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S-Bahn weiter überfüllt – wie auch das Streckennetz in Hannover: Mehr Verkehr fürs Weserbergland absehbar

Wohin fährt der Zug?

Hannover/Weserbergland. Es erinnert an die Geschichte vom Hasen und Igel – oder an das Spiel „Reise nach Jerusalem“: In der S-Bahn zwischen dem Weserbergland und Hannover gibt es seit langem einen Run auf die oft knappen Sitzplätze. Vor gut fünf Wochen wurde zwar für zusätzliche Kapazitäten zwischen Hameln und Hannover Hauptbahnhof gesorgt, doch wer östlich von Springe zusteigt, hat weiterhin das Nachsehen. „Ich kann keine Entlastung durch die Sprinterzüge feststellen“, berichtet Sandra A. aus Bennigsen. Sie nehme täglich um 6.41 Uhr den Zug nach Hannover – und der sei nach wie vor überfüllt. Die Pendlerin ärgert sich über alle, die in Hameln oder Springe nicht auf die 13 Minuten später startende und nicht überall haltende neue Express-S-Bahn S 51 ausweichen, was die S 5 entlasten könnte. Sina Helmboldt (32) aus Coppenbrügge hält es für „eine super Idee, zusätzliche Züge auf dieser Strecke einzusetzen“ und würde gerne in die S 51 steigen. „Nur leider fährt die zu so doofen Zeiten, dass man nicht um 8 Uhr in Hannover an seiner Arbeitsstelle sein kann.“ Auf dem Rückweg am Nachmittag müsste Helmboldt mehr als 40 Minuten auf diesen Zug warten. „Also fahre ich weiter mit der S 5. Sie ist nach wie vor auf dem Hin- und Rückweg überfüllt, ich merke keinen Unterschied.“

veröffentlicht am 20.01.2014 um 21:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 13:12 Uhr

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Marc Fisser

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Die Engpässe kennen die Verkehrsexperten in Hannover sehr gut – und überfüllt sind bei weitem nicht nur die Züge ins Weserbergland, sondern auch die zu anderen Zielen in nah und fern. Auf den Strecken des wichtigen europäischen Eisenbahnknotens drängeln sich Personen- und Güterzüge. Die Strecken im Raum Hannover sind derart ausgelastet, dass der vorhergesagte weitere Fahrgastzuwachs ohne Veränderungen an der Infrastruktur nicht zu bewältigen ist. Das hat der Braunschweiger Professor Thomas Siefer in einem früheren Gutachten deutlich gemacht. In Hannover wird deshalb jetzt nach dem großen Wurf gesucht, der die Probleme löst – im Großen wie im Kleinen. Für das Weserbergland könnte das bedeutende Folgen in ganz unterschiedlicher Weise haben.

Der Verkehrsausschuss der Region Hannover wird übermorgen voraussichtlich beschließen, zwei Studien in Auftrag zu geben. Mit ihnen sollen Vorschläge zu kurzfristigen und langfristigen Lösungen für den Bahnknoten Hannover erarbeitet werden. Eine Arbeitsgruppe aus Vertretern der Regionsverwaltung, des niedersächsischen Verkehrsministeriums, der Landesnahverkehrsgesellschaft (LNVG) und des Zweckverbandes Großraum Braunschweig hat für das „Bearbeitungsszenario 2016 plus“ einen „Katalog von anzustrebenden Angebotsentwicklungen“ erstellt. Dazu gehört der Punkt „Neuordnung des Express- und S-Bahn-Verkehrs zwischen Paderborn, Hameln und Hannover“. Außerdem solle eine ständige Direktverbindung zwischen Flughafen und Messegelände, also auch außerhalb der Messezeiten, angestrebt werden – „gegebenenfalls durch Linientausch S 4 und S 5“. Das könnte bedeuten: Das Weserbergland verliert die überaus attraktive halbstündliche Anbindung an den Airport ganz oder teilweise; die S-Bahn würde dann nach Bennemühlen auf der Strecke nach Soltau fahren.

Erwogen wird nach Auskunft von Insidern andererseits, den Expressverkehr der S-Bahn über Hameln hinaus bis nach Paderborn zu verlängern. Davon würde Bad Pyrmont profitieren, das als wichtigste Stadt an diesem Abschnitt sicherlich einer der wenigen Haltepunkte würde. Zu prüfen sei aber auch, ob zwischen Hannover und Paderborn ein Regionalexpress zusätzlich zu den standardmäßigen S-Bahnen eingesetzt werden sollte, ist zu vernehmen. Solche Züge, wie sie zum Beispiel als „Metronom“ zwischen Uelzen und Göttingen pendeln, sind bis zu 160 Stundenkilometer schnell. Für Hameln und Bad Pyrmont hätte es den Reiz, dass dadurch auch die Verbindung in den oder aus dem Westen verbessert würde. Der Anschluss in Richtung Kassel über Altenbeken könnte somit ebenfalls aufgewertet werden. Siegfried Vollmer, Geschäftsführer des Verkehrsverbundes Paderborn/Höxter, berichtet derzeit lediglich von „vagen Überlegungen“ in Ostwestfalen, zum nächsten Fahrplanwechsel den Abendverkehr um eine schnelle Verbindung zu erweitern. Das hannoversche S-Bahn-System stellt er nicht in Frage.

Für das Weserbergland steckt in Hannovers Gedankenspielen mehrfacher Zündstoff. „Tangentiale Entlastungen“ für den Hauptbahnhof Hannover existieren bislang nicht, heißt es in dem Papier für den Verkehrsausschuss. Und weiter: „Im Fern- und Güterverkehr stehen in Zukunft gravierende Veränderungen an.“ Unter anderem wird der Ausbau der Ost-West-Strecke genannt. In dem nun auch zu erstellenden „Szenario 2030“ soll deshalb ermittelt werden, ob über die für den Bundesverkehrswegeplan 2015 vorgesehenen Projekte und die im „Szenario 2016 plus“ enthaltenen Maßnahmen hinaus „ein weiterer Bedarf“ besteht. Es wird erkennbar, dass nicht nur Hannover, sondern Deutschland und Europa an einer Südumfahrung des überlasteten Bahnknotens ein großes Interesse haben; die bestehende „innerörtliche“ Güterumfahrungsstrecke von Seelze über Linden nach Lehrte wird offensichtlich nicht als „tangentiale Entlastung“ gewertet. Mit dem Blick von außen könnte der erwogene Ausbau der früheren Hauptstrecke von Löhne über Hameln und Elze nach Braunschweig als bessere Lösung gesehen werden – selbst wenn immense Summen investiert werden müssten. Die Strecke würde elektrifiziert und wieder zweigleisig hergerichtet, was auch dem derzeit nicht optimal laufenden Personenverkehr dienen könnte. Die Bürgerinitiativen und Kommunen im Weserbergland, die sich vor allem unter Hinweis auf die Lärmbelästigung und die Kosten gegen den Ausbau zur Güterhauptstrecke wenden, meinen hingegen, dass die Frachtzüge auf einer erweiterten Strecke über Minden nach Hannover fahren sollten.

Hannovers Regionsverwaltung bereitet momentan die Ausschreibung für die erste Bearbeitungsphase der Studie vor. Ergebnisse für die kurzfristigen Maßnahmen ab 2016 sollen noch in diesem Jahr vorliegen.



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