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Bürgermeister wollen Klarheit

Zurück zur Zweigleisigkeit zwischen Hameln und Elze?

HAMELN-PYRMONT. Spielen Bund und Land mit verdeckten Karten? Befürchten die Verantwortlichen in den Verkehrsministerien, mit dem Wort „Zweigleisigkeit“ neue Proteste der Anrainer an der Bahnstrecke zwischen Hameln und Elze auszulösen? Von dem versprochenen transparenten Vorgehen ist seit einem Jahr nichts zu spüren.

veröffentlicht am 21.01.2018 um 19:08 Uhr

Bei Voldagsen wird die neue Bundesstraße 1 die Eisenbahnstrecke kreuzen. Foto: Dana
Marc Fisser

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Marc Fisser Reporter / Newsdesk zur Autorenseite
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„Es geht nur darum, schnell einen Fahrdraht zwischen Elze und Hameln zu ziehen, später kann es eventuell einen Ausbau im kleineren Stil geben“, sagt Enak Ferlemann (CDU), Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium. Er denke dabei an Ausweichstellen, aber nicht an die Wiederherstellung der Zweigleisigkeit. Derweil wird im gleichen Hause der Bau der Ortsumgehung von Coppenbrügge und Marienau organisiert – die Planung sieht eine Brücke mit breitem Durchlass für die Bahnstrecke bei Voldagsen vor. Uta Weiner-Kohl von der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Hameln sagt auf Anfrage der Dewezet: „Es ist bei der Aufstellung des Bauwerkentwurfes berücksichtigt worden, dass die Bahnstrecke nachträglich elektrifiziert und zweigleisig befahren werden kann.“

Schon während des Genehmigungsverfahrens war für die Brücke eine lichte Weite von mindestens 13 Metern festgelegt worden, der Entwurf sieht nun sogar 15,1 Meter vor. Der Bund hält sich den Weg also offen. Die Straßenplaner folgen Vorgaben, die sich auch aus dem Bundesverkehrswegeplan ergeben. In dem vom Bundestag bestätigten Katalog wünschenswerter Verkehrsprojekte ist nicht nur die Elektrifizierung der Eisenbahn zwischen Hameln und Elze enthalten, sondern auch ihre Doppelgleisigkeit. Führt das nun zu einer Doppelzüngigkeit bei Bund und Land, weil sie befürchten, dass längs der Trasse das Gespenst von zusätzlichen Ferngüterzügen, die durch das Weserbergland rollen könnten, wieder erwacht? Der Bürgermeister Coppenbrügges, Hans-Ulrich Peschka (CDU), betont: „Die Zweigleisigkeit ist für mich und sicherlich dem Großteil der Bürgerschaft weiterhin tabu.“ Die eingleisige Elektrifizierung hingegen werde von ihm unterstützt, „weil sie wirtschaftlich wie ökologisch sinnvoll ist“. Auch sein Kollege aus Salzhemmendorf, Clemens Pommerening (parteilos), hält den Fahrdraht für gut, weil dadurch der Personenverkehr auf der Strecke verbessert werde. Er appelliert, die Zweigleisigkeit nicht von oben herab anzuordnen, sondern mit den Betroffenen darüber zu reden. „Es geht auch um die grundsätzliche Frage, wie Kommunen in solchen Fällen beteiligt werden.“

60 Kilometer weiter östlich – zwischen Braunschweig und Wolfsburg – hatte sich der damalige Landesverkehrsminister Olaf Lies (SPD) für den zweigleisigen Ausbau der Weddeler Schleife starkgemacht. Ungewöhnlicherweise beteiligen sich das Land und der Regionalverband Großraum Braunschweig sogar mit Geld, weil sie einen Halbstundentakt der Nahverkehrszüge anstreben. Der Abschnitt Elze–Hameln wird vom Bund, der für den Güter- und den Personenfernverkehr zuständig ist, als logische Verlängerung dieses Bahnprojektes gesehen. Das Verkehrsministerium in Berlin erklärt nach längerem Nachbohren: „Das Projekt Ausbaustrecke Lehrte/ Hameln–Braunschweig–Magdeburg–Roßlau wird ganzheitlich auf seine Wirtschaftlichkeit untersucht. Die Elektrifizierung der Strecke Hameln– Elze wird als Bestandteil dieses Korridors bewertet. Hauptzweck der Elektrifizierung Hameln–Elze ist es, eine Umfahrungsmöglichkeit für den Knoten Hannover zu schaffen.“ Mit der Fertigstellung der Weddeler Schleife wird 2023 gerechnet. Die Kosten belaufen sich auf rund 150 Millionen Euro.

Der Durchlass ist in den Planungen auf zwei Gleise ausgelegt.
  • Der Durchlass ist in den Planungen auf zwei Gleise ausgelegt.
H.-U. Peschka Foto:
  • H.-U. Peschka Foto:
C. Pommerening Foto
  • C. Pommerening Foto

88 Jahre war die Bahnstrecke am Fuße des Iths zweigleisig und eine wichtige Verbindung. Dort rollten sogar die ersten D-Züge Deutschlands. Ausgerechnet im Jahr der deutschen Wiedervereinigung, als die neue Bedeutung west-östlicher Verkehrsachsen bereits deutlich geworden war, wurde einer der beiden Schienenstränge demontiert – trotz Protestes aus Hameln-Pyrmont. Die Strecke fristet seitdem ein Dasein mit Personennahverkehr der untersten Kategorie. Peschka malt sich aus, dass die Coppenbrügger eines Tages – nach der Elektrifizierung – in Marienau und am Krankenhaus Lindenbrunn in die S-Bahn nach Hannover steigen könnten. Und Pommerening würde gerne abwägen können, ob die Vorteile des Ausbaus größer sind als eventuelle Nachteile durch Güterverkehr. „Irgendjemand sollte jetzt mal sagen, was man vorhat“, sagt er.

Im Verkehrsministerium in Hannover, das nun von Bernd Althusmann (CDU) gelenkt wird, sitzen die Strategen für Niedersachsens Schienenpersonennahverkehr (SPNV). Würde die Wiederherstellung des zweiten Gleises nach Hameln aus Sicht des Landes wie die Weddeler Schleife erhebliche Vorteile für den SPNV haben? Geht es dem Land im Falle Hameln–Elze vorrangig um den SPNV – oder aber um die Entlastung des Bahnknoten Hannover von Güterzügen? Wie steht das Land zur Möglichkeit, den Regionalexpress Enno von Wolfsburg über Hildesheim nach Hameln und gegebenenfalls nach Paderborn zu verlängern – mit Anschluss an den topmodernen Rhein-Ruhr-Express? Und inwiefern wird Niedersachsen hier tätig? Die Antworten auf diese Fragen, die die Dewezet ans Ministerium gerichtet hat, stehen aus.

„Es wird viel über die Mobilität im ländlichen Raum gesprochen, doch oftmals sind dies aus meiner Sicht nur Lippenbekenntnisse“, sagt Peschka. „Gerade junge Leute brauchen diese Mobilität, um zügig zu ihren Arbeitsplätzen zu gelangen, wenn wir es schon nicht schaffen, Arbeitsplätze verstärkt im ländlichen Raum zu bekommen.“ Es sei unverständlich, dass von Ministeriumsseite nicht mit offenen Karten gespielt werde.

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