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Drei Jahre vor Herta Heuwer will Briten-Koch Ludwig Dinslage die erste Currywurst kreiert haben

Wurde die Currywurst auf Schloss Bückeburg erfunden?

BÜCKEBURG. Seit Jahren streiten sich die Städte Hamburg und Berlin darum, wo die Currywurst erfunden wurde. Geht es nach Alexander zu Schaumburg-Lippe, muss die Geschichte des Kantinenklassikers neu geschrieben werden. Ein Dokument aus dem Archiv deutet darauf hin, dass der Briten-Koch Ludwig Dinslage die erste Currywurst 1946 in Bückeburg kreiert hat.

veröffentlicht am 22.10.2018 um 14:11 Uhr

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Autor:

THOMAS WÜNSCHE
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Sie landet regelmäßig auf dem Spitzenplatz als beliebtestes Kantinengericht der Deutschen: Seit mehr als 20 Jahren ist der Küchenklassiker Currywurst/Pommes am Arbeitsplatz so gefragt wie kein anderes Gericht. Mit seinen Liedzeilen „Gehste inne Stadt, wat macht dich da satt, ne Currywurst. Kommste vonne Schicht, wat schönret gibt et nich als wie Currywurst“, hat ihr Herbert Grönemeyer ein musikalisches Denkmal gesetzt, Altkanzler Gerhard Schröder hat sie in der Variante Currywurst plus Pommes rot/weiß als Promi-Gericht geradezu in den Adelsstand erhoben. Doch geht es nach Alexander zu Schaumburg-Lippe, muss die Geschichte der Currywurst nun offenbar neu geschrieben werden.

Denn glaubt man dem, was der Schlossherr in den Archiven von Schloss Bückeburg gefunden haben will, deutet vieles darauf hin, dass nicht Wirtin Herta Heuwer, die einen Imbissstand in Berlin-Charlottenburg betrieb, die typische Currywurstsauce am 4. September 1949 erfand – sondern der Bückeburger Küchenmeister, Konditor und spätere Hotelier Ludwig Dinslage (1912–1987). Dieser machte seine Kochlehre im „Fürstenhof“ in Berlin und verdiente sich später seine Sporen im „Palais Royal“ und im „Drouant“, beides namhafte Speiselokale in Paris. 1937 kochte er bei der dortigen Weltausstellung im deutschen Pavillon. Kurz nach dem Krieg verköstigte Dinslage dann die Offiziere der britischen Rheinarmee, die im September 1946 Bückeburg besetzt hatte, und servierte ihnen – Currywurst. „Sie wurde in meiner Schlossküche erfunden“, zitiert die Online-Ausgabe der Bild-Zeitung denn auch Alexander zu Schaumburg-Lippe und lichtet ihn ab, wie er mit Lebensgefährtin Mahkameh Navabi auf einem roten Ledersofa im Restaurant „Alte Schlossküche“ Currywurst nach Schlossherren-Art speist.

Demnach könnte der Bückeburger Dinslage die heutige Kult-Wurst bereits drei Jahre vor der Berlinerin Heuwer erfunden haben, die sich ihre „Chillup“-Sauce – eine Kombination der Worte Chili und Ketchup – allerdings 1959 als Warenzeichen eintragen ließ.

Tatsächlich zitiert eine im Sauerland erscheinende Tageszeitung bereits im Jahre 1984 in einem Artikel „Warsteiner servierte Briten schon vor 38 Jahren Currywurst – Geburtsstunde im Schloss Bückeburg“ Dinslages Frau Elvira mit den Worten: „Ich kann mich noch genau daran erinnern, wie mein Mann nach Hause kam und voller Stolz von seinem Erfolg mit der neuen Soße zur Bratwurst erzählte.“

Doch wer die Currywurst in Wirklichkeit erfunden hat, kann einem eigentlich „Wurst“ sein. Die Geschichte, die Alexander zu Schaumburg-Lippe erzählt, ist so oder so einfach köstlich. Man sieht ihn förmlich vor sich: den hell erleuchteten Speisesaal des Schlosses, die etwas steifen Offiziere an den Tischen. Dann öffnen sich plötzlich die Flügeltüren, und die Bediensteten kredenzen deutsche Bratwurst, allerdings mit einer seltsam dicken und bisher offensichtlich unbekannten roten Soße. Die Skepsis der Offiziere soll schnell der Begeisterung gewichen sein: „It’s delicious!“, sollen sie ausgerufen haben, es sei köstlich. „Der Koch hatte Stunden experimentiert. Er mixte aus 25-Liter-Kanistern Tomaten-Ketchup, Curry und Orangenmarmelade zusammen. Wir haben Dokumente, die belegen, dass es sich so abgespielt haben muss“, wird der Adelige in der „Bild“ zitiert.

Auf die Spur des Currywurst-Erfinders hatte ihn dessen Sohn Axel Dinslage in einem Brief vom März dieses Jahres gebracht: „Ich fände es großartig, wenn Sie auf der Speisekarte Ihrer Schlossküche an meinen Vater erinnern würden, vielleicht mit den Worten ,Schlossküchen-Currywurst mit selbst gemachter Gewürzsauce, erfunden 1946 vom Küchenmeister Ludwig Dinslage hier in der Schlossküche‘“, heißt es darin.

Nun, zumindest dessen Bild hängt jetzt dort an der Wand. „Ich hoffe, dass die Geschichte der Currywurst nun umgeschrieben wird und Herr Dinslage auch im Currywurst-Museum in Berlin ein Plätzchen findet“, so der Bückeburger Adelige.

Letzteres dürfte jedoch eher unwahrscheinlich sein. Zum Jahreswechsel 2018/19 geht der Museumsbetrieb an der Schützenstraße 70 in der Bundeshauptstadt, nur 100 Meter vom Checkpoint Charlie entfernt, nach zehn Jahren zu Ende. Eine Million Menschen sollen das Museum in dieser Zeit besucht haben. Die Letzten haben noch bis Freitag, 21. Dezember, die Möglichkeit, die Ausstellung zu sehen.



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