort kein radioaktives Material als weiterer Risikofaktor verbleibt. Denn das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) hatte am 20. Dezember 2002 am AKW Grohnde ein Standort-Zwischenlager genehmigt. Gemäß der erteilten Genehmigung dürfen in der Lagerhalle auf dem AKW-Gelände bis zu 100 Castor-Behälter mit zusammen maximal 1000 Tonnen Atommüll lagern. Und: Trotz Atomgesetz-Novelle sind die Zwischenlager-Standorte vom BfS für den Betrieb von 40 Jahren genehmigt worden; bis dahin wird von der Existenz eines Endlagers ausgegangen. Doch selbst wenn ein Standort für ein Endlager feststünde, würde es noch rund 30 Jahre dauern, bis es in Betrieb ginge.

Dazu hatte die heimische Grünen-Politikerin Anja Piel bereits früher geäußert: „Keinesfalls darf aber die Genehmigung für die Lagerung des verstrahlten Atommülls in den Zwischenlagern auf unbestimmte Zeit verlängert werden. Hier brauchen wir Fristen, damit der Druck bei der Suche nach einem geeigneten Endlager erhalten bleibt.“ Eine konkrete Fristensetzung sieht die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Landtag angesichts der aktuellen Feststellung der Endlagerkommission derzeit aber als illusorisch an. Die Kommission hat nämlich bereits verlauten lassen, dass „im Zusammenhang mit der Zeitprognose bis zur Genehmigung eines Endlagers auch Diskussionsbedarf für die sich verlängernden Zeiträume der Zwischenlagerung“ besteht, so konstatiert die heimische Landtagsabgeordnete.

Die Asketa als Interessenvertretung der betroffenen Städte und Gemeinden hat deshalb auch schon ein zentrales Zwischenlager zu einem frühestmöglichen Zeitpunkt gefordert. Grundsätzlich aber gelte, so Piel, dass selbst mit der Festlegung eines Endlagerstandorts für hoch radioaktiven Atommüll, der ja bislang für 2031 ins Auge gefasst ist, dann noch längst nicht mit der Endlagerung allen verstrahlten Mülls begonnen werden könne.

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  • Bis zu 100 Castor-Behälter dürfen in Grohnde gelagert werden.

„Der Bau des Zwischenlagers und auch die Einlagerungsphase der über 1600 Castoren beziehungsweise der Pollux-Behälter bundesweit werden mehrere Jahrzehnte dauern“, so die grüne Landtagsabgeordnete. Außerdem müsse der Atommüll aus der letzten Betriebsphase der Atomkraftwerke vor der Einlagerung noch am längsten auf 80 bis 200 Grad „abkühlen“. Anja Piel fordert deshalb, dass, was für die Sicherheit der Zwischenlager jetzt schon gelte, bei längeren Nutzungszeiträumen natürlich erst recht oberste Priorität haben müsse: „Die Zwischenlager müssen sicher sein. Darum halte ich es für erforderlich, dass diese Sicherheit regelmäßig überprüft wird. Das gilt selbstverständlich auch für die Einlagerung von schwach- und mittelradioaktivem Atommüll.“

Deutschland trage nicht nur eine nationale Verantwortung für die Lagerung des Atommülls, sondern habe auch eine Vorbildfunktion, rund um den vereinbarten Atomausstieg den Rückbau der Atomkraftwerke und die Lagerung des verstrahlten Mülls bestmöglich zu organisieren.

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