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Schadstoffe aus PET-Flaschen

Zwei Rintelner belegen Platz zwei bei „Jugend forscht“ in Hannover

RINTELN/HANNOVER. Eigentlich sollte es nur ein kleines Schulprojekt sein – doch daraus wurde Platz zwei im Regionalwettbewerb von „Jugend forscht“ für Nele Baake und Manuel Schäffer. Die beiden Schüler des Gymnasiums Ernestinum forschen zu Schadstoffen aus PET-Flaschen.

veröffentlicht am 24.05.2018 um 07:30 Uhr
aktualisiert am 24.05.2018 um 11:23 Uhr

Manuel Schäffer und Nele Baake haben den zweiten Platz beim „Jugend forscht“-Regionalwettbewerb belegt. Sie haben nachgewiesen, welchen Effekt Wasser aus PET-Flaschen haben kann. Foto: mld
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Marieluise Denecke Redakteurin / Online zur Autorenseite

„Wir dachten, das wäre ein kleines Projekt“, erzählt Nele Baake in der Bibliothek ihrer Schule, dem Gymnasium Ernestinum. Sie lacht. Die Begeisterung für ihr Projekt ist den beiden 17-Jährigen anzumerken. Alles begann mit einer kleinen Aufgabe im Biologie-Anwenderkurs, geleitet von Lehrer Christoph Ochs. Die Schülerinnen und Schüler sollten sich ein Experiment ausdenken und darüber Protokoll führen.

Manuel Schäffer und Nele Baake wollten etwas zu Mineralwasser aus Plastikflaschen machen. Gehört hat man das ja schon: dass der thermoplastische Kunststoff Polyethylenterephthalat, kurz PET, aus dem viele Getränkeflaschen bestehen, noch nicht so gut erforscht ist. Was jeder merkt: Wenn eine PET-Flasche in der Sonne stehen bleibt, dann riecht und schmeckt das Wasser darin komisch. „Auf den Flaschen steht meist: ‚Vor Sonne schützen‘ und ‚An einem kühlen Ort lagern‘“, sagt Nele Baake. „Wir wollten herausfinden, was passiert, wenn wir die Flaschen der Sonne aussetzen“, erläutert Manuel Schäffer. Also dachten sie sich ein Experiment aus.

Sie pflanzten Kressesamen in unterschiedliche Töpfe und gossen je einen Topf mit Wasser aus PET-Flaschen, die kühl gelagert wurden, Wasser aus Flaschen, die in der Sonne standen, sowie aus Glasflaschen, die ebenfalls je einmal warm und einmal kühl gelagert wurden. Dieses Experiment wiederholten die beiden Elftklässler dreimal unter gleichen Bedingungen sowie mit unterschiedlichen Kohlensäuregehalten.

„Wir haben immer ähnliche Ergebnisse herausbekommen“, berichtet Baake. Und zwar: Die Kresse, die mit Wasser aus der warm gelagerten PET-Flasche gegossen wurde, war instabil und wuchs deutlich langsamer als die andere Kresse. Ihre Ergebnisse hielten sie in einer umfangreichen Forschungsarbeit fest mit dem Titel „Kressekiller – Schadstoffe von PET“.

Es war ihr Lehrer Ochs, der sie auf die Idee brachte, mit dem Projekt bei „Jugend forscht“ mitzumachen. „Wir haben uns aber keine Hoffnungen gemacht“, erzählt Baake. Die Konkurrenz war groß: 110 junge Forscher haben 66 Projekt aus sieben Fachgebieten beim Regionalwettbewerb im Februar in Hannover vorgestellt. Pro Fachgebiet gibt es Platz eins bis drei.

Die Überraschung: Manuel Schäffer und Nele Baake belegten den zweiten Platz im Bereich Biologie und erhielten von der Jury zusätzlich eine Sonderauszeichnung für eine besonders gute Platzierung, die beinahe den ersten Platz bedeutet hätte. Wer den ersten Platz belegt, darf weiter zum Landeswettbewerb. Dafür hat es bei den beiden Ernestinum-Schülern knapp nicht gereicht – aber sie sind weiter gekommen, als sie es sich anfangs überhaupt ausgemalt hatten.

Stolz auf ihre anschaulichen Forschungsergebnisse sind die beiden Gymnasiasten. „Natürlich heißt das nicht, dass man kein Wasser aus PET-Flaschen mehr trinken sollte“, sagt Schäffer. Doch man sollte darauf achten, wie die Flaschen vorher gelagert wurden – und zu Hause nach Möglichkeit doch Glasflaschen vorziehen. Beide hätten darüber gestaunt, dass PET über 2000 Stoffe beinhaltet, die teilweise hormonähnlich sind und daher für Säuglinge und Kleinkinder schädlich sein können. Nicht ohne Grund steht auf Trinkflaschen für Kinder oft der Vermerk „ohne BPA“, was die umstrittene Chemikalie Bisphenol A meint.

„Wir wurden ermutigt, weiterzuforschen und im nächsten Jahr wieder anzutreten“, erzählt Schäffer. Ob die beiden jungen Forscher dies beherzigen, wissen sie noch nicht: Im nächsten Jahr steht erst einmal das Abitur an.

Information

Im Gespräch mit unserer Zeitung betonen Manuel Schäffer und Nele Baake, warum sie das Thema ihrer Forschung wichtig finden. Dies findet sich auch in ihrer Forschungsarbeit wieder. Zur Herstellung von PET werden jährlich in Europa 40 Millionen Tonnen Rohöl verwendet. Etwa 2000 Inhaltsstoffe seien im Plastik einer Wasserflasche enthalten. Jeder Hersteller besitzt eigene Rezepturen, die er nicht offenlegen müsse. Einige Experten sind der Ansicht, dass von PET-Flaschen keinerlei Schadstoffe an das Wasser abgegeben werde. BPA beispielsweise ist eine synthetische Substanz, welche die Wirkung des Hormons Östrogen nachahmen kann. Es ist in zahlreichen Alltagsprodukten zu finden. Bei der Herstellung von PET entsteht zudem der Stoff Acetaldehyd, der bei PET-Flaschen in kleinsten Mengen zu Veränderung in Geschmack und Geruch des Wassers führt.

Bereits nachgewiesen sei, dass sich die Zeit der Lagerung auf den Schadstoffgehalt in einer PET-Flasche auswirkt: Je länger sich die Flüssigkeit in der Flasche befindet, desto mehr Schadstoffe werden von der Verpackung abgegeben.



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