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Fachleute tauschen sich bei „2. Regionaler Gesundheitskonferenz“ aus

Zu selten behandelt: die Volkskrankheit Depression

Schaffen es die im Gesundheitssektor tätigen Akteure, im Weserbergland ein „Bündnis gegen Depression“ zu installieren? Ein erster Schritt könnte die 2. Regionale Gesundheitskonferenz in Hameln gewesen sein. Denn Statistiken und Erfahrungen Betroffener zeigen: Die Behandlung läuft noch längst nicht optimal. (jl)

veröffentlicht am 14.04.2016 um 18:53 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 14:27 Uhr

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Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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Hameln-Pyrmont. Sind Sie seit Wochen nur noch down, kaputt und mutlos? Können schlecht schlafen und sich kaum konzentrieren? Dann ist nicht auszuschließen, dass Sie an einer Depression leiden. Bis zu 20 Prozent aller Deutschen erkranken mindestens einmal im Leben daran. Tendenz steigend. Als Ursachen gelten heute – wie im Grunde schon zu Hypokrates’ Zeiten – sowohl innere als auch äußere Faktoren. Allerdings scheint es, als fühlten sich immer mehr Menschen den immer komplexeren Anforderungen des immer schneller rotierenden Hamsterrads namens Lebens nicht mehr gewachsen.

Von allein schaffen es die Betroffenen aber nur selten aus dem tiefen schwarzen Loch. Hilfsangebote anzunehmen oder sich gar aufzuraffen und Hilfe zu suchen, fällt vielen extrem schwer. Auch aus Scham. Denn anders, als etwa Diabetes, ein schwaches Herz oder Krebs, gelten Depressionen noch immer als peinliches Zeichen von Schwäche. Daran hat sich seit dem Suizid von Robert Enke 2009 kaum etwas geändert.

Hinzu kommt: Nicht jeder Arzt zieht die richtigen Schlüsse aus den diversen möglichen Symptomen – und wählt die individuell beste Therapie. Der Fall des German-Wings-Piloten Andreas Lubitz scheint das am folgenschwersten zu belegen: Hier erhielt ein schwer depressiver Mensch offenbar nicht die Hilfe, die er gebraucht hätte – und riss vor einem Jahr 149 andere Menschen mit in den Tod.

Laut einer von der Bertelsmann-Stiftung beauftragten Studie der Uniklinik Hamburg-Eppendorf wurden 2011 bei knapp 12 Prozent der Menschen im Landkreis Hameln-Pyrmont Depressionen diagnostiziert. Der Anteil der schwer Depressiven an der hiesigen Gesamtbevölkerung betrug 1,4 Prozent. Allerdings wurde nur knapp jeder Vierte adäquat behandelt.

Diese von Dr. Reinhard Thiel von der AHG-Psychosomatischen Fachklinik Bad Pyrmont und Dr. Hermann Elgeti vom niedersächsischen Landesfachbeirat Psychiatrie am Mittwoch bei Hameln-Pyrmonts „2. Regionaler Gesundheitskonferenz“ im Hamelner Breckehof vorgetragenen Zahlen und Daten bestätigen die Erfahrungen Betroffener, die monatelang auf Behandlung warten: Optimal läuft die Versorgung nicht. Renate Sielaff von der Hamelner Begegnungsstätte „Die Brücke“ benannte die Baustellen: Es gibt zu wenige niedergelassene Fachleute. Es werden zu viele Mittel mit starken Nebenwirkungen verschrieben, und organische Leiden werden bei depressiven Patienten schnell auf die Psyche geschoben.

Die Akteure im Weserbergland wollen sich nun noch stärker vernetzen und alle Angebote auf einer Internetseite einstellen. Dr. Uwe Gerecke vom „Bündnis gegen Depression“ der Region Hannover zeigte dazu mögliche Wege auf.



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