weather-image
13°

Probleme im Not- und Nachkühlsystem / Warten auf Fachpersonal und Spezialtechnik

Wochenlange Zwangspause für das AKW

Emmerthal/Hannover. Fehlendes Fachpersonal verlängert die Zwangspause für das Kernkraftwerk Grohnde. Das nennt Betreiber Eon Kernkraft GmbH als Grund, dass der Reaktor nach derzeitiger Planung nicht vor dem 22. Mai wieder ans Netz gehen soll.

veröffentlicht am 29.04.2016 um 17:24 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 12:58 Uhr

270_008_7865010_lkae105_Dana_3004.jpg
Christian Branahl

Autor

Christian Branahl Reporter / Newsdesk zur Autorenseite
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Ursprünglich sollte das AKW schon seit Mitte April nach Abschluss der Revision wieder Strom produzieren. Allerdings war ein Schaden an einer sogenannten Nachkühlpumpe festgestellt worden. Vorsorglich seien umfangreichen Inspektionen im Bereich der betroffenen Systeme veranlasst worden, erläutert Eon.

„Da die Revision in der Anlage bereits beendet war, ist das hierfür erforderliche Fachpersonal in anderen Anlagen gebunden“, erläutert Sprecherin Almut Zyweck. Es müsste zunächst wieder Zeit für einen Einsatz in Grohnde haben, außerdem müsste Inspektionstechnik mit Kamerasystemen für die Rohrleitungen angeliefert werden, bevor die Prüfungen durchgeführt werden könnten.

Selbst der Millionenschaden vor zwei Jahren, als auf dem Wasserwege ein 400 Tonnen schwerer Ersatzgenerator zum Kraftwerk geschafft werden musste, war schneller behoben. Atomkraftgegner wittern in dem langen Stillstand Anzeichen dafür, dass es größere Probleme gebe. „Es wird immer deutlicher, dass das Kraftwerk unsicher ist und zum erheblichen Risiko für die Natur und Menschen in ganz Deutschland wird“, heißt es in einer Mitteilung der Initiative „Grohnde abschalten“. Sie nutzt das meldepflichtige Ereignis erneut zur Aufforderung an das niedersächsische Umweltministerium als Atomaufsichtsbehörde, das AKW stillzulegen. Die Initiative veröffentlichte außerdem am Donnerstag einen Brief an Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne). „Es muss das gesamte Notfallschutzkonzept auf den neuesten Stand von Wissenschaft und Technik gebracht werden und ein wesentlich früheres Auffinden von Defekten sichergestellt werden“, heißt es darin.

Das Ministerium sieht hingegen keine größeren Probleme. „Es handelt sich um ein Ereignis der Kategorie N (Normal) nach der atomrechtlichen Meldeverordnung, das sind Ereignisse von geringer sicherheitstechnischer Bedeutung“, teilt Sprecherin Justina Lethen mit. An einer der vier Nachkühlpumpen sei ein Materialabtrag festgestellt worden, was weitreichende Auswirkungen auf den weiteren Verlauf der Revision gehabt habe. Das Rohrleitungssystem und die darin befindlichen Armaturen seien auf Materialablagerung untersucht worden. Nach Spanfunden habe der Betreiber am 21. April entschieden, die Anlage kalt zu fahren, um Untersuchungen weiterer Bereiche durchzuführen, in die das abgetragene Material gelangt sein könnte. Dazu gehöre auch, den Reaktordruckbehälter zu öffnen und die Inspektion der Einbauten. „Alle Prüfungen werden vom Umweltministerium begleitet“, so die Sprecherin der Atomaufsichtsbehörde. „Das Wiederanfahren der Anlage kann erst erfolgen, wenn alle Prüfungen abgeschlossen sind.“

Laut Eon dient das Not- und Nachkühlsystem der Abfuhr der Nachwärme des Reaktors, nachdem dieser beispielsweise zur Revision abgeschaltet werde. „Im Leistungsbetrieb hat das Not- und Nachkühlsystem keine Funktion zur Kühlung des Reaktors, kann aber für andere Kühlfunktionen in der Anlage eingesetzt werden“, erläutert Zyweck. Insgesamt sei dieses System vierfach in der Anlage vorhanden, wobei nur eines zur Kühlung im aktuellen Betriebszustand ausreiche. „Wenn ein System ausfällt, wird die Kühlfunktion sofort von einem anderen System übernommen.“

Betroffen gewesen sei eine sogenannte Kreiselpumpe, die monatlich auf ihre Funktion getestet werde und die mit im Kraftwerk vorrätigen Ersatzteilen sofort repariert worden sei. Im Inneren des Gehäuses sei durch das Laufrad Material abgetragen worden. „Um Folgeschäden durch die sich im Wasser befindlichen Partikel in Zukunft ausschließen zu können, haben wir ein umfangreiches Inspektionsprogramm angestoßen“, erklärt Zyweck. „Vorsorglich werden wir weite Teile des Primärkreises untersuchen.“

„Für die Revision im AKW Grohnde gilt: Gründlichkeit vor Eile“, meint die heimische Landtagsabgeordnete und Fraktionsvorsitzende der Grünen, Anja Piel aus Fischbeck. Bis zum vereinbarten Ausstieg und zur Stilllegung des AKWs Grohnde müsse der Betreiber alles dafür tun, dass größtmögliche Sicherheit gewährleistet sei. Piel: „Atomkraft bleibt eine Risikotechnologie, bei der technische Mängel verheerende Folgen haben können.“



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt